Seesmic: Video + Twitter + X

Seesmic ist eines von zahlreichen neuen Video-Startups. Besonders allerdings sind die zwei Namen, die der Dienst im Rücken hat: Loic Le Meur, der schon mehrere Internetfirmen gegründet hat und als A-Blogger gilt sowie Twitter, der derzeit so populäre Microblogging-Dienst. Vielleicht ist es diese Kombination, die Seesmic-Einladungen so gefragt macht.

Aktuell befindet sich Seesmic im privaten Betatest, viele Features sind noch nicht implementiert, aber die Basics lassen schon gut erkennen, was Seesmic mal werden will: Eine Mischung aus Video- und Online-Broadcasting-Portal, offenem Social Network und eine Art Video-Twitter.

Wie funktioniert Seesmic?

Mit der eigenen Webcam lassen sich Videos (von bis zu 5 Minuten Länge) aufzeichnen und direkt via Seesmic publizieren. Alternativ können aber auch bestehende Webvideos von den üblichen Videoportalen eingebunden werden (derzeit nur YouTube). Darüber hinaus gibt es eine Upload-Funktion für Videos vom eigenen Rechner. Außerdem können User ihren Seesmic- mit ihrem Twitter-Account verknüpfen, so dass jedes neue Seesmic-Video des Nutzers automatisch auch als Twitterlink gepostet wird. Sehr spannendes Feature, denn so entsteht ein bunter Mix aus unterschiedlichen Videoquellen und Referenzen: User-generated Content meets Webvideos meets Twitter meets Social Networking. Auf Twitter (auf-)zusetzen anstatt das Rad neu zu erfinden ist eine clevere Strategie.

 

Natürlich können sich die Nutzer von Seesmic auch untereinander vernetzen. Auch hier setzt Le Meur auf das Text-Vorbild Twitter: Seesmic-User können untereinander Freundschaften schließen, indem sie einander „folgen“. Die Social Networking Features des Dienstes hören hier aber noch längst nicht auf. Die Macher setzen auf offene Schnittstellen, über die der Datenaustausch zwischen Seesmic und populären Social Networking Diensten funktioniert. Derzeit kann der eigene YouTube-, Twitter– oder Skype-Account integriert werden. Facebook und Co. kommen künftig dazu. Unter anderem ist ein Joost-Widget in Planung und die Möglichkeit Skype-Videocalls von Seesmic mitschneiden zu lassen. Für Smartphone-Nutzer sind mobile Erweiterungen zum Senden und Empfangen in der Entwicklungs-Pipeline, z.B. RSS-Feeds mit iPhone-kompatiblen Enclosures. Mächtig, mächtig, was da so alles auf der Todo-Liste steht!

Für wen ist Seesmic gedacht?

Für das reine Konsumieren von Videos dürfte Seesmic im aktuellen Stadium noch nicht sehr spannend sein. Erst wenn es sich zu einem wirklichen Crowd-Sourced Online-TV gemausert hat, könnte sich das ändern. Richtig Spaß macht Seesmic natürlich erst, wenn man selbst Videos einstellt und sich mit Freunden vernetzt. Den größten Mehrwert dürfte Seesmic also für Prosumer bieten, die bereits bestens auf den einschlägigen Online-Plattformen vernetzt und im Besitz einer Webcam sind. Ob und wie Seesmic auch als mobiler Videohub funktionieren kann, wird sich nach Freigabe entsprechender Features erst noch zeigen müssen. Für Smart-Phonisten heißt es momentan noch: Abwarten und Tee trinken.

Blogpiloten-Urteil

Seesmic lässt sich wohl am besten als Video-Twitter beschreiben, ist aber schon jetzt viel mehr als das. Wenn es Le Meur mit seinem Team schafft, die angekündigten Features zuverlässig zu implementieren, könnte aus Seesmic eine neue Killerapplikation werden. Überzeugend ist der offene Ansatz, bei dem der Austausch mit anderen Social Networking-Diensten konsequent durchgezogen wird. Die kleine Beta-Tester-Community scheint bisher mehr als begeistert und berichtet bereits von suchtähnlichem Verhalten. Ob Seesmic diese Vorschußlorbeeren verdient hat und sich auch bei den Nicht-Geeks durchsetzen kann, müssen die Macher nach Freigabe der Public Beta erst noch beweisen. Ich meine: Die Chancen für Loic le Meur stehen nicht schlecht.

p.s. Natürlich gibt es zu Seesmic auch das passende Weblog.

Derzeit ist es recht schwer an einen Invite ranzukommen. Wir versuchen ein paar Codes zu besorgen und bieten sie euch dann hier an. Also: Stay Tuned!

Update: Wir haben 100 Einladungen zu vergeben. Wie du eine Einladung bekommen kannst, erfährst du hier.

Schlagwörter: , , , , , , ,
Steffen Büffel

Steffen Büffel

ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists.

More Posts - Website