So geht’s: Smartphone-Fotos als Stock-Bilder verkaufen

Jeder fotografiert heute ständig – und das Smartphone liefert oft Bildqualität, die bei gut ausgeleuchteten Motiven häufig selbst teureren Profi-Kameras das Wasser reichen kann. Warum eigentlich nicht das Hobby zum Nebenerwerb machen und Stock-Bilder an Agenturen verkaufen? Wer ein paar Tipps beherzigt, kann sich etwas dazuverdienen oder das Hobby mit etwas Glück gar zum Beruf machen.

Warum das Geschäft boomt

Dank Internet und Social Media ist in den letzten Jahren der Bedarf an Inhalten explodiert. Facebook-Seiten, Instagram-Feeds, YouTube-Kanäle plus Websites, Präsentationen, Smartphone-Apps und Drucksachen wollen nicht nur mit Texten, sondern auch guten Bildern gefüttert werden. Meistens ist bei den Produzenten das Budget für Bildmaterial nicht allzu groß, aber der Zeitdruck umso höher. Daher greifen viele von ihnen oft zum Bildmaterial von der Stange anstatt die Fotos zum Beispiel mit einem gebuchten Fotografen oder während einer Reise an verschiedene Orte in Eigenregie zu produzieren. Stock-Medien nennen sich die auf Vorrat produzierten Bilder.

Bildanbieter im Netz versorgen heute Millionen von Content-Produzenten mit Bildmaterial. Der Kauf ist so einfach wie Online-Shopping. Zudem ist die Verwendung der Bildlizenzen nicht nur bezahlbar, sondern vor allem rechtlich geklärt. So läuft der Anbieter nicht Gefahr, wegen unerlaubter Nutzung eines irgendwo gefundenen Bilds verklagt zu werden.

Damit Leser nicht zu häufig die gleichen Stock-Bilder zu Gesicht bekommen, ist die Nachfrage der Bilddatenbanken nach kontinuierlich frischem Nachschub groß. Deshalb versuchen sich Immer mehr Stock-Portale mit der wachsenden Zahl an Smartphone-Fotografen neue Lieferantenquellen zu erschließen. Mit etwas Geschick kannst du davon profitieren.

Jeder Smartphone-Nutzer kann Stock-Bilder verkaufen

Eigentlich kann jeder, der selbst und einigermaßen gut fotografiert, auf diesem sehr aktiven Markt mitmischen und selbst Stock-Anbieter werden. Nicht nur das iPhone 7 Plus mit seiner Dual-Kamera und der Raw-Funktionalität, sondern auch viele aktuelle Android-Smartphones bieten eine ausgezeichnete Bildqualität.

Die Bildagenturen stellen dabei die Plattform, auf die das Bildmaterial hochgeladen werden kann. In diesem Zuge kümmern sie sich um den Vertrieb und die Zahlungsabwicklung. Der Urheber wird dann beim Verkauf mit einer Umsatzbeteiligung entlohnt. Was die Portale für sich einbehalten, variiert stark. Etwa der Anbieter Fotolia bezahlt seinen Content-Lieferanten eine Kommission von 63 Prozent des Verkaufspreises. EyeEm nennt eine Umsatzbeteiligung von 50 Prozent.

Der Verkauf von Stock-Bilder kann von ein paar Groschen extra im Monat sich schnell auch zu einem eigenen Geschäft entwickeln. Als Teil ihres Selbstmarketings präsentieren die Anbieter jede Menge Erfolgsgeschichten. So hat es beispielsweise Arne Trautmann, ein ehemaliger Anwalt für Medienrecht, geschafft, unter dem Pseudonym Kzenon mit über einer halben Million verkaufter Lizenzen einer der Top-Verkäufer beim Bilderdienst Adobe Stock zu werden (mehr dazu in einem Youtube-Video).

 

Natürlich wird nicht jeder, der in das Geschäft für Stock-Bilder einsteigt, diesen Erfolg wiederholen können. Der Stock-Markt lebt von Massengeschäft. Viele Fotografen haben einfach nicht die Ressourcen, regelmäßig eine große Zahl an neuen Medien hochzuladen. Und weil der Erlös aus jedem einzelnen eingestellten Foto oder Video relativ gering ist und sich nur in der Summe läppert, kommen viele Anbieter nicht über eine gewisse Schwelle hinaus. Doch es kann klappen.

Stock-Bilder vor dem Verkauf checken

Wichtigster und erster Schritt für den erfolgreichen Verkauf sind natürlich gute Bilder – auch wenn das banal klingt. Die Aufnahmen müssen qualitativ gut, also zum Beispiel in hoher Auflösung, Schärfe und guter Beleuchtung vorliegen. Fotos und Videos mit typischen Fehlern wie etwa verzerrten Proportionen fallen bei der Freigabe durch. Ebenfalls wichtig sind rechtliche Fragen: Bist du der Urheber des Bilds? Sind Logos von Herstellern, urheberrechtlich geschützte Gebäude oder andere Personen im Bild? Bei erkennbaren Personen gilt es, sich ein „Model Release“, also eine schriftliche Freigabe einzuholen und diese mit einzureichen. Anbieter geben zu den Vorrausetzungen viele Infos wie hier bei Fotolia oder iStockphoto.

Beim Verkauf kommt es auch darauf an, die Qualitätsprüfer und später die Kunden zu überzeugen. Wer den hundertsten Sonnenuntergang einreicht, wird kaum in der Masse auffallen. Besser ist es eine Nische zu finden und diese zu besetzen. Außerdem ist es clever, sich nach Trends umzusehen. Es gibt zum Beispiel Bildmotive, die saisonal gefragt oder gerade einfach „hip“ sind.

