rp09: Shift Happens für… Andreas Auwärter

120x44_wIm Vorfeld der re:publica 2009 haben die Blogpiloten 5 Fragen an deutsche Webworkerinnen und Webworker geschickt und gefragt, was sie mit dem Motto der diesjährigen re:publica „Shift Happens“ verbinden. Außerdem fragten wir die Experten wie sie die Gegenwart und Zukunft der Digitalkultur einschätzen. Oliver Gassner, Vivian Pein, Dr. Jan Schmidt, Tina „Picki“ Pickhardt und Martin Koser. Weiter geht es mit Andreas Auwärter (Website)

Andreas beschreibt sich selbst mit den folgenden Tags:

Podcasting – Podcastforschung – web20 in academics – elearning20 – uni20

Und hier die Antworten von Andreas auf unsere Fragen:

shapeimage_5„Shift happens“ – „Veränderung passiert“. So das Motto der re:publica in diesem Jahr. Was verbindest Du ganz persönlich in Deinem (digitalen) Leben und Arbeiten mit diesem Motto?

Zu den üblichen täglichen Checkups gestalten sich weitere Kanäle der Verknüpfung, die gewartet, gepflegt und auch in den Arbeitsalltag eingeplant sein wollen.

„Die Zukunft ist schon da, sie ist nur noch nicht gleichmäßig verteilt“ (Williams Gibson). Welcher Teil der (digitalen) Zukunft ist für Dich schon längst Gegenwart?

Es ist eine fast tägliche Herausforderung das Sinnbringende, den persönlichen, wie allgemeinen Mehrwert anderen, auch Studierenden zu schildern. Für mich ist das der Schlüssel zur nachhaltigen Medienbildung in ihrem umfassenden Sinn. Im erfahrungs- und gegenstandbezogenen Handeln, wie zum Beispiel Podcasten lässt sich das recht gut vermitteln. Es ist nicht das Tool, also das Podcasten an sich, sondern die Eigenart des Mediums, welches in einem bestimmten Kontext eingesetzt wird, einen Sinn erschließt.

„Zurück in die Zukunft!“ – Was sind nach Deiner Erfahrung im Privaten wie im Beruf die größten Barrieren, wenn Du anderen versuchst zu erklären, wie die digitale Kultur „funktioniert?“

Ich habe keine Schwierigkeiten auf Grenzerfahrungen (Schlagwort Digitale Identität etc.) hinzuweisen. Schwierigkeiten bereitet, wenn Menschen beim Wahrnehmen von potentiellen Problemen nicht nach Lösungen und Umgang suchen, sondern sich schneckenhaustechnisch auf das Apostolet des „Dann besser nichts tun“ berufen. Die Gegenposition: Durch aktive Teilnahme Anlässe zu schaffen, bei denen Reflektion über die Tragweite des Handelns angemessen erscheinen – das schafft den richtigen Boden. Doch Barrieren liegen auch auf einer anderen Ebene: Für sich selbst einen Sinn für das Handeln gefunden zu haben, heisst noch lange nicht, dass der Sinn sich jemandem erschließt, wenn man es ihm demonstriert. Oft genug bleibt es bei der Buzzword-Hülse, die dann auch erst wieder zum Leben geweckt wird, wenn für das lernende Individuum die Zeit reif wird.

Als digitale Webworker gestalten wir die Zukunft auch selbst mit. Welchen Themen liegen Dir am Herzen und warum?

Hier muss ich eine Auswahl treffen. Dialog, da es eine Form der Kommunikation beschreibt, welche die gleiche Augenhöhe der Gesprächspartner betont. Bildung – weil mich mit dem Begriff so viel mehr verbindet als Schule. Respekt – weil ich erleben darf, wie verantwortungsvoll (und das auch im umfassenden und digitalen Sinne) nach kurzer Anleitung Studierende in der Lage sind, Erlerntes, Erfahrenes sich Erschließendes, etc. umzusetzen. Medien – hier besonders die auditiven, weil es neben der Wiedergabe durch die Verfremdung oder Transformation sehr viel mehr transportieren lässt als in Schriftform. Kommunikation – hier die gelernte Achtung auch vor dem Horizont anderer Kulturräume. Imperfektion (andere sagen Kreativität) – da sich hier ehrlicher Weise Anspruch und Wirklichkeit treffen und um einen gelungenen Weg der Mitte herausbildet. Partizipation – weil sie Grundlage dessen ist, was wieder in die Gesellschaft zurückspiegeln möchte. Empfangsbereitschaft, denn sie bildet den notwendigen zweiten Kanal zwischen den Akteuren. Kompetenz – nicht nur in der Frage der Handlungsfähigkeit sondern auch der Wirkung und Auswirkung zu begreifen. Fantasie – weil es noch so viele Möglichkeiten gibt, die traditionellem bislang unerschlossen blieb. Identität, weil das Thema an sich anspornt verantwortungsvoll und reflektiert, selbstbezogen als auch fremdbezogen, damit umzugehen.

Was kommt nach Blogs, Social Networks und – unser aller Lieblingshypethema – Twitter? Wie sieht der nächste „Shift“ aus?

Das ist immer eine schwierige Frage. Ich mag es in Form von Wünschen äußern: Verstetigung, im Sinn, dass aus dem Bestehenden die nützlichsten Szenarien ihren begründeten Einklang in die Welt der Bildung aber auch der Praxis findet. Ordnung, im Sinn, dass die vielen eingebrachten und geäußerten Anteile von Inhalten durch bessere und feinere und intelligentere Systeme zu dem interessierten Rezipienten finden. Farben, im Sinn, dass die Wahrnehmung dessen, was sich in meinem beschriebenen „Shift“ vollzieht eben oft nicht in „Schwarz“ und „Weiss“ wiedergeben lassen und notwendigerweise die Zwischentöne und Farben, die Nuancen und eben die Alltagsanwendung besser getroffen werden sollte.

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Steffen Büffel

Steffen Büffel

ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists.

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