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Schnappschuss-Journalismus: Essays bei Instagram

London Eye (Image by pixolga [CC0 Public Domain], via Pixabay)
Eignet sich die Foto- und Videoplattform nur für visuelle Petitessen oder Häppchen-Journalismus? Nein, Jeff Sharlet nutzt Instagram für Sozialreportagen. Jeff Sharlet ist eigentlich ein Mann des Wortes: Im Stil des literarischen Journalismus schreibt er Bücher sowie Reportagen in Magazinen und unterrichtet “creative nonfiction” am Dartmouth College. Doch er hat Instagram [...]
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5 Lesetipps für den 19. Dezember

In unseren Lesetipps geht es heute um das Leistungsschutzrecht, die Deutsche Welle, Social Media in der Politik, Flickr und ein Essay über Journalismus. Ergänzungen erwünscht.

  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT Julia Reda’s Blog: Oettinger kündigt EU-Leistungsschutzrecht für Verlage an: Das Leistungsschutzrecht für Presseverlage ist eine politische Idee, die bisher in jedem Land gescheitert ist. Trotzdem scheint es so, dass Günther Oettinger überlegt, dieses Instrument der Medienbranche gegen Google (auch wenn es noch andere Akteure trifft) auf europäischer Ebene einzuführen. Das schreibt zumindest die Europaabgeordnete Julia Reda in ihrem Blog. Gegenüber Golem widerspricht Oettingers Sprecherin Marlene Holzner, weshalb wir nur hoffen können, dass sich beide Akteure vielleicht dich einig sind: Das Leistungsschutzrecht für Presseverlage ist nicht deshalb gescheitert, weil es auf der falschen Ebene eingeführt wurden, sondern weil es das falsche Instrument ist.

  • DEUTSCHE WELLE Deutschlandradio Kultur: Debatte um Reform der Deutschen Welle: Anfang Dezember befragten wir den grünen Netzpolitiker Dieter Janecek zur Tagesordnung des Bundestagsausschuss „Digitale Agenda“. Beiläufig erfuhren wir, dass zur Zeit auch um die Zukunft der Deutsche Welle gesprochen wurde, was sich inzwischen zu einer breiten Debatte entwickelt hat. Peter Limbourg, Intendant der Deutsche Welle, will das englischsprachige Programm ausbauen und im Gegenzug deutsch-, spanisch- und arabischsprachige Programme kürzen. Zumindest, falls der Bundestag den Etat nicht erhöht. Liane von Billerbeck von Deutschlandradio Kultur hat sich darüber mit Tabea Rößner, medienpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, unterhalten. Ein hörenswertes Interview, dass die Debatte gut zusammenfasst.

  • SOCIAL MEDIA Europäisches Journalismus-Observatorium: Social Media in der Politik: Zwar hat Social Media durchaus schon Einzug in die Kommunikation von Politikern und politischen Parteien gehalten, doch noch tuen sich die Akteure schwer damit, denn bisher werden die sozialen Kanäle nur für die gezielte Verbreitung einseitiger Information genutzt. Wirkliche Interaktion mit den Bürgern findet nicht statt, wie Ulrike Klinger und Jakob Svensson auf der Website des European Journalism Observatory schreiben. SIe kommen zum Fazit, dass sich zwar politische Kommunikation durch soziale Netzwerke verändert hat, diese dadurch aber nicht besser oder demokratischer geworden wären als traditionelle Massenmedien.

  • FLICKR CNET: Flickr ends sale of prints uploaded under Creative Commons: Yahoo ist unmöglich. Oder viel mehr unglaublich. Die Geschichte um die rechtskonforme Nutzung der unter Creative Commons lizenzierten Flickr-Bilder der eigenen Mitglieder, ohne sie dabei finanziell zu betiligen, ist dabei nur einer von vielen Aufregern der letzten Jahre, aber der meiner Meinung nach das grobe Unverständnis deutlich machendste. Die auf Freiheit setzenden und Teilhabe ermöglichenden Flickr-Nutzer nicht an den Gewinnen des Wall Art-Services zu beteiligen, war ein Fehler, der jetzt dadurch noch schlimmer gemacht wird, dass sie komplett aus dem Dienst rausgenommen werden. Hier hätte Yahoo mal zeigen können, was man anderso schon weiß: man kann auch Geld mit freien Inhalten verdienen. Das wäre ein wirklicher Dienst an den eigenen Mitgliedern gewesen.

  • JOURNALISMUS TagesWoche: Ein Essay zur Glaubwürdigkeit des Journalismus: In einem Essay setzen sich die beiden Schweizer Journalisten Matthias Oppliger und Thom Nagy mit dem in der Gesellschaft vorherrschenden Misstrauen gegenüber ihrem Berufsstand auseinander. Sie konstantieren, dass auch sie Journalisten ein Teil des Problems sind, denn sie sind auch Teil des Medien konsumierenden Publikums. Am Ende des Artikels, der Teril einer Artikelserie über Misstrauen gegen die Medien ist, führen sie Punkte auf, die Medienschaffende und auch Lesende tun könnten, um die SItuation zusammen zu verbessern.

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„Erfindet euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation“

Abseits von Kultur- und Technikpessimismus blickt Michel Serres geradezu neidisch auf die vernetze Generation und fordert sie dazu auf, sich und die Welt neu zu erfinden. Ein optimistisches Essay.

