Alle Beiträge zu Bowles

Literatur: Der amerikanische Agent

Gegner im Geschäft, Gleichgesinnte im Geist: Paul Bowles’ Förderung marokkanischer Literatur im Spiegel Tahar Ben Jellouns’ „arabischen Frühlings“

Tahar Ben Jelloun scheint im deutschen Literaturkosmos derzeit gefragt wie nie zuvor: Erst wurde der in Paris lebende renommierte marokkanischen Schriftsteller („Papa, was ist ein Fremder?“) und Journalist mit dem Erich-Maria-Remarque Friedenspreis der Stadt Osnabrück ausgezeichnet. Dann berief ihn das gerade abgeschlossene 11. internationale Literaturfestival Berlin als Ehrengast. Ben Jellouns’ jüngstes Buch „L’étincelle“1 gilt als wichtigste aktuelle Bestandsaufnahme zu den revolutionären Ereignissen in der arabischen, insbesondere maghrebinischen Welt, zumindest, was die hohen Verkaufszahlen betrifft. Unter Journalisten und Rezensenten wird „L’etincelle“ dagegen zwiespältig bewertet: Zwar werden Ben Jellouns zeitnahe Beobachtungen gewürdigt, auch seine quer durch den Orient reflektierten Prognosen geschätzt, doch gerade bei Ben Jellouns historischer Analyse entzündete sich auch Kritik: Weiterlesen »

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Paul Bowles Hommage zum 100. Geburtstag

Mit bohrendem Blick

Bett, Schreibmaschine, Rauch.


Jahreswechsel. Die letzte Woche des Aufbau – Literaturkalenders 2010 ist dem amerikanischen Schriftsteller Paul Bowles gewidmet: Das Kalenderblatt zeigt ihn in seiner Wohnung in Tanger. Das Foto wurde im Herbst 2003 aufgenommen, als ich ihn das erste Mal traf, ihn zum Auftakt einer Saharareise in Tanger kennenlernte. Paul Bowles war damals 82 Jahre alt, bereits hinter dem Herbst seines Lebens.

So wie auf diesem Bild habe ich ihn, haben viele Paul Bowles in seinen letzten Jahren in Erinnerung behalten: Meist im Morgenrock und auf seinem Bette sitzend. Prasselndes Kaminfeuer. Tee. Zigarettenspitze. Lauter Notizen, Tonbänder und allerlei Musikgegenstände aus dem Maghreb umher gruppiert. Nur noch selten ging er aus dem Haus, um seine geliebten Spaziergänge in Tanger zu unternehmen, die er früher täglich im Gassen-Gewirr des Souk, des Zocco ausführte. Doch bei aller sichtbarer Gebrechlichkeit behielt Paul Bowles bis zum Schluß seinen messerscharfen Verstand und den beobachtenden, ja medizinisch-sezierenden Blick, der seinem Wesen und auch seinen Romanen in Stil und Sprache inne wohnte.

Mit dieser Hommage möchte ich an den Mann erinnern, der mir vor über 17 Jahren in Tanger den Blick ins Innere öffnete… Weiterlesen »

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Ich bin Paul Bowles. Und Sie?

1993 reist ein Literaturstudent auf den Spuren des amerikanischen Schriftstellers durch Marokko. Plötzlich steht er seinem Idol gegenüber.

Als ich im Herbst vor 17 Jahren mit dem Auto nach Spanien aufbrach, wollte ich zunächst vor allem eines: Fahren, unterwegs sein. Ich war ein junger Literaturstudent und meine Helden hießen Jack Kerouac, William S. Burroughs, Tennessee Williams und Paul Bowles; ihre Geschichten waren die junger, unabhängiger Männer, die sich reisend selbst verwirklichten. Auch sie waren irgendwann durch Europa, dann durch Nordafrika gefahren. Ich wollte sehen, was sie gesehen hatten.

In den Kinos lief gerade Bertoluccis Verfilmung von Bowles‘ „Himmel über der Wüste“ und genau da wollte ich hin, in die Wüste, nach Marokko. Im Kofferraum hatte ich Zelt und Schlafsack, Spaten und große Wasserflaschen… Weiterlesen »

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