Spotify hat keine negativen Auswirkungen auf die Musikindustrie

Spotify ist die Rettung der Musikindustrie! Spotify ist schlecht für die Künstler! Wie eine Studie nun zeigt, hat Spotify weder positive noch negative Auswirkungen auf die Musikindustrie. Die Diskussion um Musik-Streaming-Anbieter wurde in letzter Zeit sehr verbissen geführt. Verschiedene Parteien vertreten verschiedene Standpunkte und die teilweise mit großer Vehemenz. Nun wurde eine Studie veröffentlicht, die all diese Standpunkte relativiert, denn Spotify und Co. haben zwar positive wie negative Auswirkungen auf verschiedene Bereiche des Musik-Business, insgesamt neutralisieren diese sich allerdings, so dass eigentlich niemand sich beschweren dürfte. Dass sich dennoch viele Beteiligte beschweren, liegt allerdings nicht am Konzept Musik-Streaming generell, sondern an ganz anderen Punkten.


Warum ist das wichtig? Musik-Streaming wird von den Künstlern immer für die geringen Umsätze verantwortlich gemacht, obwohl dies gar nicht unbedingt so stimmt.

  • Eine Studie der EU Kommission hat digitale Musikverkäufe, illegale Downloads und Spotify Streaming-Daten mit einander vergleichen.

  • Das Ergebnis: Spotify lässt zwar legale, aber auch illegale Downloadzahlen zurückgehen und gleicht dabei sogar die Einnahmeverluste aus.

  • Für die geringen Einnahmen der Künstler sind daher nicht Spotify, sondern die Plattenfirmen verantwortlich.


Streaming ist schlecht für die Musikindustrie?

Nachdem Spotify an den Start gegangen ist, haben es sich die Major Labels unheimlich schwer getan, das neue Konzept des Musik-Streamings gut zu finden, bei dem Nutzer immer und überall Zugriff auf alle Musik haben. Nachdem der Boom von mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets dafür gesorgt hat, dass die Nutzerzahlen in den letzten Jahren nahezu explodiert sind, hat sich die Haltung der Musikindustrie zumindest einigermaßen entspannt, wenngleich Spotify und Co immer noch eher skeptisch beäugt werden. Einer der Hauptgründe ist, dass die Musikindustrie das Geschäftsmodell der Anbieter nicht genügend Umsatz generiert. Dafür wird immer wieder vor allem das kostenlose Angebot von Spotify, das sich durch Werbung finanziert, verantwortlich gemacht. Die beiden Forscher Luis Aguiar vom Institute for Prospective Technological Studies in Sevilla, Spanien und Joel Waldfogel von der University of Minnesota sind der Sache mit einer Studie für das Joint Research Center der EU Kommission einmal auf den Grund gegangen, in der sie die wöchentlichen Verkäufe digitaler Musik, sowie die Piraterie per Bit Torrent für 8.000 Künstler zwischen 2012 und 2013 ausgewertet und diese dann den Daten von Spotify gegenübergestellt haben.

Die Studie hat dabei einige interessante Ergebnisse zutage gefördert. So hat Spotify einen deutlichen Effekt auf Musikpiraterie. In den Ländern, in den Spotify verfügbar ist, ist für alle 47 Streams ein illegaler Download weggefallen. „Das klingt erstmal vielleicht nicht nach viel, in Anbetracht der schieren Masse von Streams ist der Effekt aber deutlich zu beobachten,“ wie die Seite TorrentFreak schreibt. Doch dieser sehr positive Effekt auf den einstigen Erzfeind der Plattenfirmen wird durch einen negativen Effekt auf die Verkaufszahlen von individuellen Songs überschattet. Für alle 137 Spotify-Streams wird ein Song weniger auf den Download-Portalen gekauft. „Wenn man von den üblichen Umsätzen pro Download (0,82 US-Dollar) und denen eines Spotify-Streams (0,007 US-Dollar) ausgeht“, schreiben Aguiar und Waldfogel in der Studie, „ergibt unsere Schätzung der Sales-Verschiebung, dass die Verluste der rückgängigen Verkäufe durch die Zuwächse durch Spotify-Streams ausgeglichen werden. In anderen Worten zeigt unsere Analyse, dass interaktives Streaming für die Musikindustrie Umsatzneutral zu seien scheint.“

Streaming ist schlecht für die Künstler?

Spotify ist also nicht nur ein sehr viel effektiverer Weg gegen illegale Downloads als die bisherigen Strafen gegen die Musikpiraten, sondern auch in der Lage, die Umsatzeinbußen durch sinkende Verkaufszahlen auszugleichen. Doch wenn dies doch beides eher positiv gewertet werden kann, warum belklagen sich dann immer noch so viele Künstler wie Taylor Swift über Spotify? Ein Grund ist, dass in Anbetracht der Streaming-Zahlen gefühlt nur sehr wenig Geld ankommt. Geoff Barrows von der britischen Band Portishead hatte zum Beispiel im April erst über Twitter bekanntgegeben, dass er aus 34 Millionen Streams lediglich 1.700 Britische Pfund (nach Abzug der Steuer) erhält. Es wird wahrscheinlich niemand bestreiten, dass dies nicht viel ist, vor allem wenn man bedenkt, dass die Anzahl an Streams für kleinere Künstler absolut utopisch ist.

Taylor Swift beklagte sich medienwirksam über das kostenlose Angebot von Spotify, da es den Nutzern suggeriert, dass man Musik etwas ist, für das man nichts bezahlen muss. Doch die Studie zeigt nun, dass Swift mit Spotify den falschen Feind auserkoren hat. Zwar steigen durch Spotify die Umsätze nicht, aber sie sinken eben auch nicht. Wenn nun also die Einnahmen der Künstler sinken ist die Schuld nicht beim Geschäftsmodell von Spotify zu suchen. Vielmehr hat Barrows in seinem Tweet den eigentlichen Schuldigen n den niedrigen Einnahmen bereits genannt: die Plattenfirmen. Die Studie von Aguiar und Waldfogel unterstützt dies zudem: Wenn die Einnahmen nicht, wie allgemein angenommen, sinken, sondern gleich bleiben, sind das Problem nicht die Streaming-Anbieter, sondern die Deals zwischen den Plattenfirmen und den Künstlern, die festlegen, wie viel von den Einnahmen direkt bei den Musikern und Rechteinhabern ankommt. Der Unmut der Künstler sollte sich entsprechend gegen die Plattenfirmen richten, aber nicht gegen die Streaming-Anbieter und die Fans, die darüber ihre Musik hören.


Image „dj“ (adapted) by Designatic (CC0 Public Domain) via Pixabay


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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind.

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