Smart Homes müssen ihre Bewohner besser behandeln

Vielleicht sind wir noch weit davon entfernt, dass wir nach Hause kommen und Roboter für uns kochen und saubermachen, trotzdem hat das Zeitalter der übergreifenden Automatisierung der Haushalte bereits begonnen. Immer mehr Menschen verfügen heutzutage über „intelligente“ Ausgaben von Thermostaten und Leuchtmitteln in ihren Häusern. Diese funktionieren automatisch oder werden über das Smartphone gesteuert.

Der Automatisierungsmarkt für Zuhause steckt jedoch noch weitestgehend in den Kinderschuhen. Es gibt zahlreiche neuentwickelte Produkte von verschiedenen Firmen und nur wenige von ihnen sind miteinander kompatibel. Dieser Mangel an Standardisierung weist auf eine schwierige Zeit für Hersteller und Konsumenten hin. Solange die Industrie sich nicht mit diesen Kernproblemen beschäftigt, wird es weiterhin Probleme geben.

Die neueste Entscheidung Googles, einige ihrer Automatisierungsprodukte für den Haushalt unbrauchbar zu machen, macht dabei nicht viel Hoffnung. Die Abteilung für Smart Homes, Nest, wurde dafür kritisiert, dass rivalisierende Unternehmen Revolv aufgekauft und anschließend geschlossen zu haben.

Revolv stellte eine Schnittstellentechnologie her, die es ermöglichte, mehrere intelligente Geräte unterschiedlicher Hersteller über eine einzelne Smartphone-App zu bedienen. Nest übernahm die Firma einschließlich ihrer Expertise und der Angestellten mit dem Ziel, ihre eigene übergreifende Plattform namens „Works with Nest“ zu entwickeln. Theoretisch sollte dieser Schritt zu einer höheren Kompatibilität zwischen den verschiedenen intelligenten Geräten in einem weniger überlaufenen Markt positive Auswirkungen auf den Sektor haben. Nest entschloss sich jedoch dazu, die Server, die die Schnittstellentechnologie von Revolv versorgten, abzuschalten. Dies war ein Schritt, der dazu führte, dass Kunden nun nutzlose Boxen besaßen, die sie 300 US-Dollar gekostet hatten. Dieser Schritt wurde entgegen ursprünglicherer Versicherungen und dem Versprechen von Nest an die Kunden, dass Produkte von Revolv „lebenslang“ nutzbar sein würden, unternommen.

Nicht zu viel versprechen

Was wir aus diesem Vorfall lernen sollten, ist, dass wachsende Anbieter (wie Revolv) niemals “lebenslange” Laufzeiten anbieten sollten und dass potenzielle Kunden bei solchen Versprechungen aufhorchen sollten – möglicherweise sollten sie dies sogar als Zeichen dafür sehen, das Produkt nicht zu kaufen. Nest wird sicherlich versuchen müssen, seine Glaubwürdigkeit durch Entschädigungen mit Revolv-Geräten zurückzugewinnen. Diese Praxis haben sie auch bereits auf einer Einzelfall-Basis zugesichert. Natürlich müssen hier verschiedene Faktoren behandelt werden, auch wenn dies möglicherweise in unterschiedlichem Tempo geschehen muss. Dies schließt die Einführung angemessener Regularien zum Schutz von Kunden vor zukünftigen Problemprodukten wie die bald schon unbenutzbaren Schnittstellenverbindungen von Revolv mit ein.

Wir brauchen zudem offenere Produktpaletten und Services, die auf einer standarisierten Plattform basieren und die nicht auf bestimmte Hersteller angewiesen sind. Ein gutes Beispiel dafür findet sich im Bereich des Home Entertainment, wo Radio, Fernsehen und jetzt auch Streamingdienste weitestgehend vereinheitlicht wurden.

Die Vereinheitlichung der Automatisierung im Haushalt hat bei vielen großen Herstellern bereits mit der Konzeption des drahtlosen Kommunikationsprotokolls „Zigbee“ stattgefunden. Es gibt jedoch auch andere drahtlose Kontrollplattformen wie beispielsweise „Z-Wave“, die weiterhin beliebt sind.

Sicherheit und Belastbarkeit

Ein weiterer Bereich, der berücksichtigt werden muss, ist die Sicherheit und im Besonderen, wie Geräte und die von ihnen produzierten Daten vor Hackerangriffen geschützt werden können. Firmen machen an dieser Stelle oft nur Lippenbekenntnisse, behandeln das Problem jedoch nur zweitrangig, solange bis schließlich Hacker eindringen und Daten stehlen oder Systeme und Services stören – dann erst werden die Plattformbetreiber hellhörig.

Jetzt, da IT und Kommunikation das Herzstück vieler täglich genutzter Systeme darstellen, werden sie zunehmend  kritischer betrachtet. Sie werden immer häufiger zu Zielen von Cyberattacken. Zukünftig könnte dies auch die Automatisierung im Haushalt, wo sich Schnittstellen, intelligente Stromzähler und Sicherheitskameras befinden, betreffen – auf diese könnte dann aus der Ferne von Hackern zugegriffen werden. Diese könnten dann private Daten einsehen oder die Geräte im Haus steuern.

Die dauerhafte Belastbarkeit sowie die Fähigkeit von Systemen, sich zu erholen und weiterhin Dienstleistungen bereitzustellen, ist möglicherweise noch wichtiger und damit ein wichtiger Punkt in der Forschung von IT-Wissenschaftlern. Belastbarkeit bedeutet, zu erkennen, dass Systeme, selbst solche, die durch Schutzprogramme geschützt werden, Schwachstellen besitzen und diese auch zu Tage kommen werden. Damit sind nicht nur Cyberattacken gemeint, sondern alle Arten von Herausforderungen, wie Hard- und Softwareprobleme, Probleme aufgrund von Systemfehlern und auch menschliches Versagen. Die Forschung im Bereich der Belastbarkeit beschäftigt sich mit der Identifizierung von Problemen und der Konzeption von Mechanismen, um jederzeit zu einem normalen Betrieb zurückkehren zu können.

Wir benötigen möglicherweise auch erneuerte und grundlegendere Anwendungen, bevor die Automatisierung letztendlich in die Haushalte Einzug halten kann. Intelligente Kühlschränke, die Ihnen eine Kurznachricht zusenden, wenn keine Milch mehr da ist, reichen dann wahrscheinlich nicht aus.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Time Switch“ by KVDP (CC0 Public Domain)



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David Hutchison

David Hutchison

ist Professor für Computerwesen und Kommunikation an der Universität von Lancaster. Er hat drei Jarzehnte lang eine Forschergruppe geleitet, die sich mit „Quality of Service“ und belastbaren Systemen auseinandergesetzt hat.

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