Smart Hero Award: Gesucht werden soziale Helden

Im Interview spricht Eva-Maria Kirschsieper von Facebook über den Smart Hero Award und Social Media als Plattform für gesellschaftliches Engagement. // von Tobias Schwarz

Eva-Maria Kirschsieper von Facebook Deutschland (© Frank Ossenbrink/Media Group GmbH)

Der Smart Hero Award ist ein Anfang 2014 von der Stiftung Digitale Chancen und Facebook Deutschland initiierter Wettbewerb, bei dem soziales Engagement mit Hilfe von sozialen Medien ausgezeichnet wird. Wir haben uns im Vorfeld des Wettbewerbs mit Eva-Maria Kirschsieper, Head of Public Policy für Facebook Deutschland, über den Smart Hero Award, gesellschaftliches Engagement und Protest in sozialen Netzwerken unterhalten.

Tobias Schwarz: Der Smart Hero Award findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. Zusammen mit der Stiftung Digitale Chancen sponsert Facebook den Wettbewerb. Worum geht es bei dem Award?

Eva-Maria Kirschsieper: Mit dem Award möchten wir Menschen, Projekte oder NGOs auszeichnen, die sich ehrenamtlich, gesellschaftlich oder auch politisch engagieren und dafür erfolgreich Social Media Plattformen wie Facebook sowie andere digitale Kanäle einsetzen, um sich für andere Menschen stark zu machen. Wir suchen also engagierte Heldinnen und Helden, die mit Hilfe sozialer Medien auf ihre Projekte und ihr Engagement aufmerksam machen und zugleich über diesen Weg mit ihren bestehenden und auch potentiellen Unterstützern kommunizieren.

Im letzten Jahr wurden in vier verschiedenen Kategorien Preise verliehen. Welches Projekt ist Ihnen noch besonders in Erinnerung geblieben und warum?

Wir haben den Award im letzten Jahr ins Leben gerufen und hatten schon damals knapp hundert Bewerbungen. Und tatsächlich muss ich sagen, dass mich jedes der eingereichten Projekte auf seine Art und Weise berührt hat. Ich war sehr froh, nicht Teil der Jury zu sein und letztlich entscheiden zu müssen. Die vier Gewinnerprojekte des letzten Jahres „Hellersdorf hilft Asylbewerbern„, „Wheelmap.org„, „mutterseelenalleinerziehend.de“ und „Der Teilzeitblogger“ sind für mich Paradebeispiele, wie man soziale Medien erfolgreich in die eigene Kommunikation einbinden kann.

Zwei der vier ausgezeichneten Projekte waren Initiativen mit mehreren Mitstreitern, die anderen zwei Projekte waren Blogs von Einzelpersonen. Worauf kommt es bei einem Projekt an, das etwas verändern soll?

Es geht nicht darum, dass die Projekte Dinge revolutionieren oder die Welt umkrempeln müssen. Manchmal sind es schon die kleinen Dinge, die helfen oder andere dazu animieren, sich für eine gute Sache einzusetzen. Wenn ich zum Beispiel an Katja Schabe denke, die mit ihrem Projekt „Helfen WOLLEn“ Berliner Obdachlose mit selbstgestrickten Schals, Mützen und Socken ein bisschen Wärme in im Winter bringt, ist das großartig. Sie hat soziale Medien sinnvoll genutzt, um noch mehr Unterstützer zu finden, die selbst mitstricken oder Wolle spenden. Dies ist zwar eine kleine Initiative, die auf Berlin begrenzt ist, aber sie hat nichtsdestotrotz für einige Menschen eine große Wirkung. Es kommt darauf an, dass man soziale Medien klug für mehr Anerkennung, Respekt und Toleranz einsetzt und allein schon die Initiative, etwas zu bewegen, ist bewundernswert – auch im Kleinen.

Bisher gab es keinen größeren und anhaltenden gesellschaftlichen Protest, der von Aktivisten der sozialen Medien geschaffen wurde. Wieso fördern Sie vor allem auf Social Media setzende Projekte?

Jeden Tag nutzen 20 Millionen Menschen in Deutschland Facebook, um mit ihren Freunden zu kommunizieren, sich über Events und Neuigkeiten zu informieren, zu diskutieren und zu engagieren. Wir sehen, dass viele gemeinnützige Projekte entstehen, die von dieser Reichweite und den Möglichkeiten der Vernetzung profitieren. Sie nutzen erfolgreich soziale Medien, um über ihre Projekte zu berichten, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und um Mitstreiter und Unterstützer zu finden. Und genau diese Projekte und die Menschen, die dahinter stehen, möchten wir auszeichnen. Wir möchten ihnen somit helfen, ein größeres Publikum zu erreichen und noch mehr Unterstützer für ihre Sache zu finden.

Die Medienwissenschaftlerin Imaani El-Burki schrieb in einem Artikel auf Netzpiloten.de, dass gesellschaftlicher Protest in sozialen Medien weniger nachhaltig ist, da es oft nur zu kurzfristigen, dezentralen Meinungsäußerungen kommt. Wie bewerten Sie diese These?