Der neue Schüler und die junge Studentin haben im Leben keine Kuh gesehen, kein Kalb, kein Schwein, kein Vogelnest„, schreibt der 1930 geborene Autor in seinem Buch „Erfindet euch neu – eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation„. Die Welt habe sich gewandelt. Nichts sei mehr, wie es früher war. Der Franzose aber sieht darin eine große Chance für die Kleinen Däumlinge – so nennt er die Generation Smartphone -, die moderne Gesellschaft zu gestalten. Kommunikation, Arbeit, Bildung – das und mehr könne man nicht mit der Generation des Universitätsprofessors Michel Serres vergleichen. Die Digitalisierung mache diese Generation zu völlig anderen Menschen. „Sie haben nicht mehr den gleichen Kopf. […] Sie wohnen nicht mehr im selben Raum. […] Sie sprechen nicht mehr dieselbe Sprache. […] Die Kleinen Däumlinge plagen sich nicht mehr mit den gleichen Arbeiten.“ Serres sieht diesen Wandel keineswegs kritisch, sondern geradezu blauäugig optimistisch. „Angesichts dieser Umbrüche gilt es zweifellos, auf Neuerungen zu sinnen (…)„, schreibt er im Abschnitt mit dem Titel „Zuneigung“. In diesen Zeiten des Umbruchs bestehe Handlungsbedarf, um den Herausforderungen gerecht zu werden. Er schwärmt von der gegenwärtigen Situation und würde gerne selbst anpacken: „Ich wäre gern achtzehn, so alt wie die Kleinen Däumlinge, jetzt, da alles zu erneuern, ja erst noch zu erfinden ist„. Das Bildungswesen scheint für ihn besonders von der digitalen Gesellschaft betroffen zu sein. Lehrer müssten nicht mehr vorne stehen und den Kleinen Däumlingen Wissen einmassieren. Das Wissen sei schließlich überall verfügbar. „Ende des Zeitalter des Wissens„, resümiert Serres und fügt an: „Ende des Expertenzeitalters?“ Serres spricht von der „Kompetenzvermutung„. Fraglich ist, ob die Informationen, die überall und jederzeit im Internet auffindbar sind, mit Wissen, wovon Serres spricht, wirklich gleichzusetzen ist. Ist der Autor auch hier wieder blauäugig und zieht voreilige Schlüsse? Michel Serres ist sich der Situation, in der wir leben, durchaus bewusst. Er analysiert auf den rund 70 Seiten seines Werkes in teilweise erzählerischer Form, was die Digitalisierung bewirkt, womit seine Generation zu kämpfen hat und welche Herausforderungen angenommen werden müssen („Die neuen Technologien zwingen uns dazu, das vom Buch und der Seite implizierte Raumformat zu verlassen„). Er erkennt den Wandel im Bildungs- und Arbeitsleben, sieht in Daten und Codes großes Potential, blendet aber gleichzeitig Risiken aus. Leser seines Essays dürfen keine kritische Auseinandersetzung mit dem digitalen Wandel erwarten. Serres scheint blind vor Liebe zu sein. Das darf er bei seiner Liebeserklärung aber auch. Michel Serres (2013): Erfindet euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation. Berlin: Suhrkamp Verlag. [8,00 Euro] – auch als E-Book erhältlich.

 


 

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Das Web: Ein Schlaraffenland

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Die Versuche, eine Netztheorie auf der Metapher der Stadt aufzubauen sind Legion. Die Lagerverwalter sind Verleger, die den Raum zwischen oben und unten im Staat ausdehnen. Dort soll dann die öffentliche Diskussion stattfinden. Aber ob im Zeitalter des information flow das Konfektionieren gespeicherter Fakten von gestern überhaupt eine Leistung ist, die die virtuelle Stadt benötigt, ist strittig. Es wird Zeit für einen Blick hinter die Kulissenschieberei der tausend Stimmen. Denn vor lauter Zeter und Mordio kommt die eigene Bestimmung der Bürger über den Gebrauch des Netzes aus dem Blick. Vollbremsung. Ein Blick in die gute alte Landkarte im Handschuhfach der Geschichte hilft vielleicht.

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Enterprise 2.0 – Die Marktgesellschaft

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Als vor einigen Jahren der Begriff Web 2.0 geprägt wurde, hatten seine Gründerväter die Strukturen von offener Software im Blick. Vor allem die Entwicklung dieser Software in einer weltweiten Gemeinschaft, die dann – in einigen Köpfen als Quasireligion – zur Blaupause des digitalen Lebens werden sollte. Im Laufe der Jahre wurden mannigfaltige romantische Ideologien und libertäres Gedankengut in diese Welterklärung hinein gestopft. Der freie Markt soll aus Sicht der naiven Hippiekapitalisten und der verbohrten Technoanarchisten die letzte Rettung sein für eine überregulierte Gegenwart.

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Medien: Das Web frisst Zeit und Raum

Immer dann, wenn ich eine Zeitung in die Hand bekomme, überfliege ich die mühsam neu gestalteten, aber immer selben Agenturnews, die ich ein oder zwei Tage zuvor im Netz schon gelesen habe. Dann suche ich den Teil, der eigentlich eine Zeitung ausmachen sollte und finde in deutschen Zeitungen zumeist wenig Erbauliches. Früher habe ich jede Zugfahrt genossen, weil ich die Zeit hatte, anspruchsvolle und tiefschürfende Texte in den Zeitschriften zu lesen. Leider waren sie damals immer zu kurz, weil jeder Verleger unbedingt general interest adressieren wollte. Seither lese ich nur noch die “DU” aus der Schweiz und untersuche die andere Blätter, wenn sie irgendwo rumliegen oder ich mich auf dem Flughafen frei bedienen kann. Es hat sich eine Menge verändert. Weiterlesen »

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