Eigenen Stil mittels Bildbearbeitung kreieren

Die Bilder von den erfolgreichsten Anbietern sind auch nicht unbedingt gleich interessant. Viele helfen völlig legitim mit Bildbearbeitung nach und erzeugen so ihren eigenen Stil. Fürs Smartphone oder Tablet gibt es inzwischen leistungsstarke Foto-Editoren wie etwa Lightroom, Snapseed, Afterlight oder Enlight. Daher musst du die Bilder nicht zwingend am Desktop-Computer gestalten und kannst sie direkt vom mobilen Gerät aus hochladen.

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Shutterstock und viele andere Anbieter habe eigene Seiten, wo du deine Bilder direkt hochladen kannst. Screenshot by Stefan von Gagern

Den passenden Anbieter für sich auswählen

Dann gilt es noch den oder die besten Marktplätze für den Verkauf der eigenen Bilder zu finden. Hier gibt es mehrere Kriterien. Die Portale unterscheiden sich neben der Höhe der Umsatzbeteiligung auch durch die Zugangshürden. Immer mehr Anbieter wie Shutterstock, Adobe Stock und EyeEm haben eigene Webseiten für Foto-Verkäufer und erleichtern durch diese Automatisierung die Anlieferung der Bilder.

In seltenen Fällen müssen sich Bild-Produzenten zuvor erst einmal mit den besten Bildern bewerben, um in den Kreis der Verkäufer aufgenommen zu werden. Bei iStockphoto.com ist das zum Beispiel der Fall. Meistens können sich Nutzer jedoch einfach anmelden und sofort Dateien hochladen.

In der jüngeren Vergangenheit haben eine Reihe von Start-ups versucht, sich als spezialisierte Plattformen für den Verkauf von Smartphone-Fotos zu etablieren. Viele der Wettbewerber sind schnell wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Die bisher bekannteste aktive Plattform ist Foap.

Inzwischen mischen auch praktisch alle großen Bildagenturen mit, obgleich das nicht immer direkt ersichtlich ist. So ist etwa EyeEm mit dem Branchen-Schwergewicht Getty eine Kooperation eingegangen. Die Chance, dass die Bildkataloge der großen Adressen auf lange Sicht am Markt bleiben, ist natürlich ungleich größer als die im Fall von Start-ups. Zudem finden Foto-Produzenten bei den Platzhirschen vom Start weg eine viele größere Zahl potenzieller Kunden. Natürlich müssen sie sich dabei auch einem deutlich größeren Wettbewerb mit anderen Foto-Produzenten stellen.

Künstliche Intelligenz hilft beim Verkaufen

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Auf der Contributor-Webseite von Adobe Stock werden Stock-Bilder automatisch verschlagwortet. Screenshot by Stefan von Gagern

Praktisch ist es, wenn die Portale einem die zeitraubende Verschlagwortung der Bilder abnehmen. Auf diese Weise lassen sich Bilder viel schneller beim Anbieter zur Überprüfung einreichen.

So nutzen Adobe Stock und EyeEm Verfahren des maschinellen Lernens, um die Bilder automatisch mit passenden Suchbegriffen zu versehen. Spezielle Algorithmen erkennen dabei Muster in Bildern. Tauchen Menschen, Häuser, Bäume oder bestimmte Gegenstände auf, werden den Aufnahmen entsprechende Schlagworte zugeordnet.

Laut Adobe wählt die im eigenen Haus entwickelte künstliche Intelligenz „Sensei“ nicht nur inhaltlich passende Begriffe, sondern gleichzeitig auch solche, die zuletzt häufig gesucht wurden und daher eine bessere Verkaufschance ermöglichen.

Wer bei Adobe Stock Bilder verkaufen möchte, hat einen weiteren Vorteil. Der Software-Primus hat seine Desktop-Programme Lightroom CC und Bridge CC um Plugins ergänzt, sodass Nutzer ihre Fotos von dort aus direkt bei Adobe Stock einspeisen können, ohne die Contributor-Seite im Web zu besuchen.

Das ist dann praktisch, wenn du deine Smartphone-Bilder am Computer nachbearbeitest und nicht bereits mobil hochlädst.

Fazit

Eigene Smartphone-Bilder bei Portalen für Stock-Bilder anzubieten ist mit Aufwand verbunden und ob es sich lohnt, hängt stark von Einsatz und der Qualität der Bilder ab. Aber warum sollte man es nicht versuchen, wenn man sowieso gutes Bildmaterial in der Sammlung hat? Stock-Anbieter zu werden ist auf jeden Fall ein reizvoller, potenzieller Nebenverdienst für Foto-Begeisterte. Mit speziellen Upload-Portalen und automatischer Verschlagwortung machen die Plattformen das Anbieten von Fotos immer leichter.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Applepiloten


Teaser Image (adapted) „Apple“ by Ed Gregory / Stokpic.com / Pexels (CC0 Public Domain); Screenshots by Stefan von Gagern


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Stefan von Gagern

Stefan von Gagern

schreibt als freier Journalist für Zeitschriften und Websites Artikel, Tests und Beiträge über digitale Themen wie Publishing, Internet, Social Media, Gadgets und Digital Lifestyle. Unternehmen berät er bei Konzeption und Umsetzung von Social Media-Auftritten und Content. Privat spielt der Freiberufler aus Hamburg Gitarre und ist oft auf dem Rennrad unterwegs. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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