Alle Beiträge zu Fortschritt

Check-Up Ireland: Ein Platz an der Sonne

Sollarzellen (adapted) (image by Andreas-Troll 8CC0] via pixabay)
Seit 1997 lebe ich nun schon in der irischen Hauptstadt Dublin. Mein erster Job bei AOL hatte auch ein wenig mit Tech zu tun – wenn man die berüchtigten Freistunden-CDs als “Tech” ansieht oder das Verbinden an die technische Hotline durchgehen lässt. Im November habe ich damit begonnen, die “Tech-Insel” [...]
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Fünf Technologien, die unsere Zukunft gestalten könnten

Thought (adapted) image by TeroVesalainen [CC0] via pixabay)
Fliegende Lagerhallen, Roboter-Rezeptionisten, intelligente Toiletten… klingen solche Innovationen eher wie Science-Fiction oder wie ein Teil einer möglichen Realität? Die Technologie hat sich in einem so rasanten Tempo entwickelt, dass uns unsere Welt in naher Zukunft wie futuristischen Filme à la Blade Runner ähnelt – mit intelligenten Robotern und jeder Menge [...]
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CinemaConnect: Barrierefreies Kino für alle

Die kostenlose Applikation CinemaConnect von Sennheiser gibt es für Apple und Android und macht barrierefreies Kinoerlebnis für Sinnesbehinderte möglich. Mit ihr sind Audiodeskription, personalisierte Hörunterstützung sowie Untertitel über das eigene Smartphone in Echtzeit abrufbar. Ein Service, der Millionen Menschen anspricht: allein in Deutschland leben 1,2 Millionen mit Sehbehinderung oder Blindheit [...]
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Wie Afrika einen heimischen Technik-Sektor entwickeln kann

RHoK Nairobi, Kenya (adapted) (Image by Erik (HASH) Hersman [CC BY 2.0] via flickr)
Afrika geht rasant online. Das Internet verbreitet sich auf dem Kontinent schneller als in irgendeiner anderen Region der Welt und bietet Millionen von Menschen Zugang zu besserer Kommunikation, Information und Geschäftsgelegenheiten. Obwohl nur etwa 20 Prozent aller Menschen in Afrika Zugang zum Internet haben (im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt von [...]
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Review: Anhedonia – Narzissmus als Narkose

Anhedonia (Image by Interzone Pictures)
Die Maschinen werden intelligent, die Menschen bleiben dumm – “Fortschritt durch Technik” – den Spruch kennt man ja. Wir sind die Generation, welche die Weiterentwicklung der Menschheit und ihrer Umgebung dank der Digitalisierung auf einem ganz neuen Level miterleben. Irgendwie befindet man sich permanent im Vorspul-Modus, fast so als würde [...]
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Verwaltung, öffne dich!

Bureaucracy_Bürokratie I (adapted) (Image by Christian Schnettelker [CC BY 2.0] via Flickr)
In Deutschland ist ein modernes E-Government immer noch eine nicht erfüllte Forderung, doch die Debatte um eine digitale Verwaltung hat bereits begonnen. In der Süddeutschen Zeitung haben Christoph Bornschein und Tom J. Gensicke ein leidenschaftliches Plädoyer für eine neue Verwaltung geschrieben. Die Frage, warum die Digitalisierung im öffentlichen Sektor schon [...]
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Cyberpunk ist die einzig plausible Zukunftsvision der Digitalisierung

Shibuya Night (Image by Guwashi [CC BY 2.0], via Flickr)
Die Verschmelzung von Mensch und Maschine in einer nahen Zukunft in der enorme informationstechnologische Fortschritte neben prekären gesellschaftlichen Bedingungen ko-existieren ist absehbar. Cyberpunk ist die plausibelste mir bekannte Zukunftsvision. Was lernen wir aus Zukunftsvisionen? Haben wir vor Minority Report schon gesellschaftlich über Pre-Crime diskutiert? Wer kannte Asimovs Gesetze vor einschlägigen Sci-Fi-Filmen [...]
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5 Lesetipps für den 30. September

In unseren Lesetipps geht es um Gerüchte im Journalismus, Regulierung, Netflix zieht mit dem Kino gleich, Internet in China und Nachrichten auf YouTube. Ergänzungen erwünscht.

