Screen Radar: Mit Marvel-Einheitsbrei und dem ersten Trailer zu „The Happy Film“

Für die Netzpiloten stellt Arthur Avenue Kino-Neustarts vor und bespricht die wichtigsten Film-Themen. Dieses Mal mit Marvel-Einheitsbrei, Schrottplatz-Romantik und einem ersten Trailer zu Stefan Sagmeisters „The Happy Film“

Neu im KinoDie Komödie „Schrotten!“
„Bad Neighbors 2“
Thema der WocheEin Filmuniversum ohne Platz für Individuen
Streaming-Perlen„Looper“ auf Netflix
„Blue Valentine“ auf Amazon Prime
Neues aus der FilmweltDie Minions kaufen Shrek
Apple mischt sich unter die Serien-Produzenten
Darauf freuen wir unsAnleitung zum Glücklichsein
RekordverdächtigNeue Bestmarke im Dauerglotzen aufgestellt
Wann geht es endlich weiter?24: Live Another Day
Bloodline – Staffel 2
Orange Is The New Black – Staffel 3

 

Neu im Kino

Muss man sehen: Die Talhammers lieben ihren Schrottplatz! Die Komödie „Schrotten!“ erzählt von der unbändigen Leidenschaft für die Metallverwertung und einem riskanten Coup, um den Schrottplatz nach Generationen im Familienbesitz nicht an einen skrupellosen Schrott-Magnaten zu verlieren. Lucas Gregorowicz und Frederick Lau spielen zwei verstrittene Brüder, die sich nach dem Tod ihres Vaters zusammenraufen müssen, um nicht ihre Existenzgrundlage flöten gehen zu lassen. Der erhoffte Ausweg aus der Misere: ein Zug, 40 Tonnen Kupfer und ein Raub, der gut geplant sein will. In den 102-Minuten Spielzeit wachsen einem die liebenswert-verschrobenen Charaktere vom Schrotthof ans Herz und so drückt man bei der fragwürdigen Moral des Filmes gerne mal beide Augen zu.

Kann man sich sparen:„Bad Neighbors 2“ ist die Art Fortsetzung, die wirklich niemand braucht. Doch weil der erste Teil mit Seth Rogen, Rose Byrne und Zac Efron ein Vielfaches seines Budgets eingespielt hat (das Zwölffache, um genau zu sein), war der aufgewärmte Clinch mit einer neuen Studentenverbindung schnell beschlossene Sache. Im zweiten Teil ist es eine frisch gegründete Schwesternschaft, die es den spießigen Nachbarn unmöglich macht ihr Haus zu verkaufen. Diese greifen nun zu allen Mitteln, um die netten Mädels von nebenan wieder aus dem Haus zu ekeln. Dass sich die Erwachsenen bei so viel penetranten Rumgenerve als die eigentlichen Kinder entpuppen, dürfte niemanden schockieren.

Thema der Woche

Ein Filmuniversum ohne Platz für Individuen: Nach dreizehn zusammenhängenden Filmen des überaus erfolgreichen Comic-Riesen Marvel fällt auf, dass die einzelnen Werke immer seltener über eine eigene Handschrift verfügen und immer mehr der Stilistik des Studios entsprechen. Der Zuschauer soll das Gefühl haben, dass er sich überall auskennt – egal ob es gerade um Iron Man, Thor oder Captain America geht.Kreative Differenzen mit Marvel-Chef Kevin Feige führen wie im Falle von Regisseur Edgar Wright, der jahrelang dafür gekämpft hat „Ant-Man“ endlich auf die große Leinwand zu bringen, zum eiskalten Rausschmiss. Dabei hätten wir gerne gesehen, was er mit richtig viel Geld anstellen kann – schon „Shaun of the Dead“ (2004) und „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ (2010) waren deutlich von seinem Gespür für visuellen Humor geprägt. Doch für Freigeister ist bei so großen Produktionen wie von Marvel nun wirklich kein Platz mehr!

Spürbar ist dies vor allem daran, dass kaum ein Regisseur ein zweites Mal auf dem Regiestuhl Platz nehmen mag. Wer es doch tut, wie Anthony und Joe Russo, die freiwillig auf eine eigene Bildsprache verzichten und sich ganz auf die erzählerische Struktur des auf Jahre vordefinierten Filmuniversums einlassen, dem ist eine große Karriere gewiss. Aktuell sind die Russo-Brüder mit „The First Avenger: Civil War“ im Kino zu bestaunen, dem dritten Bombasto-Teil rund um Captain America. Schon in zwei Jahren übernehmen sie den Staffelstab von Joss Whedon beim großen Avengers-Zweiteiler „Infinity War“. Darin müssen es der Hulk, die Guardians of the Galaxy, Black Panther & Co. dann mit einer mega fiesen außerirdischen Gefahr aufnehmen. Danke Marvel, dass wir uns bei so vielen Helden schon bald keine Gedanken mehr um die Köpfe hinter der Kamera machen müssen! #IronieAus

