Screen Radar: Wie sich YouTube gegen Netflix & Co. behaupten will

Für die Netzpiloten stellt Arthur Avenue Kino-Neustarts vor und bespricht die wichtigsten Film-Themen. Dieses Mal mit ersten Infos zu YouTube „Unplugged“-Service, Sarah Kuttners Romanadaption „Mängelexemplar“ und dem Trailer zu Neuseelands erfolgreichstem Kinofilm „Hunt For The Wilderpeople“.

Neu im Kino„Mängelexemplar“
„Angry Birds“
Thema der WocheThe Age of Cord-Cutting
Streaming-Perlen„Edge Of Tomorrow“ auf Netflix
„Zeit der Kannibalen“ auf Amazon Prime
Neues aus der FilmweltARD und ZDF machen in YouTube
Darauf freuen wir uns„Hunt For The Wilderpeople“
App-RadarThe Rock Clock
Wann geht es endlich weiter?„Marvel’s Agents of Shield“ – Staffel 2
„Marco Polo“ – Staffel 2
„New Girl“ – Staffel 5

 

Neu im Kino

Muss man sehen: „Mängelexemplar“ basiert auf Sarah Kuttners Erstlingsroman. Darin verliert Karo (großartig: Claudia Eisinger) erst ihren Job, dann ihren Freund und schließlich die Fassung. Diagnose: Depression. Jetzt hilft nur noch runterfahren auf Null, ein bisschen Hotel Mama genießen und dann mal gucken, was wirklich wichtig ist. Das Tolle: Bei all den Hochs und Tiefs verliert die 27-jährige Protagonistin nie ihren Sinn für Humor. Der darf auch gerne mal so richtig schön unter die Gürtellinie gehen (Stichwort: Kinder im Baumarkt anpöbeln). Das zotige Berlin-Hipster-Portrait wurde von Laura Lackmann gedreht, die nach diesem Regie-Debüt im Sommer sogar noch mit einem Buch-Debüt herausrücken wird. Finden wir super!

Kann man sich sparen: Jetzt könnte man sagen: Endlich haben die knallbunten Vögel aus „Angry Birds“ ihren eigenen Film bekommen. Klingt ja auch erstmal ganz gut. Im Film sehen wir nun nicht nur in Looney-Tunes-artigen Sketchen, wie sie verdammt schnell aus der Haut fahren, sondern auch wie eine Wut-Therapie bei der endgültigen Besänftigung helfen soll. Nur kommen dann die Schweine auf Bird Island und wollen aus den Vogel-Eiern leckere Omeletts machen. Das alles hat am Ende so gar keine Tiefe und so gar keinen Sinn. Denn alles dient – oh Wunder – letztlich nur dazu, die Merchandise-Verkäufe noch einmal so richtig anzuheizen. Lahm!

Thema der Woche

The Age of Cord-Cutting: Wie Sebastian Haselbeck erst kürzlich für Netzpiloten zusammengefasst hat, befindet sich die Unterhaltungsbranche in einem großen Umbruch. Player wie Netflix und Amazon sind gerade mal ein paar Jahre dabei und bestimmen schon die Spielregeln des Bewegtbild-Markts. Gefühlt nimmt niemand mehr Geld in die Hand, um so viele Qualitätsinhalte für so viele Geschmäcker zu produzieren. Als Nutzer sind wir dieser Dynamik längst verfallen. Wir wollen keinen Tag länger als nötig auf die nächste Folge unserer Lieblingsserie warten und haben uns längst daran gewöhnt, ganze Staffeln am Stück zu bingen. Jetzt ist durchgesickert, dass auch YouTube im nächsten Jahr mit einem neuen Angebot namens „Unplugged“ vorpreschen will. Dieses umfasst einen Streaming-Service, der erstmals hochwertige PayTV-Sender wie Fox oder CBS gegen Gebühr auf der Video-Plattform verfügbar machen soll. Ein kühner Plan? In jedem Fall, denn solch ein Paket konnte noch niemand vorher schnüren. Zum Start der neuen AppleTV-Plattform ist beispielsweise erst Apple daran gescheitert, ein ähnliches Angebot anzubieten. Dennoch stehen die Zeichen voll auf Fortschritt bei den Inhalte-Produzenten. Schließlich umfasst die Primetime-Reichweite von YouTube schon heute so viele werberelevante Amerikaner (18-49), wie die zehn meistgesehenen Programme im linearen Fernsehen zusammen.