  • JOURNALISMUS NYTimes.com: Why Rumors Outrace the Truth Online: Auf der Website der New York Times schreibt Brendan Nyhan über ein interessantes Problem der modernen Medienwelt: für Empörung und Aufregung sorgende Geschichten werden öfters geteilt als die späteren Richtigstellungen und neuesten Erkenntnisse über die Fälle. Gerüchte sind eben interessanter als die Fakten, was die in den letzten Jahren geschrumpften Redaktionen eigentlich veranlassen sollte, ihre Fakten vor Veröffentlichung noch besser zu prüfen. Aber selbst wenn das personell noch möglich wäre, würde das Reichweiten kosten und darum scheint es immer öfters zu gehen. Eine gefährliche Entwicklung im Journalismus.

  • REGULIERUNG Inc.com: Tech-Friendly Cities Struggle with New Biz Rules: Technologie stellt für Althergebrachtes stets eine Herausforderung dar, selbst in Deutschland ist das zeitgleich zu den USA an Beispielen wie Uber oder Airbnb zu sehen. Dort auf beiden Seiten des Atlantiks wird zu schnell nach Regulierung seitens der Politik gerufen. Gerade Städte, die bisher einen Ruf als innovative Zentren des digitalen Fortschritts genossen, verspielen damit ihr Kapital anstatt nach neuen Lösungen für die vermeintlichen Probleme zu suchen, die durch die Technologien entstehen. Philip Marcelo schildert auf Inc.com die Debatte am Fall der US-amerikanischen Stadt Boston.

  • NETFLIX VentureBeat: In streaming media landmark, Netflix will show ‚Crouching Tiger‘ sequel same day as theaters: Es ist nur eine kurze Meldung von Mark Sullivan auf Venturebeat.com, aber eine mit weitreichenden Folgen für die gesamte Unterhaltungsindustrie: Netflix hat sich mit dem unabhängigen Filmstudio Weinstein Company darauf verständigt, dass die Fortsetzung von Ang Lees „Tiger & Dragon“ zum Kino-Start gleichzeitig auch ohne Extrakosten auf Netflix angeboten wird. Das wird eine Premiere, aber Netflix arbeitet bereits angeblich an weiteren derartigen Deals. Das es so kommen wird, war abzusehen, trotz der Proteste der Filmindustrie.

  • CHINA Foreign Policy: An Internet Where Nobody Says Anything: Auf Foreignpolicy.com schildert David Wertime den Fall des chinesischen Professors Ilham Tohti, der Mitglied der muslimischen Minderheit der Uiguren ist und der einen Blog namens UygurOnline gründete, um eine bessere Verständigung zwischen Uiguren und Han-Chinesen zu erreichen. Doch die chinesische Regierung sperrte Tohti für sechs Jahre ins Gefängnis, anstatt die Möglichkeiten der harmonischen Verständigung durch das Internet zu nutzen. Der Fall ist ein lesenswertes Beispiel, was für ein Internet sich politische Eliten wünschen – ein Einbahnstraßen-Kanal für Propaganda, ohne Möglichkeit der Partizipation – und wie stark es im Kontrast zu den Nutzungsmöglichkeiten steht.

  • YOUTUBE Siliconrepublic.com: Interview with Cenk Uygur: Nachrichten ist der auf YouTube zuletzt am stärksten wachsende Bereich, denn während hierzulande wohl nur „Jung & Naiv“ zu Bekanntheit gelangt ist, sind anderswo Nachrichten-Formate auf YouTube sehr gefragt. Colm Grey hat sich für Siliconrepublic.com mit Cenk Uygur unterhalten, der den ältesten News-Channel auf YouTube leitet und daraus ein Nachrichten-Netzwerk gemacht hat. Noch verdienen YouTube-Kanäle nicht genauso viel wie TV-Sender, aber wenn sie es eines Tages schaffen, ist das Fernsehen endgültig erledigt.

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5 Lesetipps für den 12. März

In unseren Lesetipps geht es heute um die Geschichte hinter Flappy Bird, Zukunftsangst, die Neuauflage des Browser-Games von Douglas Adams, Social Media und Narzissmus sowie Lebensmittel aus dem Internet. Ergänzungen erwünscht.

