Alle Beiträge zu Dezentralisierung

Bitcoin & Co: Alternative Währungen sind die Zukunft

Bitcoin (adapted) (image by MichaelWuensch [CC0] via pixabay
Als ich 2012 zu unterrichten begann, beschloss ich, meinen Kurs mit einer Analyse darüber zu beginnen, wie Geld die Ordnung der Gesellschaft beeinflusst. Was meine Schüler besonders faszinierend fanden, war die damals aufkommende Welt der Krypto-Währung, die ich schon ausführlich als wesentlichen Bestandteil in der Zukunft von Währung beschrieben habe. [...]
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Scott Berkun über seine Zeit bei Automattic

Im Jahr 2010 hatte Automattic, die Firma hinter WordPress.com, 50 Mitarbeiter, die fast ausschließlich online zusammenarbeiten, ein Büro nur zu Demonstrationszwecken bei Fototerminen und keine Hierarchien. Gründer Matt Mullenweg und der damalige CEO Toni Schneider stellten fest, dass das nicht mehr optimal war und entschieden sich, eine Hierarchieebene einzuführen.

Als Folge wurden des von Mullenweg und Schneider geplanten Umbaus, wurden Teams mit jeweils einem Teamleiter gebildet. Der Kopf von „Team Social“ war Scott Berkun, 58. Automattic-Angestellter und ehemaliger Microsoft-Mitarbeiter. Er ist kein Programmierer, sondern Autor zu Management-Themen und seine Aufgabe war herauszufinden, wie die Teams organisiert werden sollten: „Durch den Eintritt in das Unternehmen würde ich zu einem Instrument meiner eigenen Ratschläge werden. Wenn der Wechsel von der flachen Hierarchie hin zu Teams scheiterte, wäre ich in doppelter Hinsicht verantwortlich.“ Berkun schrieb darüber ein Buch. In „Mein Jahr ohne Hosen“ berichtet er fast tagebuchartig aus dem Arbeitsalltag seines Teams mit Mitarbeitern in den USA, Europa und Australien, das in in Berkuns Zeit bei Automattic unter anderem „Jetpack“, eines der erfolgreichsten WordPress-Plugins, entwickelte. Im Netzpiloten-Interview erzählt Scott Berkun von seiner Zeit bei Automattic und Möglichkeiten für andere Unternehmen.

Katharina Brunner: Als Sie bei Automattic angefangen haben, sagte ein Kollege zu ihnen: „Willkommen im Chaos“. Wie schafft es ein Unternehmen ohne festgelegte Management-Prozesse, minimaler Hierarchie und Mitarbeitern auf der ganzen Welt mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet zu werden?

Scott Berkun: Das ist eine Frage, auf die es keine einfache Antwort gibt. Ich musste dort selbst arbeiten und ein ganzes Buch darüber schreiben, um es zu erklären.

In Ihrem Buch berufen Sie sich immer wieder auf die Kultur als das entscheidende Element für einen Arbeitsplatz. Was macht die Kultur bei Automattic so außergewöhnlich?

Anders als bei den meisten anderen Arbeitsplätzen herrscht großes Vertrauen zwischen den Mitarbeitern. Sie wurden angestellt, weil sie echtes Interesse am Publishing und eine positive Einstellung dazu haben, Menschen zu helfen. Es ist selten, dass ein Unternehmen erfolgreich eine solche Kultur schafft – obwohl es viele versuchen.

Matt Mullenweg hat Sie als Experten für Projektmanagement angeheuert. Wie hat sich die Organisation von Automattic durch Ihr Anraten verändert?

Ich habe gezeigt, dass es jedes Team in egal welcher Organisation bestimmte Dinge braucht, um gute Arbeit abzuliefern. Die meisten Firmen scheitern daran. Drei dieser Dinge sind: Vertrauen gewinnen, klare Ziele setzen und Risiken eingehen. Die Organisation an sich habe ich nicht verändert, das ist sehr schwierig für eine einzelne Person.

Sind Manager in Open-Source-Organisationen und Firmen wie Automattic nicht mehr notwendig?

Sie sind notwendig, aber aus anderen Gründen. Open-Source-Organisationen haben Freiwillige – Leute, die bereit sind, ihre eigene Zeit zu investieren. Wie viele Menschen würden ihre Jobs bei machen, wenn sie nicht bezahlt werden würden? Nicht viele. Das ist eine gewaltige Stärke, die das Führungspersonal und die Manager bewahren müssen. Anstatt Kommandos zu brüllen, müssen sie daran arbeiten, das Projekt und die tägliche Arbeit zu schützen, damit es den Freiwilligen weiterhin Spaß macht und es interessant genug bleibt, damit sich Leute daran beteiligen wollen.

Sie berufen sich oft auf Eric Raymonds Essay „Die Kathedrale und der Basar„, um die Unterschiede zwischen einer traditionellen, zentralen Firma und einer dezentralen Organisation wie WordPress zu veranschaulichen. Gibt es eine optimale Position zwischen diesen Extremen?

