Studie: Social Media im Bundestagswahlkampf 2013

Die Studie, die von Forschern der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) erstellt wurden ist, entstand in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Vodafone Institut für Gesellschaft und Kommunikation. Von Mitte Mai bis zur Bundestagswahl am 22. September 2013 wurde untersucht, wie auf Twitter, in Blogs und dem Forum meta.tagesschau.de über die Themen des Wahlkampfs – wie die NSA-Affäre, den Streit um Euro-Hawk oder Mindestlohn – diskutiert wurde. Von Interesse war, wer besonders viel Resonanz erzielen konnte und ob die altbekannten Akteure aus Politik und Medien noch bestimmend auf das Meinungsklima im Netz einwirken konnten.

Dem Internet sagt man in der Politik schon lange eine goldene Zukunft voraus – zumindest als Instrument im Wahlkampf. Spätestens seitdem Wahlkampf von Barack Obama im Jahr 2008 wartet man auf einen vergleichbaren Bundestagswahlkampf, doch auch fünf Jahre später bleibt der vermeintliche Durchbruch verwehrt. Der Wahlkampf in Deutschland wird zwar stets digitaler, er wird aber kein reiner von Daten getriebener Internetwahlkampf. Den Forschern ist bei der Untersuchung „Social Media im Bundestagswahlkampf 2013“ aufgefallen, dass im Bundestagswahlkampf 2013 eine Professionalisierung des Umgangs mit Social Media zu beobachten war. Innovative Formate bildeten aber eher die Ausnahme. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam Julian Heck auf einem Kongress zum Thema Medienkonvergenz im Bundestagswahlkampf 2013. Die enorme Heterogenität des Internets und seine rasche Weiterentwicklung erlauben aber kein pauschales Urteil – immerhin entstand fast täglich ein Twitter-Account oder Tumblr-Blog, um sich mit einem tagesaktuellen Politikereignis auseinanderzusetzen. Die Menschen waren alles andere als Politikverdrossen, ihr Ausdruck hat aber eher etwas mit Netzkultur als mit Staatsbewusstsein zu tun.

Doch Tumblr und Twitter sind nur zwei Gesichter eines seit Jahren zu beobachtenden Strukturwandels. Die politische Öffentlichkeit sucht im Internet neue Formen und Instrumente des Ausdrucks. Traditionelle Massenmedien haben ihre Funktion als „Gatekeeper“ verloren. Sie alleine sind nicht mehr die einzigen Informationsquellen für die Bildung einer öffentlichen Meinung. Das Internet mit seinen sozialen Medien war wichtig für den Wahlkampf, aber das gilt auch noch für die klassischen Medien, denn nur die Verbindung von alten und neuen Medien hat sich als sinnvoll erwiesen. Neben den klassischen Medien hat sich aber auch in den letzten Jahren eine politische Blog-Elite gebildet, die entgegen vieler Behauptungen, alles andere als unpolitisch und selbstbezogen sei. Zu den untersuchten Blogs gehörten u.a. die Ruhrbarone, die NachDenKSeiten und Carta. Dazu ist u.a. sicher noch Politik-Digital.de zu zählen, mit dem Politik-Magazin organisieren wir Netzpiloten seitdem Sommer zusammen die Hangout-Diskussionsreihe „Berliner Hinterhofgespräche„.

Trotzdem besaßen im Jahr 2013 immer noch die traditionellen Medien den größten Einfluss auf die Debatten – auch in den sozialen Medien. Die Forscher lesen das aus erstellten Themenverlaufskurven heraus und der Berichterstattung von festen Redaktionen. Die Blogosphäre, auch die auf Twitter, zeigte aber stets einen aktuellen Bezug in ihren Veröffentlichungen. Das waren auch Sachthemen wie die NSA-Affäre oder der Syrien-Konflikt, im Falle von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück aber auch Berichte über den Wahlkampfauftritt, z.B. im TV-Duell mit Bundeskanzlerin Angela Merkel oder der fotografierte Stinkefinger. Meistens ging es weniger um die Themen der SPD, sondern eher um das öffentliche Auftreten von Steinbrück. Das bedeutet aber nicht, dass Themen keine Rolle spielten: nach einer repräsentativen Befragung von Infratest dimap gehörten zu den wichtigsten Themen für die Wahlentscheidung der Mindestlohn und die Alterssicherung.

Zwei Themen ohne Bezug zum Digitalen, was darauf schließen lässt, dass Bürgerrelevanz und Social Media noch selten übereinstimmen. Aber gerade das Internet mit seinen vielseitigen Darstellungsmöglichkeiten bietet Bürgern viele Möglichkeiten, sich vereinfacht und konzentriert zu informieren. Noch artikulieren die Massen nicht ihre politische Meinung im Internet und treiben Debatten voran – mit Ausnahme von #Aufschrei oder der Aktion „Rettet die Space Night mit CC-Musik„. Das haben sie aber auch vor diesem Internet nicht in Zeitungen, dem Radio oder dem Fernsehen getan. Vielmehr ist das Internet ein Medium, um sich engagiert Gehör zu verschaffen oder still und leise eine Meinung zu bilden.


Image (adapted) “Twitter Buttons at OSCON“ by Garrett Heath (CC BY 2.0)


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