Sicher surfen? Amune und BrowserProtect können helfen (Bild: Rob Pongsajapan [CC BY 2.0], via Flickr)

Surfen ohne Nebenwirkungen: Amune und BrowserProtect

In Anbetracht immer neuer Veröffentlichungen von Edward Snowden kann man für seinen Datenschutz nie zuviel tun. Amune und BrowserProtect sollen beide dabei helfen, unsere Spuren im Web effektiv zu verwischen. // von Lars Sobiraj

Sicher surfen? Amune und BrowserProtect können helfen (Bild: Rob Pongsajapan [CC BY 2.0], via Flickr)

Laienhaft ausgedrückt sind Amune und BrowserProtect selber Browser im Browser. Wir surfen über ein Fenster im Browser, hinterlassen dabei aber keinerlei persönliche Spuren. Nutzer von einem VPN oder Proxy können bei einem zweiten Besuch der gleichen Webseite möglicherweise wiedererkannt werden. Beide Angebote werden also weit über den Schutz herkömmlicher Verschleierungsmethoden hinausgehen. Doch was kostet der Spaß?


Warum ist das wichtig? Für den eigenen Datenschutz im Internet müssen Nutzer selber aktiv werden, verschiedenen Programme können einem dabei helfen.

  • Surfer sind nicht nur für die Geheimdienste interessant. Auch die Online-Werbewirtschaft weiß gerne, welche Vorlieben wir haben und wo wir uns häufig im Web aufhalten.

  • Alle gängigen Methoden verschleiern zwar die IP-Adresse. Amune und BrowserProtect zeigen aber, dass man noch mehr für seine Online-Anonymität tun kann.

  • Amune ist online. BrowserProtect hat eine private Testphase eingeläutet. Wir haben schon einmal einen ersten Blick darauf geworfen.


Panopticlick von der Bürgerrechtsorganisation Electronic Fronier Foundation (EFF) gilt als bestes Test-Tool im Web, um neben der IP-Adresse diverse Informationen des Webseitenbesuchers zu testen und anzuzeigen. Vor allem wird geprüft, ob der Browser anhand weiterer übertragener Informationen wiedererkannt werden kann. Wer die gleiche Webseite beim zweiten Besuch mit dem gleichen Betriebssystem, der Sprache, Anzahl der Farben und vielen anderen Informationen erneut besucht, kann als gleicher Nutzer erkannt werden. Die Identifikation funktioniert auch, sofern sich meine IP-Adresse geändert hat. Das Besondere bei Panopticlick ist aber, dass wir ganz ohne die Verwendung von Cookies erkannt werden können.

Erst am Dienstag erhielten wir die Einladung für die erste private Testphase von BrowserProtect. Beim Besuch bei Panopticlick via BrowserProtect hatte niemand sonst den gleichen digitalen Fingerabdruck, obwohl fast 2,5 Millionen verschiedene Browser miteinander verglichen wurden. Das kann uns aber in diesem Fall egal sein. Der Grund dafür ist einfach. Die EFF bekam die Zusatzinformationen von BrowserProtect und deren Servern übermittelt. Meine eingestellte Sprache, Betriebssystem, der Browser und vieles mehr bleibt den Webseitenbetreibern verborgen.

Um Cookies muss man sich keine Sorgen mehr machen. Selbst die ersten ewigen Cookies werden bei BrowserProtect beziehungsweise Amune und nicht bei mir auf dem hemischen Computer gespeichert. Auch Schadsoftware, die durch Sicherheitslücken im Browser oder in einem Plug-in auf den Computer gelangen, haben keine Chance mehr. Der Trojaner führt seinen Angriff fernab von meinem Computer durch.

Nachteile und verwirrende Eigentümerverhältnisse

Welchen Nachteil hat diese Lösung? Die Betreiber können jeweils ganz genau erfassen, was wir im Einzelnen im Web getan haben. An den Daten werden früher oder später auch die Geheimdienste interessiert sein. Allerdings betrifft dieses Problem auch alle Nutzer von einem VPN- oder Proxy-Anbieter. Die wissen bei nicht verschlüsselten Webseiten auch, was ihre Nutzer seit dem Tag ihrer Anmeldung getrieben haben. Wie anfällig die Verschlüsselung sein kann, hat uns der Poodle-Angriff gezeigt, wenn wir nicht schon beim Heartbleed-Bug verunsichert waren. Das ist auch der Grund, warum bei der Bezahlung solcher Dienstleistungen die Nutzung anonymer Bezahlkarten (Paysafe, Ukash & Co.) bevorzugt wird.

Die Trennung zwischen den Projekten und die exakten Eigentümerverhältnisse sind teilweise recht verwirrend. Im Newsletter von BrowserProtect wird hervorgehoben, dieses Projekt wurde früher als Immunity Zone bezeichnet. Betreiber von BrowserProtect ist eine Bengoa Ltd. ohne weitere Ortsangabe. Der Gründer ist David Bengoa. Wer aber auf die alte Webseite von Immunity Zone geht, wird hingegen auf den Dienst Amune hingewiesen. Dessen Betreibergesellschaft ist aber die Schweizer X and Me Technology AG, die sich von Anfang an für Immunity Zone verantwortlich gezeichnet hat. Dort wird Gründe Bengoa nicht namentlich erwähnt. Beide Webseiten weisen Ähnlichkeiten auf, weitere Details sind uns bislang nicht bekannt.

Fazit und Preise

BrowserProtect ist beim Testlauf schnell und funktioniert einwandfrei. Der Dienst ist wirklich preiswert, monatlich fallen minimal 3 Euro an. Weitere Infos zu den unterschiedlichen Paketen sind hier verfügbar. Bis zur öffentlichen Beta wird wahrscheinlich nicht mehr viel Zeit vergehen. Die Bezahlung per Bitcoin wurde bereits angekündigt.

Die Konditionen beider Anbieter unterscheiden sich ein wenig. Doch auch das preiswerteste Premium-Paket von Amune schlägt nur mit 3 Euro zu Buche. Bei Amune kann man schon loslegen, weitere Details zu den Premium-Paketen sind hier verfügbar. Wer keinerlei Daten bei der Registrierung hinterlassen will, kann bei Amune beispielsweise mit dem anonymen Online-Bezahlsystem Ukash bezahlen.

Natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er lieber ohne zusätzliche Kosten im Web surft und dabei ständig beobachtet wird. Oder ob einem die digitale Abgeschiedenheit 3 Euro monatlich wert sind.


Teaser & Image by Rob Pongsajapan (CC BY 2.0)


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Lars Sobiraj

Lars Sobiraj

schrieb von 2000 bis zum Jahr 2002 für mehrere Computerzeitschriften rund 100 Artikel. Von April 2008 bis Oktober 2012 leitete er beim IT-Portal gulli.com die Redaktion als Chefredakteur. Thematische Schwerpunkte der über 1.000 Beiträge sind Datenschutz, Urheberrecht, Netzpolitik, Internet und Technik. Seit Frühjahr 2012 läuft die Video-Interviewreihe DigitalKultur.TV, die er mit dem Kölner Buchautor und Journalisten Moritz Sauer betreut. Seit mehreren Monaten arbeitet Lars Sobiraj auf freiberuflicher Basis bei heute.de, ZDF Hyperland, iRights.info, torial, Dr. Web und vielen weiteren Internet-Portalen und Blogs. Zudem gibt er Datenschutzunterricht für Eltern, Lehrer und Schüler.

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