  • FLAPPY BIRD Rolling Stone: The Flight of the Birdman: Flappy Bird Creator Dong Nguyen Speaks Out: Manch einer kann sich noch an den Hype um Flappy Bird erinnern, der vor wenigen Wochen sämtliche Tech-Medien erfasste. Die US-Ausgabe des Rolling Stone Magazine hat den Erfinder von Flappy Bird, Dong Nguyen, in Hanoi getroffen und die unglaubliche Geschichte hinter der süchtig machenden App aufgeschrieben.
  • ZUKUNFTSANGST Süddeutsche.de: Angst vor dem Fortschritt – Mehr Vorfreude wagen!: Haben wir Angst vor dem Fortschritt? Ist das die den Deutschen gerne zugeschriebene Zukunftsangst? Dirk von Gehlen schreibt in der Süddeutschen Zeitung, dass die Debatten des Frühjahrs 2014 von einem breiten Konsens geprägt sind, dass der Fortschritt auch schon mal besser war. Der Glaube an die Gestaltbarkeit von Morgen scheint fast abhanden gekommen zu sein – zu unrecht, wie er meint.
  • PER ANHALTER DURCH DIE GALAXIS e-book-news.de: BBC feiert 30 Jahre „Per Anhalter durch die Galaxis“ – mit browserbasiertem Text-Adventure: Die BBC feiert 30 Jahre „Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“, aber bevor die Fans des Romans protestieren sei klar gestellt, dass es das Jubiläum des gleichnamigen Text-Adventure-Computerspiels ist, dass 1984 als Koproduktion zwischen Serien-Autor Douglas Adams selbst und dem Infocom-Programmierer Steve Meretzky herausgebracht wurde. Zum Jubiläum gibt es das Spiel als HTML5-Webapp und bescherte dem britischen Rundfunk ein kurzfristiges Traffic-Wachstum von 1.000 Prozent.
  • SOCIAL MEDIA schulesocialmedia.com: Oberflächlichkeit, Narzissmus und Social Media: Philippe Wampfler hat sich verschiedenen Studien zu unserem Nutzungsverhalten in Social Media beschäftigt und den darin geäußerten Verdacht, dass die Nutzung von Social Media Narzissmus auslösen kann. Er kommt aber zum Schluss, dass dem nicht so ist, sondern soziale Netzwerke sich nur als optimale Betätigungsfelder für Menschen erweisen, die narzisstisch veranlagt sind.
  • E-COMMERCE Frankfurter Allgemeine: Lebensmittel aus dem Internet: Wer seine Einkäufe im Netz bestellen und liefern lassen will, hat ein immer größeres Angebot. Nadine Oberhuber hat es für die Frankfurter Allgemeine ausprobiert und sich Lebensmittel von sechs Händler nach Hause bestellt.

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Google-Roboter: Mit Werbemilliarden zum Maschinen-Schöpfer

Die Internetfirma Google investiert beträchtliche Summen in eine Zukunft, in der Roboter menschliche Arbeitskraft ergänzen oder gar ersetzen könnten. Bei der Suche nach neuen Einnahmequellen ist der Internetkonzern Google fündig geworden: Robotik soll langfristig zu einem wichtigen Geschäftsfeld neben der Internet-Werbung ausgebaut werden. Der ehemalige Android-Chef Andy Rubin höchstpersönlich wurde mit der futuristischen Aufgabe betraut. Die Übernahme der Roboter-Firma Boston Mechanics zeigt, dass die selbstfahrenden Google-Autos könnten da nur ein Vorgeschmack auf das sind, was Google in seinen geheimen Laboren entwickelt.

Google ist eine Internet-Firma, die mit Werbung pro Quartal viele Milliarden Dollar Umsatz macht, richtig? Ja, darauf können sich wohl alle einigen. Zuletzt waren es mehr als 12,5 Milliarden Dollar im dritten Geschäftsquartal 2013, das sind 84 Prozent des gesamten Umsatzes. Allerdings ist der “Cost per Click”, als das Geld, das Google im Schnitt pro angeklickter Anzeige bekommt, um acht Prozent gesunken und gibt einen negativen Ausblick auf die künftigen Werbeumsätze. Dementsprechend interessant ist es zu beobachten, wie Google immer mehr Produkte auf den Markt wirft, die nicht mit Reklame Geld machen. Smartphones von Motorola, Bezahl-Dienste wie “Play Music All Access” oder “Drive”, kostenpflichtige Apps für Android-Handys, Internetanschlüsse via “Google Fiber” – der Internet-Konzern versucht, neue Einnahmequellen neben der noch lukrativen Werbung aufzumachen. Diversifizierung nennen die Profis das.

