Das sehen Hunde, wenn sie fernsehen

Hundebesitzer bemerken oft, wie ihre Tiere fernsehen oder auf Computerbildschirme und Tablets schauen. Aber was geht in ihrem Hundekopf vor? Tatsächlich konnten Studien durch eine Rückverfolgung ihres Sehvermögens mithilfe ähnlicher Methoden, wie sie beim Menschen verwendet wurden, feststellen, dass Haushunde bestimmte Bilder und Videos bevorzugen.

Diese Studie deutet darauf hin, dass Hunde bevorzugt andere echte Hunde sehen – aber unsere Studien haben auch herausgefunden, dass es zunächst die Geräusche sind, die Hunde zum Fernseher oder zu anderen Geräten locken.

Die beliebtesten Geräusche umfassen dabei das Bellen von Hunden sowie deren Winseln, aber auch die Laute, die Menschen erzeugen, wenn sie Hunde loben und ihnen freundlich Befehle erteilen und das Quietschen von Spielzeug.

Dennoch schauen Hunde ganz anders fern als es Menschen tun. Statt still zu sitzen, nähern sich die Tiere oft dem Bildschirm, um genauer hinschauen zu können und laufen wiederholt zwischen ihrem Besitzer und dem Fernseher hin und her. Sie sind sehr zappelige, interaktive Zuschauer.

Hunde sehen auf dem Bildschirm auch andere Dinge als Menschen. Hunde sehen zweifarbig – sie haben zwei Arten von Farbrezeptor-Zellen und sehen Farben innerhalb zweier Farbspektren: blau und gelb. Die Farbverwendung in den Medien ist sehr wichtig für Hunde und erklärt, warum der Hunde-Fernsehsender DogTV diese Farben bei seinen Programmen bevorzugt verwendet. Hundeaugen sind außerdem viel sensibler gegenüber Bewegungen und Tierärzte vermuten, dass das verbesserte, flimmerfreie Fernsehen, das aus dem Wechsel von normalem zu hoch auflösendem Fernsehen resultiert, Hunden ermöglicht hat, die Medienprogramme im Fernsehen besser wahrzunehmen.

Mögen Hunde das TV-Programm

In Studien wurden auch mehrere Bildschirme verwendet, um zu sehen, ob Hunde aussuchen können, was sie anschauen. Frühe Forschungen haben ergeben, dass Hunde unfähig sind, sich zu entscheiden, wenn sie mit drei Bildschirmen konfrontiert werden und sich stattdessen nur einen Bildschirm anschauen, ganz egal, was auf diesem gezeigt wird. Dies muss noch mit zwei Bildschirmen getestet werden und möglicherweise auch noch einmal mit mehr als dreien.

Während die Wissenschaft gezeigt hat, dass Hunde sich auf Fernsehprogramme einlassen können und dass sie bestimmte Programme bevorzugen, muss sie noch komplexere Fragestellungen erforschen, wie beispielsweise die Frage, ob ihnen Fernsehen eigentlich tatsächlich gefällt. Wir Menschen schauen oft anstrengendes Bildmaterial oder Videos, die uns eine Vielzahl an Emotionen durchleben lassen, von Erschütterung zu Wut und Schrecken. Wir schauen auch nicht nur deshalb fern, um uns wohlzufühlen. Wir wissen jedoch nicht, ob ähnliche Faktoren Hunde dazu motivieren, fernzusehen.

Worauf sich ein Hund einlässt, variiert jedoch von Hund zu Hund und hängt von seiner Persönlichkeit, Erfahrung und von seinen Vorlieben ab. Es wird spekuliert, ob dies davon beeinflusst wird, was ihre Herrchen schauen, da Hunde dem Blick der Menschen und anderen Kommunikationssignalen, wie zum Beispiel Gesten und Kopfschütteln, folgen.

Anders als bei Menschen gibt es bei Hunden sehr kurze Interaktionen mit den Medien mit einer Zeitspanne von meist unter drei Sekunden, wobei die Tiere bevorzugt kurze Blicke auf den Fernseher werfen, anstatt sich auf diesen zu fokussieren, wie es die Menschen tun. Studien haben herausgefunden, dass selbst Medienprogramme, die speziell für Hunde konzipiert wurden, zum Großteil von diesen nicht geschaut werden. Das ideale Fernsehprogramm für Hunde sollte daher viele Bildausschnitte beinhalten und keine Szenarios mit langen Geschichten.

Aber während Hunde ihren eigenen Fernsehsender haben und eine Vorliebe dafür gezeigt haben, andere Hunde zwischen kurzen Interaktionsphasen im Rahmen spezieller Programme in bestimmten Farben zu sehen, bleiben noch viele Dinge unklar. Dennoch besitzt die Technologie das Potential, für Unterhaltung für den Haushund zu sorgen, wodurch das Wohlergehen der allein im Zwinger und zu Hause gelassenen Hunde gesteigert wird. Man sollte allerdings noch keine Hundeversion der Nachrichten erwarten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Hund“ by lightstargod (CC0 Public Domain)


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Ilyena Hirskyj-Douglas

Ilyena Hirskyj-Douglas

ist Computer-Interaktions- Forscherin für Hunde an der Universität Central Lancashire in Preston. Ihre aktuelle Forschung hat eine neue Studie eingeführt, die Bilderkennungs-Algorithmen nutzt, um die Blicke eines Hundes über den Bildschirm zu untersuchen. Regelmäßig bloggt sie über die Hund-Computer-Interaktion und gibt zudem Workshops und Infoveranstaltungen im Bereich des Tierverhaltens.

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