Martha Chumo (Bild: Christina zur Nedden-Netzpiloten, CC BY 4.0)

#rp14: Teenager gründet Programmierschule in Nairobi

Als der damals 19-jährigen Martha Chumo die Einreise in die USA für die Teilnahme an der New York Hacker School verweigert wurde, gründete sie stattdessen Nairobi Dev School in ihrer Heimat. // von Christina zur Nedden

Martha Chumo (Bild: Christina zur Nedden-Netzpiloten, CC BY 4.0)

Martha Chumo hat sich selbst das Programmieren beigebracht und hatte ein Stipendium für die New York Hacker School in der Tasche. Als sie nicht in die USA einreisen durfte, beschloss sie die Hacker Schule nach Kenia zu bringen und gründete Nairobi Dev School. Auf der re:publica 2014 sprach sie mit uns über die Umstände, die sie dazu brachten die Schule zu gründen, die bisherigen Herausforderungen, Co-Working Spaces und Startups in Afrika und wie man die hohe Arbeitslosigkeit in Kenia durch Technologie verringern kann.


Warum ist das wichtig? Technologie und Digitalisierung sind Wachstumsmotoren für Afrika. Es ist gut zu wissen, dass das Internet in manchen Ländern noch nicht kaputt ist.

  • Es gibt in Kenia einige ICT- und Informatikschulen. Das Format der Nairobi Dev School – ein dreimonatiger Programmierkurs – ist neu.
  • Technologie trägt einen beachtlichen Teil zu Kenias Bruttoinlandsprodukt bei, schafft neue Arbeit und wird immer mehr von der Regierung und Bevölkerung akzeptiert.
  • Apps und Technologieprodukte werden für soziale und lokale Anliegen wie der Optimierung von Landwirtschaft entwickelt.

Christian zur Nedden: Wieso hast Du Nairobi Dev School gegründet?

Martha Chumo:Letztes Jahr wurde ich an der Hacker School in New York angenommen, durfte jedoch nicht einreisen. Um ein Touristenvisa für die USA zu erhalten , muss man soziale Beziehungen im Heimatland (Kenia in meinem Fall) nachweisen. Damit sichern sich die USA ab, dass man nach Ablauf des Visas in sein Heimatland zurückkehrt. Ich war weder verheiratet, noch hatte ich Kinder. Als mir klar wurde, dass ich die Hacker School nicht besuchen konnte, beschloss ich sie stattdessen nach Kenia zu bringen. Es war eine sehr emotionale Entscheidung, die ich in dem Moment als ich die amerikanische Botschaft verliess trief.

Ist es die erste Programmierschule in Nairobi und was kann man bei euch lernen?

Es gibt in Kenia einige ICT- und Informatikschulen. Das Format der Hacker School – ein dreimonatiger Programmierkurs – gab es noch nicht und meine Schule ist somit die erste in diesem Bereich. Seit vergangenem Juli lehren wir in Studentengruppen im Alter von 15-28 Jahren Web und Mobile Development, aber auch Entrepreneurship um Teilnehmern die Möglichkeit zu geben durch Technologie Know-how Arbeit für sich selbst zu schaffen, wenn sie keinen Job finden. Zusätzlich kann man Kurse in Kreativem Schreiben belegen. Das gehört zwar nicht auf den erste Blick zusammen, aber ist sehr beliebt bei den Teilnehmern und ich bin der Meinung das Kommunikation und Technologie zusammengehören.

Wurdest Du in deiner Idee unterstützt? Wie schwer oder einfach war es Finanzierung zu erhalten?

Ich habe auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo eine Kampagne für meine Idee gestartet und über 200 Leute haben mich unterstützt. Auch die kenianische Regierung ist generell positiv gegenüber der wachsenden Tech-Szene eingestellt. Es kam genug Geld zusammen um die Schule zu gründen und die ersten Schüler mit Stipendien zu unterstützen, jetzt musste ich Kursgebühren einführen und suche einen Partner um die Schule weiterzuführen. Natürlich gab es auch kritische Stimmen. Manche Leute haben nicht daran geglaubt, dass es möglich ist die Schule zu gründen und dass ich mich mit dem Geld dass ich erhalte eher um soziale Probleme wie Hunger kümmern solle. Diese Menschen haben einen falschen Eindruck von Afrika und verstehen nicht, dass Technologie ebenfalls Probleme lösen kann.

Wie sieht ein afrikanischer Co-Working Space aus und wo sind die meisten Startups in Afrika angesiedelt?