Beim so genannten “Earnings Call” zum dritten Geschäftsquartal 2013 Mitte Oktober hat Google-CEO Larry Page in diesem Zusammenhang eine bemerkenswerte Äußerung gemacht: “My struggle in general is to get people to spend money on long-term R&D. At most companies, 99 percent of R&D is incremental. I view my job as the opposite, to get people to spend on long-term R&D. People have a perception that’s material, but that’s not been my experience. Even the investments we’ve announced, like Calico (the new health initiative), while they’re significant dollar amounts, they’re not significant for Google.” Frei übersetzt: Google soll künftig viel mehr Geld in die Entwicklung neuer Produkte stecken als die bisherigen zwei Milliarden Dollar pro Quartal. Doch welche Dinge könnte die Firma aus Mountain View denn bauen, mit denen sie in Zukunft neue Märkte aufmachen?

Seit vergangenem Freitag gibt es eine ziemlich eindeutige Antwort auf diese Frage: Roboter. Da wurde bekannt, dass Google Boston Dynamics (übrigens Zulieferer der DARPA-Behörde des US-Verteidigungsministeriums) aufgekauft und seine Sammlung auf insgesamt 8 übernommene Roboter-Firmen 2013 erhöht. “BigDog”, “Cheetah” oder “WildCat” heißen die Schöpfungen von Boston Dynamics, die Tieren nachempfunden sind, ziemlich furchteinflößend sind und irgendwie an dystopische Roboterinvasions-Science-Fiction denken lassen. “BigDog” kann durch Schnee stapfen und 150 Kilo tragen, “Cheetah” läuft mit 45,5 km/h schneller als Usain Bolt, und der humanoide Roboter “Petman” soll chemische Schutzanzüge testen – aber seht selbst:


WildCat

Petman

BigDog


Der Mann, der Googles Roboterarmee bauen soll, ist der 50-jährige ehemalige Apple-Mitarbeiter Andy Rubin – jener Entwickler, der das Betriebssystem Android groß gemacht hat, das heute auf mehr als einer Milliarde Geräten weltweit installiert ist. Welche Produkte die neue, von Rubin geleitete Roboterabteilung von Google hervorbringen wird, ist heute noch ungewiss – jetzt stehen erst einmal Jahre der intensiven Entwicklung an. Nimmt man aber die Boston-Dynamics-Roboter mit den Produkten der anderen aufgekauften Firmen zusammen – u.a. Schaft, Industrial Perception, Redwood Robotics, Bot & Dolly, Meka Robotics, Holomni -, ergibt das ein schlüssiges Bild. Google geht es nicht um Spielzeug, sondern um Arbeitsmaschinen; um Roboter, die in Fabriken, auf Baustellen oder in der Landwirtschaft arbeiten können. Techcrunch-Autor John Biggs sieht weitere Anwendungsmöglichkeiten: “Google is a data company and needs far more data than humans alone can gather. Robots, then will be the driver for a number of impressive feats in the next few decades including space exploration, improved mapping techniques, and massive changes in the manufacturing workspace”, schreibt er. Die GoogleBots könnten Seite an Seite mit dem Menschen arbeiten, uns vertreten oder gar ersetzen, und Google selbst könnte über die via Roboter erfassten Daten noch mehr über die Welt erfahren als heute über seine Suchmaschine und die Android-Smartphones.

Nun, bis “BigDog” Schafherden über die Weiden treibt und “Cheetah” als flotter Paketbote durch unsere Straßen jagt, werden noch viele Jahre vergehen. Doch auch andere Firmen dringen in den Bereich vor. Amazon sowie der iPhone-Fabrikant und Apple-Partner Foxconn wollen Roboter statt Menschen in ihren Lagerhallen bzw. Fabriken arbeiten lassen, und Facebook wird ein Labor für Künstliche Intelligenz, die man zur Beseelung von Maschinen braucht, einrichten. Je weiter die Robotik sich entwickelt, desto drängender werden auch die Fragen nach ihrem Einfluss auf die Gesellschaft sein. Wer wird die Roboter kaufen, besitzen und betreiben dürfen? Wie viele Arbeitsplätze werden diese intelligenten Maschinen kosten? Und: Werden die Tech-Kreaturen gemäß Asimovs Robotergesetzen so programmiert, dass sie Menschen keinen Schaden zufügen können und somit im Krieg nicht einsetzbar sind?


 


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Journalismus: Lasst euch nicht ausbremsen!

