rp09: Shift Happens für… Jan Tißler

120x44_wIm Vorfeld der re:publica 2009 haben die Blogpiloten 5 Fragen an deutsche Webworkerinnen und Webworker geschickt und gefragt, was sie mit dem Motto der diesjährigen re:publica „Shift Happens“ verbinden. Außerdem fragten wir die Experten wie sie die Gegenwart und Zukunft der Digitalkultur einschätzen. Oliver Gassner, Vivian Pein, Dr. Jan Schmidt, Tina „Picki“ Pickhardt, Martin Koser, Andreas Auwärter und Djure Meinen. Weiter geht es in der Reihe mit Jan Tißler (UPLOAD-Magazin)

Jan beschreibt sich selbst wie folgt:

Ich bin Redakteur beim t3n Magazin, unverbesserlicher Internetfan und manchen vielleicht auch über upload-magazin.de bekannt.

Und hier Jans Antworten auf unsere Fragen:

tissler

„Shift happens“ – „Veränderung passiert“. So das Motto der re:publica in diesem Jahr. Was verbindest Du ganz persönlich in Deinem (digitalen) Leben und Arbeiten mit diesem Motto?

Veränderung ist für mich immer die Chance, etwas Neues auszuprobieren. Ein konkretes Beispiel ist das Internet und speziell das WWW. Ich bin sehr dankbar dafür, dass es das gibt und dass es meinen Beruf als Journalist gerade komplett über den Haufen wirft. Es eröffnet vielen Menschen neue Möglichkeiten und schafft neue Wege, auf denen sich Informationen und Meinungen verbreiten können. Das ist einfach klasse.

„Die Zukunft ist schon da, sie ist nur noch nicht gleichmäßig verteilt“ (Williams Gibson). Welcher Teil der (digitalen) Zukunft ist für Dich schon längst Gegenwart?

Das allgegenwärtige Internet. Ich denke, dass es in einigen Jahren vielen Menschen gar nicht mehr bewusst sein wird, dass sie gerade „online“ sind. Der Begriff an sich wird immer mehr verschwinden. Vor zehn Jahren war es noch eine bewusste Handlung, ins Internet zu gehen. Heute sorgen Flatrates bei vielen Menschen zu Hause bereits dafür, dass ihr PC praktisch immer online ist. Das wird mit anderen Geräten und vor allem auch unterwegs immer mehr der Fall sein.

Wenn ich heute in eine Region komme, wo ich keinen Internetzugang habe, ist das für mich Wildnis, Outback, Prärie. Das wird in Zukunft noch sehr viel mehr Menschen so gehen.

„Zurück in die Zukunft!“ – Was sind nach Deiner Erfahrung im Privaten wie im Beruf die größten Barrieren, wenn Du anderen versuchst zu erklären, wie die digitale Kultur „funktioniert?“

Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich selbst so genau weiß, wie die digitale Kultur funktioniert… Richtig schwer wird es jedenfalls immer dann, wenn die Menschen keine eigenen Erfahrungen damit haben und ihr Wissen über das Internet schlimmstenfalls aus Fernsehen oder Zeitungen haben. Oft begegnet mir die Meinung, man würde online alles von sich preisgeben und sei vollkommen gläsern. Dabei habe ich das wie im sonstigen Leben selbst im Griff – mit ähnlichen Einschränkungen. Die Möglichkeiten, die sich aus der Digitalisierung der Gesellschaft ergeben, werden dagegen sehr viel seltener gesehen.

Als digitale Webworker gestalten wir die Zukunft auch selbst mit. Welchen Themen liegen Dir am Herzen und warum?

Im Moment liegt mir vor allem die Freiheit des Netzes am Herzen. Sie wird von vielen, sehr mächtigen Gruppierungen bedroht. Das passiert aktuell mit einer Vehemenz, die mir schon unheimlich ist. Ich versuche verstärkt, mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln darüber aufzuklären.

Ein anderes Thema, das mich laufend beschäftigt: Wie man die neuen Chancen nutzt, die sich durch das Internet ergeben. Wie kann man das Netz einsetzen, um seine Meinung, sein Wissen oder auch seine Werke zu verbreiten? Das finde ich sehr spannend. Menschen, die früher kein Gehör gefunden haben, erreichen nun direkt ihre Leser, Hörer oder Zuschauer. Zu Themen, über die man ohne Netz nur wenig bis gar nichts erfahren hat, gibt es aktuelle, tiefgehende und fachliche Informationen. Kurzum: Niemand ist mehr auf das Wohwollen irgendeines „Torwächters“ angewiesen. Die Mauern sind eingerissen, jeder kann sich frei bewegen.

Was kommt nach Blogs, Social Networks und – unser aller Lieblingshypethema – Twitter? Wie sieht der nächste „Shift“ aus?

Jemand muss es schaffen, mir zuverlässig genau die neuen Inhalte aus dem Netz zu fischen, die mich interessieren. Das könnte das „nächste große Ding“ sein. Wäre es nicht wunderbar, morgens schon eine Auswahl der neuesten News aus den eigenen Interessensbereichen auf dem Laptop, Tablet, E-Reader oder Smartphone zu haben?

Natürlich wühle ich mich auch gern durch meine RSS-Feeds, Linktipps von Freunden und Bekannten sowie Googles Suchergebnissen. Aber so ein automatisch generiertes, dazulernendes Grundinformations-Dingens wäre perfekt. Versprochen wird uns das schon lange. Wird Zeit, dass es mal jemand erfindet. Aber es muss wirklich, wirklich gut sein. Es muss mich genauso verblüffen, wie mich einst (tja, damals) Google verblüfft hat.

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Steffen Büffel

Steffen Büffel

ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists.

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