Was Snapchat mit den Fotos und Videos seiner Nutzer vorhat

Neue Nutzungsbedingungen besagen, dass die Messaging-App Snapchat so ziemlich alles mit den Inhalten seiner Nutzer machen kann, was gut fürs Geschäft ist.  Als Snapchat-Nutzer gibt es aktuell Gelegenheit, sich von der Firma aus Los Angeles ausgenutzt zu fühlen. Denn mit einer Änderung der Nutzungsbedingungen, die man akzeptieren muss, um Snapchat weiter verwenden zu können, räumt sich die populäre Kommunikations-App viele neue Rechte ein, was den Content der Nutzer betrifft – konkret also die Fotos und Videos, die man mit der App macht.

Die am 28. Oktober in Kraft getretenen Regeln besagen unter anderem folgendes:

But you grant Snapchat a worldwide, perpetual, royalty-free, sublicensable, and transferable license to host, store, use, display, reproduce, modify, adapt, edit, publish, create derivative works from, publicly perform, broadcast, distribute, syndicate, promote, exhibit, and publicly display that content in any form and in any and all media or distribution methods (now known or later developed).

Das bedeutet, dass Snapchat mit den Fotos und Videos der Nutzer mehr oder weniger machen kann, was es will. Speichern, verändern, veröffentlichen – die Nutzer behalten zwar das Urheberrecht, aber mit den Lizenzen kann Snapchat die Inhalte auf verschiedenste Art und Weise weiterverwerten. Das ist man von anderen Plattformen wie Instagram oder Facebook zwar auch schon gewohnt, aber Snapchat ist immerhin jene Firma, die behauptet, dass Fotos nach einigen Sekunden wieder gelöscht werden.

Und der Text geht noch weiter:

We will use this license for the limited purpose of operating, developing, providing, promoting, and improving the Services; researching and developing new ones; and making content submitted through the Services available to our business partners for syndication, broadcast, distribution, or publication outside the Services.

Die Inhalte können also auch an nicht näher spezifizierte Geschäftspartner weitergegeben werden, und diese könnten Fotos und Videos wiederum auf anderen Webseiten oder in anderen Apps anzeigen. Wenn die Inhalte weiter verbreitet werden, dann kann das Snapchat auch mit Angabe des Nutzernamens machen und darf dazu auch das Konterfeit des users abbilden und sogar Aufnahmen seiner Stimme dazustellen (das betrifft die Videos):

To the extent it’s necessary, you also grant Snapchat and our business partners the unrestricted, worldwide, perpetual right and license to use your name, likeness, and voice in any and all media and distribution channels (now known or later developed) in connection with any Live Story or other crowd-sourced content you create, upload, post, send, or appear in.

Und in der Praxis?

Soweit die graue Theorie der Nutzungsbedingungen. Dass sich Snapchat diese Rechte einholt, hat weniger damit zu tun, dass sie Fotos und Videos der Nutzer weiterverkaufen wollen, als vielmehr mit seinem Werbegeschäft. Dass private Snaps plötzlich in Zeitungen auftauchen werden, davon ist nicht auszugehen, weil dass das Vertrauen der Nutzer sofort zerstören würde.

Vielmehr geht es darum, den Content, der als “Stories” von den Nutzern für viele andere sichtbar veröffentlicht wird, weiterverwerten zu können. Zum einen ist das wichtig fürs Werbegeschäft, weil Snapchat zwischen diesen Inhalten Werbung anzeigen will, und Werbung eben davon lebt, dass möglichst viele Menschen sie sehen. Und zum anderen ist nun möglich, dass die “Stories” auch auf externen Webseiten oder in anderen Apps angezeigt werden – etwa so, wie YouTube-Videos oder Instagram-Fotos anderswo eingebettet werden.

Von der Vorstellung, dass Snapchat-Fotos schnell wieder gelöscht werden, mussten sich Nutzer ohnehin schon länger verabschieden. Schon vor mehr als zwei Jahren mussten die Betreiber eingestehen, dass ungeöffnete Fotos auf den Servern der Firma verbleiben und auch an Behörden weitergegeben werden. Außerdem ist es immer möglich, dass Screenshots von empfangenen Fotos gemacht oder Displays mit einer anderen Kamera abfotografiert werden. Und so gilt auch bei Snapchat: Wer sich nicht sicher ist, ob er ein bestimmtes Foto schicken soll, der sollte es lieber lassen.


Image (adapted) „Snapchat“ by Adam Przezdziek (CC BY-SA 2.0)


 

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Jakob Steinschaden

Jakob Steinschaden

ist seit 2006 publizistisch auf Papier und Pixel tätig. Er arbeitet in Österreich als Journalist und hat die beiden Sachbücher "Phänomen Facebook - Wie eine Webseite unser Leben auf den Kopf stellt" (2010) und "Digitaler Frühling - Wer das Netz hat, hat die Macht?" (2012) veröffentlicht. In seinem Blog “Jakkse.com” und in Vorträgen schreibt und spricht er gerne über die Menschen und ihr Internet – von Social Media über Mobile Business und Netzpolitik bis zu Start-ups.

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