Rücken-Fitnesstracker: 8sense sorgt für bessere Haltung

Mit dem Wearable 8sense möchten die Gründer Ralf Seeland und Christoph Tischner die Rücken-Gesundheit in den Fokus stellen. Immer mehr Arbeitnehmer sitzen den ganzen Tag an ihrem Schreibtisch. Häufig wird nicht auf die richtige Haltung geachtet, was Rückenschmerzen zur Volkskrankheit Nummer 1 macht. Rund 20 Millionen Deutsche besuchen den Arzt jährlich. Das kleine Gadget 8Sense soll nach seiner Kickstarter-Finanzierung Fehler korrigieren und dazu motivieren, auf das Rückgrat Wert zu legen.

Sitzen wird gesünder

Wer kennt es nicht: Der Rücken schmerzt, weil der Bürostuhl nicht der bequemste ist und man selbst nicht darauf achtet, die Wirbelsäule gerade zu halten? Dieses Problem möchte 8sense lösen. Vibrationshinweise erinnern den Träger daran, dass der Rücken neu ausgerichtet werden möchte. Der kleine Plastik-Chip ist seit etwas mehr als einem Jahr in Entwicklung und wurde von den zwei Gründern wegen unterschiedlichen Rückenproblemen ins Leben gerufen: Ralf Seeland hatte aufgrund seiner Bürotätigkeit Schmerzen, Christoph Tischner fielen beim Sport Bewegungsdefizite auf. Eine Lösung für eine gesündere Rückenhaltung musste her. Sie entwickelten gemeinsam 8sense.

Das Produkt soll eine Art Fitnesstracker sein – aber nicht auf Basis von gelaufenen Schritten, Etagen oder anderen Kennzahlen, was normale Tracker festhalten. Vielmehr stellt 8sense quantitative Bewegungen, Inaktivitätszeiten und Haltung der Rückenmuskeln dar. Per App lassen sich die Daten auswerten, durch kleine Tutorials sollen die Träger ihre Wirbelsäule besser verstehen und sich im Laufe der Zeit verbessern.

8sense wird nicht als Armband genutzt, sondern in den Kragen deines Hemdes oder T-Shirts geklemmt. Das erfordert ein wenig Übung, da du nicht genau siehst, was du überhaupt tust. Später dauert die Befestigung nur wenige Sekunden. Laut den Entwicklern sei 8sense so unauffällig, dass der Prototyp schon mal aus Versehen mit nach Hause genommen wurde: Dem Träger war einfach nicht bewusst, dass der Tracker noch an der Kleidung angebracht sei.

„Die alte Rückenschule ist nicht mehr aktuell“

Das Ziel von 8sense ist nicht, den Tragenden darauf hinzweisen, dass der Rücken krumm ist und die Haltung auf eine komplett gerade Wirbelsäule korrigiert werden müsse. Das war zwar lange Zeit die Meinung der Schulmedizin. Inzwischen wenden sich viele Orthopäden von diesem Modell ab, so 8sense: Sinnvoller sei es, einfach eine neue Position einzunehmen. „Die nächste Position ist die Beste“, sagt Maximilian Ziegler, der für das Marketing des Startups zuständig ist. Eine dauerhafte Bewegung sei sinnvoller als eine komplett gerade Rückenhaltung. Ein guter Bürostuhl ist trotzdem nicht unabdingbar, um passende Grundvoraussetzungen zu haben.

Solltest du zu lange inaktiv sein, gibt es ausgehend vom 8sense-Clip eine kurze Vibration, die dich an eine Neuausrichtung des Rückens erinnert. Dabei ist es dir selbst überlassen, ob du dich nach vorne beugst, die Rückenlehne nutzt oder dich ganz gerade hinsetzt.

Es bleibt aber nicht bei den einfachen Vibrationshinweisen: In der App, die für iOS und Android verfügbar sein wird, sind Minispiele eingebaut. Gamification hilft vielerorts und steigert die Bereitschaft, wirklich etwas an seinen Gewohnheiten zu ändern – das zeigen Studien: Nicht nur entsteht ein Wettkampf, in dem man wahlweise sich selbst oder seine Freunde schlägt. Gleichzeitig entwickelt sich ein Normalitätsgefühl. Dazu lockt noch der Spielspaß.

In der App selbst sind zum Launch mindestens zwei Spiele zu finden: Eine Art Pong und BreakOut. Bei beiden kannst du per Rückenbewegung den waagerechten Schläger nach rechts und links bewegen. Das funktioniert per Bluetooth-Verbindung mit dem Smartphone nahezu in Echtzeit und macht bei einem ersten Test schon Spaß. Der sogenannte „Daily Coach“ soll vor allem kurzfristig bei Rückenproblemen und der Findung neuer Sitzpositionen helfen.

Mehr als nur Kontrolle

Auch richtige Fitness-Übungen sollen in die App implementiert werden: So sollen etwa Übungen, die aus dem Yoga-Umfeld bekannt sind, auswertbar werden. Der Prototyp der Anwendung unterstützt 80 verschiedene Übungen, die quantitativ und qualitativ analysiert werden. Es soll auch möglich sein, dass der Physiotherapeut per „Expertenschnittstelle“ ein optimales Trainingsprogramm für dich erstellt.

Durch diese vielen Funktionen qualifiziert sich 8sense auch als Gadget, welches man längerfristiger tragen kann: Die ständige Kontrolle der Rückenhaltung geschieht irgendwann im Unterbewusstsein. Richtige Sportübungen mit Support des Clips, der als Trainer und Kontrolleur fungiert, sind aber sinnig.

Kickstarter-Finanzierung ab dem 24. Oktober

Von der Nutzung des Trackers profitierst letzten Endes nicht nur du, auch die Gesellschaft hat Vorteile: Insgesamt gibt es einen wirtschaftlichen Schaden von fast 50 Milliarden Euro pro Jahr. Weniger Individuen, die über Rückenschmerzen klagen, würden Krankenkassen entlasten und krankheitsbedingte Ausfälle verringern.

Noch ist 8sense nur ein interner Prototyp, der von den Entwicklern bereits aktiv genutzt wird. Wirklich erhältlich ist das Produkt erst ab der ersten Hälfte des nächsten Jahres: Die Kickstarter-Kampagne des 8sense startet am 24. Oktober. Das Team rund um das Gadget will mindestens 40.000 Euro einsammeln, um den Rücken-Tracker zu finanzieren. Im Verkauf soll der Tracker im Nachhinein 119 Euro kosten, für die ersten Unterstützer ist das Produkt für 79 Euro erhältlich.


Image (adapted) „Rücken“ by whitesession [CC0 Public Domain]


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Mika Baumeister

Mika Baumeister

studiert Technikjournalismus in Bonn und schreibt schon seit einiger Zeit über allerlei technischen Krimskrams: Seien es nun Smartphones, Gadgets, Drohnen, VR-Brillen oder Anwendungen aller Art. Prinzipiell macht er mit jedem Artikel sein Hobby einen Tacken mehr zum Beruf.

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