Die Diskussionen auf Facebook sind immer Teil einer gesellschaftlichen Debatte. Die Menschen tauschen sich über Dinge aus, die ihnen wichtig sind, und teilen diese mit anderen Menschen. Dies findet jeden Tag statt, in leidenschaftlichen Debatten und intensiven und gesellschaftlich-relevanten Diskursen zu allen erdenklichen Themen.

Facebook wird hierzulande regelmäßig von Datenschutz-Aktivisten für seine allgemeinen Geschäftsbedingungen kritisiert. Kann auch dieser Protest erfolgreich sein und Veränderungen in Ihrem Unternehmen herbeiführen?

Wir stehen im Austausch mit den Menschen die unsere Plattform nutzen – jeden Tag. Wir hören, die Dinge, die sie bewegen, nehmen Kritik entgegen und holen uns Feedback. Dies trifft auf die Einführung neuer Produkte zu, wie auch auf sonstige Veränderungen zu. Wir nehmen das Feedback der Menschen sehr ernst und arbeiten laufend daran unseren Dienst so anzubieten, dass er für die Menschen von größtmöglichem Nutzen ist und sie sich im Umgang mit den Instrumenten wohl fühlen. Hierzu sind wir im Austausch mit den Menschen sowie mit Experten weltweit und auch mit Partnern, mit denen wir hier vor Ort zusammenarbeiten, wie bspw. der Stiftung Digitale Chancen.

Sie engagieren sich in dem netzpolitischen Verein D64. Warum sollten sich Menschen außerhalb von Parteien politisch engagieren? Schadet das nicht der Demokratie?

Ganz und gar nicht. Demokratie lebt von der Beteiligung möglichst vieler Menschen, egal ob in Vereinen, Parteien oder informellen Diskussionen. Parteien als Organe, die letztlich Politik gestalten sind auf Anstöße von außen angewiesen, um die Bedürfnisse der Menschen zu erkennen und ihre Politik entsprechend auslegen zu können. Ich es erfreulich und wünschenswert, dass sich Menschen auch außerhalb der Politik gesellschaftlich und sozial für die gute Sache einsetzen.

In diesem Jahr wird es erstmalig neben den Kategorien „Bürgerschaftliche und politische Beteiligung“ sowie „Soziales Miteinander und ehrenamtliches Engagement“ auch einen Jugend- und einen Seniorenpreis geben. Was bekommen die Gewinner der Kategorien?

Wir haben in diesem Jahr diese beiden Kategorien mit aufgenommen, da wir unterstreichen möchten wie sinnvoll und effizient Jugendliche und auch Senioren Social Media einsetzen. Wir beschäftigen uns viel damit, wie man Medienkompetenz verbessern und stärken kann. Wir möchten Jugendliche und auch Senioren speziell auszeichnen, um sie darin zu bestärken Social Media weiterhin für die Kommunikation ihrer Projekte zu nutzen. Zugleich möchten wir mit Hilfe dieser Projekte anderen Jugendlichen und Senioren zeigen, was man erreichen kann und welches Potential in sozialen Medien steckt, wenn man souverän mit ihnen umgeht. Jede der Kategorien ist mit einem Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro dotiert, d.h. auch die Gewinner des Jugend- und die des Seniorenpreises erhalten diese Summe.

Wie wird entschieden, wer den Publikumspreis bekommt?

Unsere Jury wird aus allen Einreichungen eine Vorauswahl von 12 Projekten treffen. Die Nominierten werden dann auf der Webseite und der Facebook-Seite des Smart Hero Award veröffentlicht und dort kann das Publikum direkt über ein öffentliches Voting abstimmen.

Noch bis zum 3. März besteht die Möglichkeit, Projekte einzureichen oder auch vorzuschlagen. Vermissen Sie ein Ihnen bekanntes Projekt unter den bereits eingereichten Vorschlägen?

Ich bin überzeugt davon, dass es noch viele Projekte gibt, die sich bisher noch nicht beworben haben oder nicht von anderen vorgeschlagen wurden. Deshalb hoffe ich, dass jetzt noch viele Bewerbungen folgen oder eben Freunde, Bekannte, Befürworter eines guten Projekts die Initiative in die Hand nehmen und Projekte vorschlagen. Also, wer immer etwas weiß oder ein gutes Projekt im Kopf hat, sollte es schnell nominieren.


Schirmherrin des Smart Hero Award 2015 ist Bundesministerin Manuela Schwesig. Medienpartner des Smart Hero Award 2015 ist Netzpiloten.de.


Teaser & Image by Frank Ossenbrink/Media Group GmbH


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Tobias Kremkau

Tobias Kremkau

ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Von 2013 bis 2016 leitete er Netzpiloten.de und unternahm verschiedene Blogger-Reisen. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank "Institut für Neue Arbeit" gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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