Tablet für Kinder – Sorgen für Eltern

Viele Eltern haben große Bedenken, wenn ihre Kinder E-Books auf Tablets lesen. Einer aktuellen Studie zufolge , bei der 1500 britische Eltern mit Kindern unter acht Jahren befragt wurden, ging es um ihre Einstellung gegenüber der Nutzung von Technik und E-Books zu Hause. Hierbei hatten nur 8 Prozent der Eltern keine Bedenken wegen der Nutzung von Tablet-PCs bei ihren Kindern. Bei der Frage nach der Nutzung digitaler Medien machten sich nur 16 Prozent der Eltern keine größeren Sorgen.

Bei dem Vergleich der Ergebnisse mit einer ähnlichen Studie, die vom Joan Ganz Cooney-Zentrum in den USA im Jahr 2014 durchgeführt wurde, stellte sich heraus, dass Eltern in Großbritannien und den USA verschiedene Gründe für die Nutzung oder die Nichtnutzung von digitalen Geräten für ihre Kinder hatten. Beispielsweise gaben mehr amerikanische als britische Eltern an, die digitalen Geräte gemeinsam mit ihren Kindern zu nutzen, um sicherzustellen, dass sie mit keinem unangemessenen Inhalten konfrontiert werden.

Unsere Umfrage, die von der gemeinnützigen Organisation Book Trust in Auftrag gegeben wurde, stellte die Sichtweisen britischer Eltern für “richtig und falsch” in Bezug auf Technik heraus. Beispielsweise dachten 35 Prozent der Eltern, dass die Nutzung von E-Books das Interesse an gedruckten Büchern schwinden lässt. 26 Prozent der Befragten waren besorgt, dass die Technik die Konzentrationsfähigkeit der Kinder beeinflussen könnte und 14 Prozent der Befragten hatten Bedenken, dass sie den Lernprozess behindern würden.

Dafür bevorzugen Eltern mit kleineren Kindern unter acht Jahren gedruckte anstelle von digitalen Büchern. Sie erkennen jedoch den Wert digitaler Bücher in Bezug auf konkrete Lernziele an. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass wohltätige Erziehungs- und Bildungsorganisationen im offenen Dialog mit Eltern über die zahlreichen Möglichkeiten der Mediennutzung stehen müssen.

Es stellt sich jedoch auch die elementare Frage, wer Zugang zu dieser Technik hat. Eine weitere amerikanische Umfrage wurde mit fast 1200 geringverdienenden Eltern mit schulpflichtigen Kindern und mit Familien spanischer herkunft in drei finanziell schwachen Gemeinden in Arizona, Kalifornien und Colorado geführt. Hierbei stellte sich heraus, dass ein Großteil der Familien (94 Prozent) zwar über einen Internetanschluss verfügten, dieser jedoch oftmals zu langsam oder unterbrochen wäre oder über ein mit anderen Parteien geteiltes Empfangsgerät lief. Diese Umstände beeinflussten die Lernmöglichkeiten der Kinder tiefgreifend.

Strategien für Eltern

In ihrem neusten Buch “Tap Click Read” (dt.:“Tippen Klicken Lesen”) greifen der Vorstandsvorsitzende des Joan-Ganz-Cooney-Zentrums Michael Levine und die Journalistin Lisa Guernsey die Verschiedenheit von Familien auf und stellen die unbequeme Frage:“Was passiert, wenn die technologischen Unterschiede die Bildungsschere zwischen Arm und Reich noch weiter auseinandertreibt?”

Die Autoren beschreiben weiterhin, wie die Nutzung digitaler Medien sich zwischen Armen und Reichen, aber auch jungen Müttern, technikerfahrenden Eltern oder Immigrantenfamilien unterscheidet. Das Buch beinhaltet zusätzlich einige Kurzvideos zu Programmen und Initiativen, die versprechen allen Kindern gleichermaßen den Zugang zu technischen Lehrmöglichkeiten zu ermöglichen.

Die Bandbreite der Erwartungen und Motivationen von Familien betreffend der Technik für Kinder ist wichtig für alle mit Kindern arbeitenden Interessenvertretern, einschließlich Technikproduzenten und Gesetzgebern. Bisher lag der Aufmerksamkeitsschwerpunkt auf dem gesteigerten Zugang zu und Besitz von Technik durch junge Kinder, besonders auf Geräten mit Touchscreens.

Ein Drittel der Kinder unter fünf Jahren besitzt ein Tablet

Eine andere britische Umfrage unter 2000 Familien fand heraus, dass 31 Prozent der Kinder unter fünf Jahren einen eigenen Tablet-PC zu Hause haben. Im Bericht des Projekts  “Tech and Play” der Universität von Sheffield wird empfohlen, dass Kinder in Schulen Zugang zu Tablets haben sollten, falls sie zu Hause nicht über ein solches Gerät verfügen. Die Forscher fördern zudem die Entwicklung für ein besseres Design bei Apps für Kleinkinder, indem sie die Entwickler über Aspekte informieren die Spiel und Kreativität zufördern.

Während der Tech-and-Play-Bericht auf den Daten von Familien basiert, die bereits Tablet-PCs zu Hause haben, bestätigen auch Studien mit national repräsentativen Stichproben die Tatsache, dass zunehmend junge Kinder Zugang zu unterschiedlichster Technik haben oder diese zumindest besitzen.

In Großbritannien stellte man beispielsweise mit Hilfe der Ofcom-Umfrage fest, dass 71 Prozent der Fünf- bis 15-Jährigen zuhause über einen Zugang zu einem Tablet verfügen. In den USA berichtete im Jahr 2013 die Common Sense Media über diesen steigenden Trend und fand heraus, dass die Anzahl an Kindern mit Tablets unter acht Jahren auf das Fünffache gestiegen ist im Vergleich zum Jahr 2011.

Inwieweit Kleinkinder von einem Tablet-PC profitieren oder lernen können, wird gegenwärtig in der Amerikanischen Vereinigung für Kinderheilkunde (American Association of Pediatrics, kurz: APA) diskutiert. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, einen erneuerten Leitfaden für den Herbst 2016 herzustellen.

Was auch immer die APA empfehlen wird, die Kultur innerhalb der Familie und die Sichtweisen der Eltern formen die Herangehensweisen, die die Techniknutzung ihrer Kinder bestimmt. In der aktuellen Diskussion geht es nicht nur darum, wer wozu einen Zugang zur Verfügung gestellt bekommt, sondern auch darum, was Eltern für ihre Kinder für wichtig erachten.

Wir müssen jedoch dringend Strategien entwickeln, um die tiefgreifende Ungleichheit auszugleichen, die herrscht, sobald es um die Nutzung von Technik geht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image “School kids playing with Tablet Pc” by verkeorg (CC BY SA 2.0)


The Conversation

Schlagwörter: , , , , , ,
Natalia Kucirkova

Natalia Kucirkova

ist Lehrbeauftragte an der Universität von Manchester. Der Schwerpunkt ihrer Forschungen liegt bei den frühzeitigen Entwicklungsphasen von Kindern in der frühen Leseförderung.

More Posts - Twitter