Springer testet Verkauf der BILD per App

Um die BILD-Zeitung noch angenehmer verkaufen zu können, bekommt Springers Boulevardblatt eine eigene Handy-App, mit der das Print-Produkt mobil via Prepaid-Guthaben bezahlt werden kann.

Grossisten und rund 1.000 Händler im Raum Nürnberg und Düsseldorf beteiligen sich derzeit an einem neuartigen Testlauf des Springer Konzerns. In beiden Städten kann man die Printausgabe der BILD-Zeitung mit seinem iOS- oder Android-Smartphone bezahlen. Wer seine Rechnung per App begleichen will, muss sein prepaidBILD-Guthaben zuvor online oder bei einem der teilnehmenden Händler aufladen. Dafür werden den Teilnehmern des Testlaufs teils erhebliche Preisnachlässe gewährt.

Das Ganze klingt ein wenig nach BILDmobil, dem hauseigenen Mobilfunk-Discounter des Springer Konzerns. Doch mit der prepaidBILD ist etwas völlig anderes gemeint. Das Unternehmen möchte mit dieser eigenen App für iOS- und Android-Geräte speziell die modernen und technikaffinen Käufer ansprechen und sie zum Kauf ihrer eigenen Zeitung animieren. Den passenden Code erhält man bei einem der teilnehmenden Händler in Düsseldorf und Nürnberg. Diesen gibt man mittels seiner App ein und kann damit Ausgaben der BILD-Zeitung kaufen. Ähnlich wie bei einer PrepaidKarte muss man sein Guthaben aber vor dem ersten Erwerb aufladen. Beim Testlauf müssen statt der zwölf Ausgaben nur zehn bezahlt werden. Für Erstnutzer sind die ersten fünf Ausgaben der BILD sogar kostenlos.

Im großen Stil hat sich das Bezahlen per Smartphone noch nicht durchgesetzt. Die Schuld an dieser Problematik wird seit mehreren Jahren zwischen den Geräte-Herstellern und dem Einzelhandel hin- und hergeschoben. Viele Einzelhändler bedauern den fehlenden Near Field Communication (NFC)-Chip in neuen Smartphones wie dem iPhone 5. Apple, HTC, Nokia, Samsung & Co. bauen den aufwendigen Chip aber nur in den seltensten Fällen ein, weil sich das wegen der fehlenden Anwendung noch nicht lohnen soll. Im Resultat behindern sich beide Parteien gegenseitig. Obwohl es die Technik schon länger gibt, wird sie meistens nicht mit verbaut.

Wer seinen Kunden dennoch ein modernes Bezahlsystem anbieten will, muss momentan wegen der mangelnden Verbreitung der NFC-Chips auf andere Lösungen setzen. So gab die Edeka-Tochter Netto im Mai dieses Jahres bekannt, dass man dort auf eine neue Weise bargeldlos bezahlen kann. Die Kunden bekommen beim Einkauf einen Zahlencode zugeschickt, den die Kassiererin zur Abwicklung in ihrer Kasse eintippt. Die Deutsche Post bucht dann als Zahlungsdienstleister die Beträge per Lastschrift vom Girokonto des Kunden ab. Mit Unterstützung der NFC-Technologie würde die Abwicklung an der Kasse aber deutlich schneller und simpler vonstattengehen.

Doch zurück zur Boulevardzeitung, die die Leser jetzt ganz anders erwerben können. Ob man mit dem Guthaben-Modell die technikbegeisterte Bevölkerung für den Erwerb der auflagenstärksten Tageszeitung Europas begeistern kann, bleibt vorerst abzuwarten. Das muss jetzt mithilfe des Testlaufs überprüft werden. Fest steht: Springer ist schon lange im digitalen Sektor aktiv. So setzte man schon vor drei Jahren mit der eigenen Welt-App auf die Marktmacht tragbarer Geräte. Auch werden den Kunden häufiger bei kombinierten Abonnements Nachlässe gewährt um ihnen neben dem Printmagazin beispielsweise auch ein iPad-Abo schmackhaft zu machen.


Image (adapted) „Android Smartphone with Money“ by Intel Free Press (CC BY-SA 2.0)


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Lars Sobiraj

Lars Sobiraj

schrieb von 2000 bis zum Jahr 2002 für mehrere Computerzeitschriften rund 100 Artikel. Von April 2008 bis Oktober 2012 leitete er beim IT-Portal gulli.com die Redaktion als Chefredakteur. Thematische Schwerpunkte der über 1.000 Beiträge sind Datenschutz, Urheberrecht, Netzpolitik, Internet und Technik. Seit Frühjahr 2012 läuft die Video-Interviewreihe DigitalKultur.TV, die er mit dem Kölner Buchautor und Journalisten Moritz Sauer betreut. Seit mehreren Monaten arbeitet Lars Sobiraj auf freiberuflicher Basis bei heute.de, ZDF Hyperland, iRights.info, torial, Dr. Web und vielen weiteren Internet-Portalen und Blogs. Zudem gibt er Datenschutzunterricht für Eltern, Lehrer und Schüler. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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