Screen Radar: Virtual Reality, Spezialeffekte und Hummer

Für die Netzpiloten stellt Arthur Avenue Kino-Neustarts vor und bespricht die wichtigsten Film-Themen. Dieses Mal mit einem Besuch im ersten VR-Kino der Welt, dem späten, aber heiß ersehnten Kinostart von „The Lobster“ und einem Überblick zu den teuersten Kino-Szenen mit Spezialeffekten.

Neu im Kino„The Lobster“
„Ein ganzes halbes Jahr“
Thema der WocheVirtual Reality ist noch lange nicht so weit
Streaming-Perlen„Master of None“ auf Netflix
„Mission: Impossible – Rogue Nation“ auf Amazon Prime
Darauf freuen wir uns„Noma“
RekordverdächtigDie teuersten Spezialeffekte

Neu im Kino

Muss man sehen: Die Zukunft ist da und sie sieht schräg aus! In der irren wie genialen Vision „The Lobster“ vom griechischen Meisterregisseurs Yorgos Lanthimos werden alle Single-Menschen zusammen in ein Hotel gesteckt. Dort haben sie 45 Tage Zeit, um einen Partner für sich zu ergattern. Wer in dieser Zeit nicht sein Glück findet, wird in ein Tier seiner Wahl umgewandelt und muss von nun an im Wald sein Dasein fristen. Wir sind ganz nah bei David (Colin Farrell) mit dabei, als er plötzlich wieder solo ist und das strikte Prozedere mitmachen muss. Die angenehm ungewöhnliche Ausgangssituation freut genauso wie der hochmotivierte Cast. Auch vor der Kamera: Rachel Weisz, Ben Whishaw, John C. Reilly, Léa Seydoux und Olivia Colman.

Kann man sich sparen: „Ein ganzes halbes Jahr“ klingt wie „Ziemlich beste Freunde“, ist aber lange nicht so gut: Die lebensbejahende Lou (Emilia Clarke) fängt an als Pflegerin für den Superreichen William (Sam Claflin) zu arbeiten. Der sitzt seit einem Motorradunfall im Rollstuhl und hat jegliche Freude aus seinem Alltag verbannt. Seine neue Angestellte will nun um jeden Preis wieder ein Lächeln in sein Gesicht zaubern. Die Romanze folgt Schema F. Ohne die Buchvorlage je in den Händen gehalten zu haben, kann man jeden nächsten Schritt der Charaktere vorhersagen. Das ist einfach nur langweilig. Eigentlich schon eine Beleidigung, für wie dumm hier das Publikum verkauft wird.

Thema der Woche

VR-Kino (Image by David StreitArthur Avenue)
VR Kino (Image by Arthur Avenue)

Virtual Reality ist noch lange nicht so weit: Vor wenigen Wochen haben wir euch im Screen Radar die Eröffnung des ersten Virtual-Reality-Kinos der Welt in Berlin angekündigt. Aus Neugier haben wir am vergangenen Wochenende selbst eine Vorstellung gebucht und uns vom Stand der Technik überzeugt. Das halbstündige Spektakel in den Berliner Spreewerkstätten kostete 12,50 Euro pro Person und verursachte leider mehr Kopfschmerzen als Aha-Erlebnisse. Das liegt zum einen daran, dass man es einfach nicht gewohnt ist, so lange eine schwere 360°-Brille im Gesicht zu tragen. Noch viel schlimmer fällt allerdings die Auswahl der Filme ist Gewicht: Das Kino rühmt sich mit einer handverlesenen Auswahl der besten VR-Inhalte – doch zumindest das Paket „Fun“ bot einen unterirdischen Mix aus gähnender Langeweile und keinerlei Mehrwert. In der Regel befindet man sich inmitten einer Szene, die dank „Storytelling“ immer ein Vorne braucht. In einigen Animationswelten rauscht mal etwas an einem vorbei, so dass man sich auch gerne mal im Stuhl mit dreht. Doch oft werden die räumlichen Möglichkeiten überhaupt nicht genutzt, zum Beispiel wenn man minutenlang einer Big-Band zuschauen muss, die viel zu nah an die Kamera herantritt. Gute Ansätze wie eine animierte Kettenreaktion mit großen und kleinen Gegenständen, die rings um einen herum umfallen, sind dagegen bereits nach 20 Sekunden vorbei. Am Ende der Show bleibt der Eindruck, dass noch viele Experimente nötig sind, um das Geschichtenerzählen in der virtuellen Realität zu perfektionieren. Als Grundproblem ist die Fortbewegung innerhalb der Welt zu betrachten, für die es eigentlich eine separate Steuerung und interaktive Charaktere bräuchte. In Sachen Kino bevorzugen wir also fürs Erste noch den zweidimensionalen Raum.

