rp09: Shift Happens für… Timo Heuer

120x44_wIm Vorfeld der re:publica 2009 haben die Blogpiloten 5 Fragen an deutsche Webworkerinnen und Webworker geschickt und gefragt, was sie mit dem Motto der diesjährigen re:publica „Shift Happens“ verbinden. Außerdem fragten wir die Experten wie sie die Gegenwart und Zukunft der Digitalkultur einschätzen. Oliver Gassner, Vivian Pein, Dr. Jan Schmidt, Tina „Picki“ Pickhardt, Martin Koser, Andreas Auwärter, Djure Meinen, Jan Tißler und Dr. Christoph Bieber. Heute beantwortet Timo Heuer (www.timoheuer.com) unsere Fragen.

Timo beschreibt sich selbst n der 3. Person wie folgt::

Timo Heuer arbeitet als Journalist für das Printmagazin T3N in Hannover. Seit 2002 ist er im Internet unterwegs. Er ist Mitglied des Think Tank 30, dem jungen Think Tank des Club of Rome. Darüber hinaus ist er Mitbegründer der Initiative DNAdigital, die sich zum Ziel gesetzt hat, einen Dialog auf Augenhöhe zwischen hochkarätigen CEOs und den sogenannten Digital Natives zu ermöglichen. Er ist Co-Autor des Buches „DNAdigital – Wenn Anzugträger auf Kapuzenpullis treffen“.

timoheuer„Shift happens“ – „Veränderung passiert“. So das Motto der re:publica in diesem Jahr. Was verbindest Du ganz persönlich in Deinem (digitalen) Leben und Arbeiten mit diesem Motto?

Ein klasse Motto, wenn auch zeitlos. Veränderungen passieren ständig, sind sie auch noch so klein. Persönlich finde ich die momentane Veränderung hin zu einem Echtzeit-Web interessant, wenn auch kritisch (etwa im Journalismus bezüglich der ungeprüften Übernahme von Informationen aufgrund des Schnelligkeitskampfes der Medien). Auch spannend ist die Entwicklung hin zu einer Informationsgesellschaft, in der wir andere Werte und Informationsbeschaffungmechanismen an den Schulen lehren müssen, in der wir uns einer Flut an verfügbaren Informationen gegenüber sehen und diese Filtern müssen und in der wir erst am Anfang stehen. Die zunehmende Verbreitung von Handys mit eingebauter Kamera und die sinkenden Preise in dem Bereich fördern zugleich eine Speicherungsgesellschaft (über den Begriff kann man sich streiten), in der jedes Ereignis von unzähligen Menschen live gestreamt, sofort getwittert oder in sonstiger Weise für die Nachwelt festgehalten wird.

„Die Zukunft ist schon da, sie ist nur noch nicht gleichmäßig verteilt“ (Williams Gibson). Welcher Teil der (digitalen) Zukunft ist für Dich schon längst Gegenwart?

Für meine Eltern oder sogar noch stärker für meine Großeltern bedeutet die Zukunft etwas Anderes als für mich. Für mich ist es normal, mit dem Laptop in ein Café zu gehen (das ich natürlich vorher über Qype gefunden habe) und von dort aus zu arbeiten. Für mich ist es normal, Medien fast ausschließlich online zu konsumieren. Das können meine Eltern und Großeltern wiederum nicht verstehen. Für sie gehört zu einem normalen Frühstück die Tageszeitung.

„Zurück in die Zukunft!“ – Was sind nach Deiner Erfahrung im privaten wie im Beruf die größten Barrieren, wenn Du anderen versuchst zu erklären, wie die digitale Kultur „funktioniert?“

Ich stoße meist an meine Grenzen bei der Frage „Was ist Twitter?“. Ich benutze es tagtäglich, doch anderen Twitter zu erklären, ist eine langwierige und schwierige Aufgabe. Ohne es selbst ausprobiert zu haben, werden die meisten Menschen keinen Nutzen darin sehen. Mittlerweile sind meine Eltern aber auf einem guten Weg: Meine Mutter hört Musik über YouTube und verfolgt meinen Twitter-Stream und mein Vater kann den Begriff „Blogs“ seinen Arbeitskollegen erklären.

Als digitale Webworker gestalten wir die Zukunft auch selbst mit. Welchen Themen liegen Dir am Herzen und warum?

Themen der Zukunft, die mir am Herzen liegen: Global Brain, Education 2.0, der Einfluss des iPhones auf die Zukunft der Musik und Kunst, Journalismus in der Zukunft, Transhumanismus, technologische Singularität, Vergütungsmodelle für frei verfügbare Güter

Was kommt nach Blogs, Social Networks und – unser aller Lieblingshypethema – Twitter? Wie sieht der nächste „Shift“ aus?

Da gibt es einige Bereiche die spannend sind: Etwa unsere Interaktion mit der Umwelt durch einen technologischen sechsten Sinn zu erweitern, der uns bei Entscheidungsfindungen hilft, in dem das Gerät Produktbesprechungen über einen Projektor direkt auf unsere Handfläche projiziert. Pattie Maes hat dazu auf der TED Conference eine Möglichkeit vorgestellt, einen solchen sechsten Sinn zu realisieren. Ob das der nächste Shift ist, weiß ich nicht, ich gehe aber nicht davon aus. Jedenfalls wird es Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis eine solche Technologie massentauglich ist. Wenn ich mich jedoch festlegen müsste, würde ich sagen, das Ankommen von Social Networks im Mainstream wäre der nächste „Shift“. Bisher sind sie ja auf einem guten Weg: Facebook meldete gestern erst über 200 Millionen Nutzer und auch Twitter bewegt sich mit einem Wachstum von fast 1000 Prozent auf die Masse zu.

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Steffen Büffel

Steffen Büffel

ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists.

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