Briefmarke aus Tuvalo mit der eigenen Top-Level-Domain

Spezielle Top-Level-Domains: Wie .tv-Domains reich machen

Der Boom sogenannter Medien-Domains hat längst begonnen – und spiegelt eine interessante Entwicklung im Internet wider. // von Tobias Gillen

Briefmarke aus Tuvalo mit der eigenen Top-Level-Domain

Amazon kauft Twitch.tv für eine knappe Milliarde US-Dollar ein – und schnappt den Zocker-Streaming-Dienst damit Google vor der Nase weg, die ebenfalls Interesse gehabt haben sollen. Twitch.tv ist ein gutes Beispiel für den Wandel der Medienwelt. Nicht nur, dass inzwischen teils mehr Leute Videos davon schauen, wie andere Leute Spiele spielen als so mancher Fernsehsender zur Primetime Quote hat – nein, auch die Domain steht für eine spannende Entwicklung.


Warum ist das wichtig? Besondere Top-Level-Domains werden für Medien und andere Unternehmen zur Markenbildung immer wichtiger.

  • In den letzten Monaten zeichnet sich der Trend ab, dass .tv-Domains immer attraktiver werden.
  • Große Investoren und Unternehmen kaufen beliebte „Medien-Domains“ auf.
  • Der pazifische Inselstaat Tuvalu profitiert enorm von der Top-Level-Domain-Vermarktung.

.tv auch nur eine länderspezifische Domain

Denn die Top-Level-Domain .tv ist nicht etwa, wie man vermuten könnte, extra für Streamingportale, Sendeanstalten und Mediatheken eingeführt worden. Sie ist – wie hierzulande die .de-Endungen – nur eine gewöhnliche, länderspezifische Domain. Mit dem Unterschied, dass sie nicht einem 82-Millionen-Einwohner-Staat und einem der wirtschaftlich wichtigsten Länder der Welt gehört – sondern Tuvalu.

Tuvalu ist ein kleiner Inselstaat im Pazifischen Ozean, gesprochen wird dort Tuvaluisch, die Staatsoberhäuptin ist Königin Elisabeth II. und die Fläche der Insel beträgt süße 26 Quadratkilometer. Mit einem Bruttoinlandprodukt von 3.500 US-Dollar pro Einwohner und knapp 11.000 Einwohnern kann man sich die Größe des Staates nun ungefähr vorstellen.

Wandel des Medienkonsums

Gut also, dass man Namensglück hatte und mit .tv eine immer beliebter werdende Domain vermarkten konnte. Seit 2002 hat man die Vergabe an VeriSign ausgelagert. Dafür kassiert Tuvalu einen Millionenbetrag pro Jahr. 2011 wurde der Vertrag bis 2021 verlängert. An Beispielen wie twitch.tv sieht man dann eben – warum. Für Tuvalu macht der Beitrag einen nicht unerheblichen Teil des Gesamteinkommens aus. Unter anderem wurde davon die Aufnahmegebühr in die UN finanziert.

Denn in Zeiten, in denen On-Demand-Plattformen abräumen und sich immer weniger Menschen von Sendeanstalten diktieren lassen, wann sie auf welchem Programm geschaltet vor dem Fernseher zu sitzen haben, werden die passenden Domains immer bleliebter. Die „New York Times“ hat dieser Thematik jüngst erst eine große Geschichte gewidmet.

Kreativität wird gefordert werden

Interessant ist auch der Zeitpunkt des .tv-Hypes. Schließlich befindet sich die ICANN, die interantionale Vergabestelle für Top-Level-Domains, aktuell stark unter Druck durch die Einführung von diversen neuen Top-Level-Domains. Jüngst wurde etwa .hamburg als Endung freigegeben. Aber auch .technology, .media oder .photography wird es künftig geben. Unternehmen können laut Ansicht von Experten wie Josh Bourne, Partner bei der Domain-Beratung FairWinds Partners, stark von den extravaganten und passenden Endungen profitieren.

Er nennt gegenüber der „New York Times“ etwa ask.fm oder bit.ly, aber auch das im vergangenen Jahr an Yahoo gegangene pulse.me. Die neuen Top-Level-Domains und solche, die nicht nur länderspezifisch, sondern auch noch einen anderen „Zweck“ erfüllen, werden in den kommenden Jahren noch wichtiger und knapper werden. Das bedeutet aber auch, dass sie im Preis zulegen werden.

Schon jetzt schnappen sich nämlich große Unternehmen und Unternehmer die „guten“ Domains weg – und fördern die Kreativität der neuen Marktteilnehmer. Wenn dann dabei etwas wie Twitch.tv entsteht und sich auch noch für eine Milliarde US-Dollar verkaufen lässt: Umso besser.

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Tobias Gillen

Tobias Gillen

ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

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