Wie Skype und Microsoft Teams die Wissensarbeit digitalisieren

Dass die Arbeitswelt sich verändert, ist längst kein Geheimnis mehr. Zahlreiche Wettbewerber aus dem Technologie-Sektor haben Software-Angebote auf dem Markt, die die Zusammenarbeit von Teams über Orts- und Zeitgrenzen hinweg verbessern sollen. Microsoft spielt hier eine immer stärkere Rolle und engagiert sich jenseits seines klassischen Office-Pakets in anderen Produktivitäts-Tools wie etwa solchen fürs Aufgabenmanagement oder für die Kommunikation. Skype hat den Vorteil, dass es aus dem privaten Alltag gelernt ist. Nicht zuletzt auch deshalb wird die berufliche Variante Skype for Business von großen und kleinen Unternehmen eingesetzt, unter ihnen Henkel oder Velux.

Microsoft hat zuletzt viel am Skype-Portfolio geändert. Zum einen hat die Consumer-Variante Messenger-Features für den privaten Gebrauch sowie einige Profi-Funktionen erhalten. Zum anderen geht Skype for Business zukünftig in dem Tool Microsoft Teams auf. Wir sprachen mit Jörg Petter von Microsoft Deutschland über diese Entwicklung. Er ist bei Microsoft Deutschland als Business-Lead für die Geschäftskunden-Produkte Office 365, Skype for Business und Microsoft Teams (Produktseite) zuständig.

Herr Petter, warum baut Microsoft seine Tools für Kommunikation und Produktivität derzeit so stark um?

Die Arbeitswelt hat sich radikal verändert und ist auch weiterhin im Umbruch. Für eine zeitgemäße Arbeitsweise benötigen moderne Wissensarbeiter die passenden Tools. Das ist der Ansatzpunkt für das große Update in unserem Portfolio, in dessen Zentrum vor allem der Einsatz moderner Cloud-Technologie steht. Moderne Wissensarbeit ist vernetzte und mobile Teamarbeit, bei der niemand sein Wissen für den eigenen Vorteil hortet, sondern im Gegenteil zum Nutzen aller mit den Kollegen teilt. Aus dem Büro wird ein digitaler, moderner Arbeitsplatz.

Jörg Petter Porträt Microsoft
Jörg Petter ist bei Microsoft Deutschland als Business-Lead für die Geschäftskunden-Produkte Office 365, Skype for Business und Microsoft Teams zuständig. Image by Microsoft Deutschland GmbH

Für Unternehmer und Manager sind deshalb drei Fragen von zentraler Bedeutung: Erstens, wie kann ich meine Mitarbeiter auf ein neues Produktivitätslevel heben, indem ich die Zusammenarbeit im Unternehmen einfacher, mobiler aber auch sicherer mache? Zweitens, wie kann ich durch Technologie die Kreativität und Innovationsfähigkeit meiner Mitarbeiter heben und mein Geschäftsmodell durch Digitalisierung für meine Kunden verbessern? Drittens, wie kann ich Technologie und insbesondere künstliche Intelligenz nutzen, um meine Mitarbeiter von Routineaufgaben zu entlasten und dadurch Freiraum für Innovationen zu schaffen?

Welche Überlegungen stecken in diesem Zusammenhang hinter der Strategie, die Messenger-Qualitäten von Skype zu stärken, nachdem in den vergangenen Jahren der Schwerpunkt auf Audio- und Video-Chat lag?

Chatbasierte Kommunikation ist insbesondere in der jüngeren Generation sehr beliebt. Deshalb ist Messaging künftig ein zentraler Bestandteil aller unserer Kommunikationstools. Aber Kommunikation findet über viele unterschiedliche Kanäle statt. Damit meine ich Sprache, Video, Chat und E-Mail. Und, Kommunikation ist nur eine Facette der Zusammenarbeit im Unternehmen, weil Produktivität immer auch an das Erstellen und Bearbeiten von Inhalten geknüpft ist.

Deswegen haben wir mit Microsoft Teams auch ein Tool von Grund auf so konzipiert, dass es als Startpunkt für eine universelle Zusammenarbeit im Unternehmen über alle Kanäle hinweg steht. Wie bei Skype ist auch bei Microsoft Teams Messaging ein wichtiger Eckpfeiler. Aber Microsoft Teams ist gleichzeitig viel mehr als „nur“ ein Messenger. Es führt unterschiedliche Kommunikationsformen, also Voice, Video und Chat mit „meinen“ Dateien und Applikationen in einer Anwendung zusammen.

Microsoft Teams
Microsoft Teams bündelt viele Kommunikationstools in einem. Image by Microsoft Deutschland GmbH

Haben Sie ein Anwendungsbeispiel von Microsoft Teams für uns?

Microsoft Teams ist beispielsweise für folgendes Szenario prädestiniert: Die Marketingabteilung möchte den Halbjahresbudgetplan im Team-Meeting diskutieren und verabschieden. In der alten Welt habe ich dafür unterschiedliche Applikationen benötigt, etwa einen E-Mail-Client, Kalender, ein Web-Meeting-Tool, eine Tabellenkalkulation, Sprachkonferenz und vieles mehr. Mit Microsoft Teams kann ich all das bequem in einem Tool erledigen, ohne die Applikation zu verlassen. Das ist eine enorme Vereinfachung, was übrigens unsere Wettbewerber so nicht können.