Jede Organisation ist anders, niemand ist nur das eine oder das andere. Die optimale Balance unterscheidet sich von Unternehmen zu Unternehmen. Aber ich vermute, wenn die Firmen ihre talentiertesten Angestellten fragen, dann würden die sagen: Am besten ist eine Verschiebung Richtung Dezentralisierung.

Was sind drei Schlüsselfaktoren, falls eine Firma darüber nachdenkt, komplett virtuell zu arbeiten?

  • Sie sind bereits eine virtuelle Firma: ein großer Teil der Arbeit läuft bereits über E-Mail, Webbrowser und mobile Geräte.

  • Wenn sie gute Leute einstellen, dann sollten sie die Tools, mit denen sie arbeiten, selbst wählen.

  • Beurteile Angestellte nach ihrer Leistung und ihren Resultaten und nicht nach oberflächlichen Bewertungen, etwa wie viele Stunden sie gearbeitet haben.

Sie haben erwähnt, dass die Usability von WordPress nicht so gut ist wie sie sein könnte. Gibt es in dem Punkt Verbesserungen, seitdem sie die Firma verlassen haben?

WordPress wird bereits besser. Sie arbeiten im Moment an Version 4.0 und es sieht so aus, als wäre das die bisher beste Version.

Letzte Frage: Haben sie wirklich ohne Hosen gearbeitet?

Haben Sie wirklich Hosen getragen, als Sie diese Interview-Fragen gestellt haben?

Vielen Dank.

Mein Jahr ohne Hosen“ erschien im August 2014 im Wiley-VCH Verlag.


 


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5 Lesetipps für den 10. Februar

In unseren Lesetipps geht es heute um das Ende des Internets, Lobbyismus gegen Überwachung, Kopierschutz in HTML5 und der Hass gegen E-Books. Ergänzungen erwünscht.

  • INTERNET Neue Zürcher Zeitung: Das Ende des Internets: Auf der Website der NZZ schreibt der Journalist Hannes Grassegger über die weltweiten Dezentralisierungsdiskussionen als Reaktion auf die Überwachung durch den US-Geheimdienst NSA. „Das globale Internet ist keine Naturgegebenheit“, wird Paul Fehlinger zitiert, „es steht keineswegs fest, dass es weiterhin ein globales Netz geben wird“. Wie steht es um die Zukunft des Internets, wenn sogar demokratische Staaten über nationale Insellösungen nachdenken?
  • LOBBYISMUS Politico: Tech’s biggest players hire first NSA lobbyist: Bei aller Fortschrittlichkeit und Marktmacht, im politischen Lobbyismus haben sich die großen IT-Unternehmen aus dem Silicon Valley (Microsoft mal ausgenommen) bisher nie sonderlich engagiert. Das änderte sich erst in den letzten paar Jahren. Um Vertrauen zurück zu gewinnen haben sich jetzt Google, Apple, Facebook, AOL, LinkedIn, Microsoft, Twitter und Yahoo zusammen getan und einen eigenen Lobbyisten in Washington registriert, der auf eine Reform der staatlichen Überwachung hinarbeiten soll.
  • HTML5 Hyperland: Der Kopierschutz ist tot, lang lebe der Kopierschutz: Im Hyperland-Blog des ZDF scheibt David Pachali über den Kopierschutz im neuen Webstandard HTML5 und die Frage, wie offen das offene Web überhaupt sein soll. Die Entwickler-Community ist gespalten, doch die Entscheidung werden am Ende die Inhalteanbieter bei der Lizenzierung durchsetzen und nicht die Experten in Gremien.
  • VORRATSDATENSPEICHERUNG Zeit Online: Datenschützer Alexander Dix sieht für Vorratsdatenspeicherung keinen Bedarf: Auf Zeit Online antwortet der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix auf einen Gastbeitrag von Berlins Justizsenator Thomas Heilmann, der behauptete, dass die Vorratsdatenspeicherung dem Datenschutz dienen würde. Dix hält das für absurd und erklärt, wieso es für die verfassungswidrige Vorratsdatenspeicherung überhaupt keinen Bedarf gibt.
  • E-BOOKS Carta: E-Books sind “ein Unfug, ein Beschiß und ein Niedergang”: Auf Carta schreibt Johannes Haupt über den E-Books kritisierenden Gastbeitrag von Friedrich Forssmann im Blog des Suhrkamp Verlag. Dabei geht es ihm, neben der Dokumentierung der andere beleidigenden Meinung des Autors, vor allem um das Verhältnis des Suhrkamp Verlag zu den Aussagen, denn die DRM-Kritik trifft vor allem für die E-Books des Verlags zu und ob es klug war, einen Gastautor potenzielle eigene Leser beleidigen zu lassen. Bis auf einen Verweis, dass Forssmann kein Verlagsmitarbeiter ist, äußerte der Verlag sich bisher nicht.

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