Streaming-Perlen

„Edge of Tomorrow“ auf Netflix: Ein düsteres Action-Spektakel: Für Major Bill Cage (Tom Cruise) beginnt der schlimmste Tag seines Lebens, als er ohne Anleitung in ein Exo-Skelett gesteckt und in den Krieg gegen fiese Aliens geschickt wird. Sein Tod ist aufgrund seiner Planlosigkeit vorprogrammiert. Aber überraschenderweise ist dieser nicht sein Ende – denn er wacht nach dem tödlichen Scheitern wieder und wieder auf dem selben Stützpunkt zur selben Zeit, kurz vor der Attacke, auf. Weil er den Horror-Tag auf Repeat erlebt, bleibt ihm letztlich viel Zeit, den Feind zu studieren und nach einem Ausweg für sich und die Menschheit zu suchen.

„Zeit der Kannibalen“ auf Amazon Prime: Das Kammerspiel begleitet drei deutsche Business-Consultants, die für ihre Karriere ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen gehen. Seit Jahren touren sie durch die Welt, um den Profithunger ihrer Kunden zu stillen. Ihr selbsterklärtes Ziel: Endlich aufsteigen und Partner werden! Doch der Konkurrenzkampf um den begehrten Posten fordert alles von ihnen ab und bringt neben der einen oder anderen Neurose auch allerhand Sarkasmus zum Vorschein. Die bitterböse Kapitalismus-Kritik mit Devid Striesow, Sebastian Blomberg und Katharina Schüttler gewann zurecht den Deutschen Filmpreis für das beste Drehbuch.

Neues aus der Filmwelt

ARD und ZDF machen in YouTube: Auf der re:publica in Berlin wurde erstmals Einblick in die Planungen zum neuen „Jungen Angebot“ der öffentlich-rechtlichen Sender gewährt, für das sogar alle 16 Landesparlamente den Rundfunkstaatsvertrag ändern mussten. Der Grund: Das neue Programm für die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen soll ausschließlich online und nicht linear senden. Das Angebot wartet mit zahlreichen YouTubern auf (darunter Florian Mundt alias LeFloid und Rayk Anders mit seinem Kanal „Armes Deutschland“) und wird unter anderem von den Gaming- und Dauerquassel-Experten von RocketBeans TV produziert.

Darauf freuen wir uns

„Hunt For The Wilderpeople“: Jeder kennt die Trash-TV-Sendungen, in denen gewaltbereite und ungezogene Kinder in ein Flugzeug gesetzt werden, um auf einer Farm irgendwo im Nirgendwo ganz ohne Elektrizität zu lernen, wie man sich richtig zu verhalten hat. „Hunt For The Wilderpeople“ ist so eine Geschichte, nur dass sie auf einem berühmten Jugendroman basiert. Regisseur Taika Waititi („5 Zimmer, Küche, Sarg“) erzählt die Story eines Jungen, der erst nirgends richtig reinpasst und dann mitten in der Natur zu sich findet. Hoffentlich kommt die neuseeländische Erfolgsproduktion bald zu uns ins Kino!

App-Radar

The Rock Clock: Muskelprotz Dwayne „The Rock“ Johnson hat sich in Hollywood als besttrainierte Grinsebacke einen Namen gemacht. Jetzt ist er auch unter die App-Entwickler gegangen und hat seine eigene Wecker- und Motivations-App vorgestellt. Die hält nicht nur von ihm eingesungene Wachwerd-Melodien bereit, sondern zeigt auch an, wann er selbst aufsteht. Aktuell ist Johnsons „Rock Time“ auf 4:15h eingestellt – na dann.

Wann geht es endlich weiter?

Marvel’s Agents of Shield – Staffel 2 | Ab 10.05.2016 auf RTL II Marco Polo – Staffel 2 | Ab 01.07.2016 auf Netflix New Girl | Ab Herbst 2016 auf Sixx


Image (adapted) „Watching a blank Screen“ by Kenneth Lu (CC BY 2.0)


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Arthur Avenue

Arthur Avenue

ist die Redaktion für die Streaming-Ära. Für Netzpiloten durchforsten wir die deutschen Mediatheken nach den spannendsten Beiträgen zu den Themenfeldern digitale Kultur, Internet, Startups und Medien. In der Film-Kolumne „Screen Radar“ stellen wir Kino-Neustarts vor und besprechen die wichtigsten Film-Themen. Am Mediatheken-Mittwoch gibt es alle Tipps im formschönen Newsletter – hier anmelden

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