Smartphone (Bild: Phil Campbell [CC BY 2.0], via Flickr)

Smartphone-Kauf mit gutem Gewissen nicht möglich

Dass die Rohstoffe für unsere alltäglich genutzten elektronischen Gerätschaften wie Smartphones überwiegend unter unmenschlichen Bedingungen zu Tage gefördert werden, ist nicht nur den meisten Konsumenten nicht bekannt, nicht mal die Hersteller selber können die Herkunft nachvollziehen.

Kinderarbeit (Bild: Kelly Short [CC BY-SA 2.0], via Flickr)

Viele Rohstoffe, die für die Produktion moderner Smartphones benötigt werden, stammen aus Krisenregionen und werden fast ausschließlich unter menschenunwürdigen Bedingungen zu Tage gefördert. Viele Organisationen bemängeln diese Zustände und fordern die Hersteller zum Umdenken auf. Das große Problem ist allerdings, dass die Hersteller selber nicht wissen, wo diese Rohstoffe herkommen und unter welchen Umständen sie aus der Erde geholt werden.

Samsung hat vor rund vier Wochen zugegeben, dass bei der Produktion der eigenen elektronischen Geräte wie Smartphones und Tablets Metalle, überwiegend Zinn, von der indonesischen Insel Bangka verwendet werden. Ein Bericht des Guardian über die Arbeitsbedingungen, unter denen auf der Insel Bangka und der benachbarten Insel Belitung Zinn gewonnen wird, hat im vergangenen Jahr dafür gesorgt, dass zusammen mit der Organisation Friends of the Earth (FoE) massiver Druck auf Samsung ausgeübt wurde, um die Herkunft der verwendeten Metalle zu überprüfen.

Die Nachforschungen haben lange gedauert und waren für Samsung nicht einfach, da in der Zuliefererkette die Hinweise über die Herkunft der verwendeten Rohstoffe verloren gehen. Dieses Problem betrifft allerdings nicht nur das verwendete Zinn, sondern auch seltene Erden und weitere Metalle. Diese werden nicht nur unter menschenunwürdigen Bedingungen, sondern sehr häufig auch in Krisenregionen wie dem Kongo zu Tage gefördert, in denen die entsprechenden Mienen von Konfliktparteien kontrolliert werden.

Dass Samsung die Verwendung dieser Rohstoffe nun zugibt und verspricht sich für die Verwendung konfliktfreier Rohstoffe sowie für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen ist zwar löblich, aber leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Keiner der großen Hersteller von elektronischen Geräten macht sich die Mühe, die Herkunft der Rohstoffe die gesamte Zulieferkette nachzuprüfen. Die Tatsache, dass es kein Kennzeichnungs- oder Tracking-System gibt, erleichtert das Vorgehen zudem nicht gerade.

Nicht nur Organisationen wie Friends oft he Earth oder Make IT Fair setzen sich für strengere Kontrollen und ein besseres Tracking-Verfahren ein, auch Hersteller wie Nokia oder Sony haben sich dies auf die Fahnen geschrieben. Die Tatsache, dass selbst Nokia, die sich in dem Bereich stärker einzusetzen scheinen als die meisten anderen Hersteller, mussten gegenüber George Monbiot vom Guardian allerdings eingestehen, dass es „bisher kein glaubwürdiges System in der Elektronikindustrie existiert, dass es einem Unternehmen ermöglicht, die Quelle der verwendeten Materialien zu bestimmen“. Dementsprechend wird das Eingeständnis Seitens Samsung vorerst wohl ein Einzelfall bleiben und dem Kunden bleibt nichts anderes übrig als beim Kauf eines neuen technischen Spielzeugs das schlechte Gewissen zu unterdrücken, bis die Bemühungen von GeSI, EiCC und anderen von der Industrie geförderten Organisationen erfolgreich sind.

Zwar gibt es vom niederländischen Unternehmen Fairphone den Ansatz ein unter fairen Bedingungen produziertes Smartphone auf den Markt zu bringen, aber so lobenswert dieser Ansatz auch ist, nicht einmal diesem Unternehmen gelingt es, dieses Ziel zu 100 Prozent zu erreichen – aber immerhin deutlich höher als anderen Herstellern.

Die desillusionierendste Erkenntnis ist für den Kunden allerdings die Tatsache, dass man keine Möglichkeit hat, durch sein Kaufverhalten einen Einfluss auf die Entwicklung zu nehmen. Egal von welchem Hersteller man ein Smartphone kauft, das eigene Gewissen muss dabei unterdrückt werden. Und wenn nicht wegen der verwendeten Rohstoffe, so zumindest wegen der Arbeitsbedingungen, unter denen die Geräte in den Fabriken zusammengesetzt werden. In diesem Kontext war die Firma Foxconn, die unter anderem Geräte für Apple fertigt, sicherlich der größte Fall, der es in der Vergangenheit in die Schlagzeilen geschafft hat. An diesen Bedingungen hat sich nach Angabend von Make IT Fair bisher quasi nicht geändert – aber nicht nur bei Apple und Foxconn, auch andere Hersteller lassen unter sehr bedenklichen Bedingungen produzieren.

Unter diesen Umständen kann man ruhigen Gewissens leider keine Kaufempfehlungen für irgendein Smartphone aussprechen, sondern sollte stattdessen lieber auf Organisationen und Aktionen wie Take Action von Friends of the Earth verweisen und sich selber überlegen, ob man schon wieder ein neues Smartphone braucht, oder das alte vielleicht nicht doch noch gut genug ist.


Teaserimage by Phil Campbell (CC BY 2.0)


Image by Kelly Short (CC BY-SA 2.0)


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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind.

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