Stichwort Wettbewerb. Welche Vorteile sehen Sie in Bezug auf Microsoft Teams gegenüber populären Herausforderern wie etwa Slack? Auch in Kombination mit Skype for Business.

Der größte Vorteil für unsere Kunden ist die tiefe Integration aller Microsoft-Office-Programme in die Office-Suite. So sind die zentralen Funktionen für Kollaboration und Kommunikation in den täglichen Workflow mit Outlook, Word, Excel, OneNote oder PowerPoint integriert. Zum Beispiel kann ich direkt in Word in Echtzeit mit Kollegen gemeinsam am Dokument arbeiten. Ich muss für ein Online-Meeting beispielsweise Microsoft Teams nicht verlassen, sondern arbeite einfach in der mir vertrauten Umgebung weiter. Und das Beste: dieses komplette Büro mit Telefonanlage, virtuellen Meeting-Räumen und allen meinen Dateien steht mir überall dort zur Verfügung, wo ich mich aufhalte unabhängig davon, welches Endgerät ich nutze.

Chatbots sind in der Kommunikation ein immer wichtigeres Thema. Wie sind die Pläne für die Chatbot-Integration im Microsoft Teams?

Automatisierte, chatbasierte Kommunikation auch mit der Möglichkeit, gesprochenen Text, Gesichter und sogar Stimmungen zu erkennen, werden in der nahen Zukunft eine große Rolle spielen. Wir arbeiten intensiv an diesen Technologien, haben bereits mehr als 30 sogenannte Cognitive Services entwickelt, die bei der Mensch-Maschine-Kommunikation unterstützen. Wir verbinden diese Technologien mit künstlicher Intelligenz und Machine Learning, um Chatbots noch leistungsfähiger zu machen.

Das alles ist für uns eins der wichtigsten Zukunftsthemen. Und wenn wir von Zukunft sprechen, meinen wir nicht „in zehn oder 20 Jahren“, sondern „jetzt“. Diese intelligenten Services gießen wir – wo sinnvoll – in standardisierte, fertige Bots, die wir im Teams-App-Store veröffentlichen. Allerdings zeigen auch unsere Kundenprojekte, dass häufig unternehmensspezifische Implementierungen gefragt sind, da Geschäftsprozesse im Regelfall eben individuell sind.

Zurück zu Skype. Beispielsweise mit einfacher zu bedienenden Gruppenchats, Story-Funktion (Moments) und Foto-Filtern, Chatbots sowie dem frischen Design hat Skype einen Relaunch mit starkem Consumer-Schwerpunkt erlebt. Nun wurde der Skype Professional Account für „professionelle Konsumenten“ angekündigt. Das wirkt widersprüchlich. Wie geht das zusammen?

Wir müssen hier trennen. Zum einen haben wir eine Anwendung für einfache, mobile Zusammenarbeit im Unternehmen – das ist Microsoft Teams. Und wir haben ein Angebot, das auf Privatkunden fokussiert ist – das ist Skype. Aber, Skype ist auch für Kleinstunternehmen oder Freelancer interessant, die eine vereinfachte, stark reduzierte Kommunikationsplattform für ihren Büroalltag suchen. Daher haben wir Skype Professional eingeführt.

Parallel zum angekündigten Skype-Professional-Account gibt es aktuell noch die Variante Skype for Business parallel zu Microsoft Teams. Das könnte auf Geschäftskunden verwirrend wirken. Welches Tool ist denn künftig nun für wen das richtige?

Wichtig ist hier noch mal die Trennung zwischen unserem Privatkundenangebot Skype und unserem Geschäftskundenangebot rund um Office 365 und Microsoft Teams. Für Privatkunden ist Skype das richtige Angebot, im begrenztem Maß auch für Kleinstunternehmen.

Skype for Business
Skype for Business ist für größere Unternehmen geeignet. Image by Microsoft Deutschland GmbH

Für Geschäftskunden empfehlen wir Office 365 inklusive Microsoft Teams. Um es für unsere Kunden einfacher zu machen, haben wir im September 2017 angekündigt, die Sprach- und Videofunktionen von Skype for Business in Microsoft Teams zu integrieren. Dadurch wird letzteres noch stärker zum zentralen Knotenpunkt für integrierte und interdisziplinäre Teamarbeit. Für unsere Cloud-Kunden wird damit auch die Welt einfacher, weil wir dadurch den bisherigen „Skype for Business Client“ ersetzen. Für Kunden, die Lösungen „on-premise“ bevorzugen, wird es weiterhin Skype for Business als Server-Version geben. In deren Weiterentwicklung investieren wir auch signifikant.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview entstand in Kooperation mit Microsoft und wurde schriftlich geführt.


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Berti Kolbow-Lehradt

Berti Kolbow-Lehradt

ist Freier Journalist und Texter. Für die Netzpiloten sowie unsere Geschwisterseiten Androidpiloten und Applepiloten befasst er sich mit Technik-Themen. Die Dissertation zur Geschichte der Fotoindustrie hat der Wirtschaftshistoriker erfolgreich abgebrochen, um sich der Digitalen Fotografie und vielen anderen Bereichen der Consumer Electronics und IT in der Gegenwart zu widmen. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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