Co-Working Spaces und Tech Hubs gibt es auf dem ganzen Kontinent – Ost-, West- und Südafrika und natürlich in Ägypten und den angrenzen Ländern. Der Aufbau unterscheidet sich nicht stark von europäischen Einrichtungen: es gibt Computer, ein Café und eine gute Internetverbindung. Die Idee dahinter ist immer, die Menschen miteinander in Verbindung zu bringen und ihnen einen Ort für die Entwicklung von gemeinsamen Projekten zu geben.

Ich persönlich habe Programmieren im iHub in Nairobi gelernt. Viele Schüler der Hacker School arbeiten im Anschluss im iHub weiter um Teil der Tech Community zu bleiben und ihre Projekte fortzuführen. Die größte Startup Szene befindet sich meiner Meinung nach in Nairobi. Dabei handelt es sich um einen Mix aus lokalen, nationalen und internationalen Investoren. Es gibt mittlerweile auch viel Entwicklungshilfe, die auf ICT spezialisiert ist.

Mehr als 40 Prozent der kenianischen Bevölkerung ist unter 15 Jahre alt und die Arbeitslosigkeit liegt bei 40 Prozent. Schaffen Technologie und Programmieren neue Jobs?

Ja, ich denke schon. 2007 wurde in Kenia ein System namens M-Pesa für bargeldlose Zahlung über Mobiltelefone ohne die Notwendigkeit eines regulären Bankkontos entwickelt. Durch dieses und andere Systeme erleben wir gerade eine Art technologische Revolution in unserem Land. Technologie trägt einen beachtlichen Teil zu Kenias Bruttoinlandsprodukt bei und wird immer mehr von der Bevölkerung akzeptiert und angenommen. In Nairobi gibt es viele kleine Startups, die alle nach Programmierern suchen. Diese Skills sind also sehr zukunftsträchtig.

Können technologische Innovationen und Apps soziale Probleme wie Zugang zu Krankenversorgung oder Korruption lösen?

Die meisten Apps und Technologieprodukte in Kenia werden für kleine Unternehmen entwickelt und haben das Ziel lokale Angelegenheiten anzugehen. Zum Beispiel gibt es viele Apps im Bereich der Landwirtschaft und wie man sie automatisieren kann aber auch Gaming oder eine App, die Einschätzungen zu der Höhe des zu zahlenden Schmiergelds für verschiedene Leistungen in Kenia durch Crowdsourcing zusammenstellt. Diese letzte App wurde im Founderbus Africa, einem jährlich stattfindenden Hackathon Roadtrip durch mehrere Länder, entwickelt.

Du engagierst dich dafür mehr Frauen in Tech-Berufe zu bringen. Wie machst du das?

Ich unterstütze und arbeite für eine globale Initiative namens Rails Girls. In Workshops auf der ganzen Welt wird Frauen das Programmieren mit Ruby beigebracht und Barrieren für den Einstieg in Programmierberufe abgebaut. Außerdem ermutige ich Frauen dazu, sich an meiner Schule zu bewerben und versuche Unternehmen ausfindig zu machen, die Stipendien für weibliche Studenten stiften.

Hast du ein afrikanisches Lieblingsstartup?

Ein Startup was ich toll finde, ist Kili – ein Service für Cloud Infrastruktur zu verschiedenen Preisen in Afrika. Das gab es bis heute noch nicht.

Was planst du für die Zukunft?

Ich möchte die Hacker Schule etablieren und ein Team zusammenstellen, dass langfristig für die Schule arbeitet. Dafür suche ich noch Partner, die meine Idee unterstützen. Außerdem würde ich gerne das Konzept der Schule in andere afrikanische Länder exportieren. Meine persönlicher Zukunftsplan ist es Philosophie zu studieren. Ich sehe Technologie als ein mächtiges Tool, das jeder erlernen kann. Wir können aber nur die komplette Wirkung dieses Tools verstehen, indem wir es in Zusammenhang mit allem Anderen sehen. Technologie ist eng mit Politik, Wirtschaft und unserer Geschichte verknüpft und ich wünsche mir, dass sie nicht separat in einer Blase existiert, sondern in unser gesamtes Denken und Handeln mit eingebunden wird.


Teaser & Image by Christina zur Nedden/Netzpiloten (CC BY 4.0)


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Christina zur Nedden

ist freie Journalistin und Volontärin an der Evangelischen Journalistenschule in Berlin. Ihre veröffentlichten Texte gibt es auf ihrer Website christinazurnedden.com. Auf Twitter ist sie unter @czurnedden zu finden.

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