Streaming-Perlen

„Master of None“ auf Netflix: Wie ist das eigentlich, wenn immer nur ein Inder pro Hollywoodfilm gecastet wird? Wie unterschiedlich empfinden Männer und Frauen eine Partynacht in New York City? Und welche Person sollte man am dringensten mit auf ein Konzert von dem heißbegehrten Father John Misty nehmen? Genau solchen Fragen widmet sich die geniale Netflix-Serie „Master of None“. Star der Show ist Aziz Ansari, der ja schon in „Parks and Recreation“ als Tom Haverford positiv auffiel. Es wird sozialkritisch, schwarzhumorig und einfach wahnsinnig gut.

„Mission: Impossible – Rogue Nation“ auf Amazon Prime: Tom Cruise ist ja eigentlich mehr Maschine als Mensch. Und ein Stuntdouble kommt für ihn schon mal gar nicht in die Tüte. Auch im fünften „Mission: Impossible“-Teil hat er alle krassen Action-Sequenzen komplett selbst durchgezogen – was für ein Prachtkerl. Dadurch ist auch „Rogue Nation“ wieder mal eine Besonderheit. Obwohl auch Schwedin Rebecca Ferguson ihren Part dazu beiträgt: als toughe Ilsa Faust macht sie dem Top-Agenten nämlich ganz schon Feuer unter den Hintern.

Darauf freuen wir uns

„Noma“: Essen bedeutet nicht gleich essen – vor allem für Sterne-Koch René Redzepi, dessen Restaurant Noma bereits vier Mal zum besten der Welt gekürt wurde. Die gleichnamige Foodporn-Doku zeigt die Poesie hinter der Zusammenstellung von Zutaten und der Kreation seiner Gerichte. Unter dem Motto „Zeit und Ort“ interpretiert Redzepi aktuell die Jahreszeiten mit Zutaten wie Seeigeln, Moos und fermentierten Stachelbeeren. Klingt eklig, sieht aber verdammt ansprechend aus. Wenn wir das nächste Mal in Kopenhagen sind, müssen wir das Noma unbedingt besuchen!

Rekordverdächtig

Die teuersten Spezialeffekte: Kurz bevor Roland Emmerich in „Independence Day 2: Wiederkehr“ ab 28. Juli wieder die wichtigsten Denkmäler der Erde in Schutt und Asche legt, zählen wir für euch die kostspieligsten Digitalsequenzen aller Zeiten auf. Den Anfang macht „I Am Legend“ mit einer Szene vom Einsturz der Brooklyn Bridge, die stolze 5 Millionen Dollar vom Budget verschlungen hat. Doppelt so teuer und nicht mal im Film verwendet war sogar eine Szene aus „Superman Returns“, welche seine Rückkehr nach Krypton zeigt und eigens ins IMAX-3D-Format konvertiert wurde. Autsch! Visuell wegweisend kam auch die „Matrix“-Trilogie daher, welche mit einer 40 Millionen Dollar teuren Szene (von 150 Millionen US-Dollar des Gesamtbudgets) die absolute Spitze der teuersten Spezialeffekte markiert. Für den insgesamt 17 Minuten andauernden Kampf zwischen Neo und dem vervielfachten Agent Smith wurden 27 Drehtage angesetzt und es musste eigens eine neue Software entwickelt werden, um die Choreografie zusammenzusetzen.


Teaser (adapted) „Watching a blank Screen“ by Kenneth Lu (CC BY 2.0)

Image by Arthur Avenue


Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , ,
Arthur Avenue

Arthur Avenue

ist die Redaktion für die Streaming-Ära. Für Netzpiloten durchforsten wir die deutschen Mediatheken nach den spannendsten Beiträgen zu den Themenfeldern digitale Kultur, Internet, Startups und Medien. In der Film-Kolumne „Screen Radar“ stellen wir Kino-Neustarts vor und besprechen die wichtigsten Film-Themen. Am Mediatheken-Mittwoch gibt es alle Tipps im formschönen Newsletter – hier anmelden

More Posts - Twitter