Spot on Snapchat: Wall Street Journal jetzt bei Snapchat dabei

Das Wall Street Journal gibt es jetzt auch bei Snapchat. Liegt die Zukunft der Zeitungen in den Apps der nächsten Generation? Das Journal ist neben der Tatsache, dass es jetzt als erste US-Zeitung bei Snapchat gelistet ist, auch noch die erste businessorientierte Veröffentlichung, die ein sehr junges Publikum anspricht. Für eine Tageszeitung mit einer 126-jährigen Tradition ist das durchaus bemerkenswert. Das Journal ist somit der neunzehnte Herausgeber, der einen Kanal beim “Snapchat U.S. Discover Wednesday” bekommen hat. Es ist die erste US-amerikanische Zeitung, noch dazu eine Wirtschaftszeitung, die auf der Plattform erhältlich ist (und sogar erst die zweite Zeitung überhaupt – die britische Daily Mail ist dort ebenfalls zu finden).

Das Snapchat-Team des Wall Street Journals besteht aus fünf Leuten, die an jedem Wochentag acht Artikel posten, teilt Recode mit. Bisher sieht der Snapchat-Inhalt des Journals so aus, dass es auf ein Publikum ausgelegt ist, welches älter und ernsthafter ist als das Publikum der anderen Herausgeber. Unter den Angeboten von vor ein paar Tagen findet sich eine Geschichte darüber, was man von der CES 2016 erwarten kann, eine Geschichte über die steigende Durchschnittsmiete für US-Apartments und eine Kategorie mit Angeberwissen, welche besagt, dass das Gehalt der letzten Absolventengeneration gestiegen ist.

Laut comScore waren im März 2015 45 Prozent der Snapchat-Besucher zwischen 18 und 24 Jahre alt – Benutzer unter 18 Jahren werden gar nicht erst erfasst, also lassen diese Zahlen die vielen Benutzer aus, welche sich in oder kurz vor dem Teenageralter befinden. Um es anders zu sagen, viele Menschen die sich diesen Inhalt ansehen sind nicht mal ansatzweise in der Lage, einen Universitätsabschluss zu erlangen (oder sogar einen Abschluss der weiterführenden Schule), oder sich eine eigene Wohnung mieten zu können.

Snapchat denkt wohl, dass das etwas Gutes ist. “Ein 19-jähriger Teenager weiß vielleicht nicht, was der US-Iran-Deal sein soll, aber wenn er oder sie diese Fakten durch Snapchat mitbekommt, wo er sich ohnehin den ganzen Tag aufhält, so empfinde ich das als eine soziale und gute Sache”, sagt der Snapchat-News-Chef Peter Hamby im vergangenen Herbst. (In diesem Fall bezog er sich auf Snapchats Live-Stories-Funktion. Man kann durch einen Wisch nach links auf dem Kamera-Screen der App zu den Live Stories und den Entdeckungen kommen.)

Dabei handelt es sich um eine Langzeit-Wette, meint Carla Zanoni, Leitende Medienredakteurin des Journals. Die über 100 Millionen Benutzer von Snapchat sollen “die Grundwerte unserer aktuellen Leser teilen… wir hoffen, dass wir eine lange Beziehung mit ihnen führen werden, schrieb Zanoni mir in einer Email.

Zanoni sagte, dass die Pläne des Journals für Snapchat folgendes beinhalten: “Ein Mix aus Kernberichterstattung, wie Märkte, Business und Weltnachrichten, zudem Themen wie Luxus und Lifestyle. Wir glauben, dass das den perfekten Inhalt für die Plattform darstellen wird.” Sie fügte hinzu: “Als wir verstanden haben, dass wir hier unsere legendären getupften Bilder hier weiter nutzen können, wussten wir, dass dieses Format gut zu uns passt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image “Snapchat” (adapted) by Adam Przezdziek (CC BY-SA 2.0)


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Laura Hazard Owen

Laura Hazard Owen

ist stellvertretende Chefredakteurin des Niemanlab an der Harvard University. Vorher arbeitete sie als Redaktionsleiterin bei GigaOm.

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