Wenn es um Innovationen geht, gibt es immer solche Menschen, die sie vorantreiben oder zumindest mitziehen und solche, die zurückbleiben. Mitschleifen sinnlos. Wir kennen das alle: einige Engagierte schieben eine Debatte an, entwickeln Ideen und versuchen, sie unter das Volk zu bringen. Dieses wiederum kann damit nicht wirklich etwas anfangen oder will damit gar nichts zu tun haben, weitermachen wie bisher. Für die Engagierten gibt es zwei Wege: Entweder lässt man die wenigen innovativen Köpfe wieder rauchen – ohne Rücksicht auf Verluste. Oder – ein oft gegangener Weg – die kreative Elite wirkt positiv gestimmt auf den Rest ein, bremst aber dadurch den Innovationsprozess. Eine Situation, wie sie problemlos auf die Journalismusdebatte übertragbar ist.


 

  • Die DJV-Zukunftsthesen gehen nicht weit genug.
  • Motivierte Denker und Macher dürfen nicht ausgebremst werden.
  • Fortschritt funktioniert zunächst nie mit allen, sondern nur mit einzelnen Akteuren.

Als eine Projektgruppe des Deutschen Journalistenverbands vor wenigen Wochen acht Thesen zur Zukunft des Journalismus vorstellte, entfachte eine Diskussion darüber, ob diese Thesen denn weit genug gehen würden oder ob sie immerhin ein Anfang seien, um die Kollegen außerhalb der Filterblase jener, die sich tagtäglich damit beschäftigen, endlich zu erreichen. Nachvollziehen lässt sich diese Diskussion beispielsweise anhand der Kommentare unter meinem Artikel auf Lousy Pennies, in dem ich die Thesen als zu mutlos bezeichne. „Ich hoffe, dass diejenigen sich nicht gebremst fühlen, wenn ihr Verband versucht, das, was für sie schon normal ist, endlich zum notwendigen Status Quo in der gesamten Branche zu machen.“, schreibt Carolin Neumann dort. Die Frage, die man sich aber tatsächlich stellen muss: Kann man diesen notwendigen Status Quo in der gesamten Branche erreichen? Und vor allem: Ist es die Arbeit wert, dieses Ziel wirklich anzustreben? Geht man noch einen Schritt weiter, schließt sich auch die Frage an, wie lange diejenigen, welche die Innovationen voranzutreiben versuchen, sich da vorne noch abstrampeln. Wie oft lassen sie sich noch ausbremsen, weil die gesamte Branche noch nicht so weit ist?

Das Potential ausschöpfen

Selbstverständlich dürfen wir nicht davonrennen nach dem Motto: „Nach uns die Sintflut“. Natürlich erfordert es unser aller Anstrengung, die Branche weiterzuentwickeln – und zwar gemeinsam an einem Strang. Aber es darf nicht dazu kommen, dass es kreative, motivierte Köpfe gibt (und diese sind in der Journalismusbranche vorhanden!), die sich auf einem hohen Leistungsniveau abmühen, aber immer wieder ins Mittelfeld zurückgeholt werden und ihr Potential nicht annähernd ausschöpfen. Fortschritt geschieht nun einmal nie in der Masse, sondern durch einzelne Akteure. Und wenn der Rest davon überzeugt ist, dann wird er folgen. Wenn grundlegend über den Journalismus im 21. Jahrhundert diskutiert wird – in einem offenen Prozess mit der Möglichkeit, nicht der Bedingung von Partizipation – und ein neues, gemeinsames und überzeugendes Verständnis entsteht, dann werden sich auch andere damit identifizieren.

Die Rede ist nicht von allen anderen, klar. Es sind ja auch nicht alle von „Bio“ überzeugt, nicht alle vom Mindestlohn, nicht alle von Salami-Pizza. Man wird nie alle Menschen in einer Gruppe von der einen Sache, dem einen Konzept überzeugen können. Aber nur, weil man das nicht kann, heißt es nicht, bestimmte Wege zu gehen, sich für gewisse Dinge zu entscheiden. Ohne Mut und Entscheidungen wird es keinen Fortschritt geben. Auch im Journalismus müssen wir uns das bewusst machen: wir werden nicht die ganze Branche hinter diesen Ideen, Thesen und Konzepten versammeln können, aber wir können mit diesen Ideen, Thesen und Konzepten etwas bewegen. Wir müssen es bloß tun.

 

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