Streaming-Perlen

„Looper“ auf Netflix: Apropos eigene Handschrift: Hinter der ausgefuchsten Zeitreise-Geschichte „Looper“ mit Joseph Gordon-Levitt und Bruce Willis steckt der Filmemacher Rian Johnson. Der dreht aktuell nicht nur „Star Wars: Episode 8“, sondern hat auch schon mit „Brick“ bewiesen, dass er Drehbuchfilme liebt und ihn eine düster-melancholische Machart auszeichnet. Es geht doch!

„Blue Valentine“ auf Amazon Prime: Das Drama startet mit der blumigen Verliebtheit zu Beginn einer Beziehung und begleitet die Protagonisten (Ryan Gosling und Michelle Williams) schließlich bis in die Schattenzeiten ihrer Ehe. „Blue Valentine“ packt den richtigen Soundtrack für eine extrem intime und berührende Filmerfahrung aus – mit Stücken von Grizzly Bear bis hin zu Goslings eigenem Bandprojekt Dead Man’s Bones.

Neues aus der Filmwelt

Die Minions kaufen Shrek: Die Animationsfamilie von NBCUniversal wird größer. Für schlappe 3,33 Milliarden Euro übernimmt man das Filmstudio DreamWorks Anmation, das bekannt ist für einnahmestarke Franchises wie „Shrek“, „Drachenzähmen leicht gemacht“ und „Kung Fu Panda“. Somit bietet sich bald die Möglichkeit von Crossover-Filmen zwischen Minions und Ogern, ebenso wird dringend benötigter neuer Input für die Universal-Themenparks geliefert. Letztere feiern schließlich immer noch „Der weiße Hai“ aus dem Jahr 1975, als sei er erst gestern ins Kino gekommen. Apple mischt sich unter die Serien-Produzenten: Mit Apple TV und iTunes hat Apple bereits die Infrastruktur – es fehlen nun lediglich noch die eigenen Inhalte. Doch das soll sich schon bald ändern! Auf dem Sundance Film-Festival ist man auf Darsteller zugegangen, um gleich mehrere Serienideen zu besprechen. Eine davon kreist sich, wie sollte es auch anders sein, um die vielen Höhen und wenigen Tiefen von App-Developern.

Darauf freuen wir uns

Anleitung zum Glücklichsein: Seit Jahren macht der österreichische Grafiker und Agenturchef Stefan Sagmeister mit seinen Kreativauszeiten Schlagzeilen. In diesen sogenannten Sabbaticals widmet er sich wechselnden Themen, die keinen Kundenbezug haben. Eines dieser Projekte ist mit „The Happy Film“ zu einer eigenen Dokumentation darüber erwachsen, wie man ein besserer und fröhlicherer Mensch wird. Dass dabei natürlich nicht immer alles glatt läuft, ist äußerst amüsant anzuschauen. Wir können es kaum erwarten seinem Pfad zu folgen.

Rekordverdächtig

Neue Bestmarke im Dauerglotzen aufgestellt: Die Rekorde im Hochleistungs-Bingewatching purzeln gerade am laufenden Band. Neuester World-Champion ist der New Yorker Programmierer Alejandro Fragoso. Seine Zeit liegt bei drei Tagen und 22 Stunden (macht insgesamt stolze 94 Stunden), in denen er die Augen einfach nicht vom Fernseher seines Vertrauens abwenden konnte. Fragt sich nur: Welche Serie war so gut, dass er sooo lange dran geblieben ist? Und wer wird als erster Mensch die magischen vier Tage knacken?

Wann geht es endlich weiter?

24: Live Another Day | 17.05.2016 (Amazon Prime) Bloodline – Staffel 2 | 28.05.2016 (Netflix) Orange Is The New Black – Staffel 3 | 17.06.2016 (Netflix)


Image (adapted) „Watching a blank Screen“ by Kenneth Lu (CC BY 2.0)


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Arthur Avenue

Arthur Avenue

ist die Redaktion für die Streaming-Ära. Für Netzpiloten durchforsten wir die deutschen Mediatheken nach den spannendsten Beiträgen zu den Themenfeldern digitale Kultur, Internet, Startups und Medien. In der Film-Kolumne „Screen Radar“ stellen wir Kino-Neustarts vor und besprechen die wichtigsten Film-Themen. Am Mediatheken-Mittwoch gibt es alle Tipps im formschönen Newsletter – hier anmelden

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