Romane digital – Cory zeigt, wie’s geht

Nach der Musikindustrie hat sich auch die Verlagsbranche inzwischen angesichts der neuen Herausforderungen des digitalen Zeitalters warmgejammert und demonstriert aktuell im Streit um Google Books anschaulich, dass man von den Fehlern der Audio– und Filmbranche nichts gelernt hat.
Und mitten in der dicksten Debatte darüber, welchen imensen Schaden es anrichten wird, wenn belletrististischer Content von bösen Piraten ins Netz gestellt wird, veröffentlicht Cory Doctorow mit seinem neuen Buch „Makers“ und zeigt allen mal wieder, wie es gehen könnte.
Doctorow, Netzaktivist und Blogger bei boingboing, verkauft auch sein neues Werk nicht nur konventionell gedruckt, sondern bietet digitale Versionen seines Romans zum kostenlosen Download an. Und zwar nicht nur in Auszügen, sondern komplett.
Eine verrückte Idee, mit der man sich nur ruinieren kann? Geht so. Mit dieser Strategie landete Doctorow immerhin schon auf Bestsellerlisten der New York Times – etwa mit seinem exzellenten und aufrührerischen Jugendroman „Little Brother“.
„Free Books work for me“, erklärt Doctorow auf Publisher’s Weekly – erklärt aber auch, dass er auf jede Menge Unverständnis für seine Freigiebigkeit stößt:

Still, this business of my giving away e-books is a controversial subject. I encounter plenty of healthy skepticism in my travels, and not a little bile. There’s a lot of people who say I’m pulling a fast one, that I’d be making more money if I didn’t do this crazy liberal copyright stuff, or that I’m the only one it’ll ever work for, or that I secretly make all my money from doing stuff that isn’t writing, or that it only works because I’m so successful. Of course, when I started, they said it only worked because I was so unknown.
People want proof that this works—that I’m not deluded or a con artist. But it’s hard to prove. I don’t have a time machine I can use to republish all my books without the free downloads and compare royalty statements. And the skeptics aren’t the only people who claim I’ve got it wrong. There are also the True Believers. The True Believers are the people who say that I’m a fool to give 90% of the cover price of my books to the publisher and bookseller. After all, I have three or four million people a day who read my blog. I could just self-publish all my material and get it directly into the hands of my readers, and pocket the lion’s share of the income.

Darum startet er ein kleines Experiment: Er veröffentlicht seine Kurzgeschichten–Sammlung „With a little help“ ohne einen Verleger im Rücken (ähnlich wie die Band Radiohead es bei ihrer jüngsten Platte versuchte) – um zu schauen, was passiert. Er will kostenlose E–Books anbieten, Hörbücher, Print–on–demand–Taschenbuchausgaben für 16 Euro und streng limitierte Hardcover–Ausgaben für 250 Euro. Die Details, schreibt er bei Publisher’s Weekly, muss er noch ausbaldowern. Aber er überlegt schon jetzt, ob er auch aus den Erfahrungen mit diesem Experiment ein Buch machen soll.
Was auch immer daraus wird: ein spannendes Projekt, das man auf jeden Fall im Auge behalten sollte!

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Meike Laaff

Meike Laaff

(www.laaff.net) lebt und arbeitet als Journalistin in Berlin. Sie ist stellvertretende Ressortleiterin bei taz.de, schreibt für überregionale Zeitungen, Onlinemagazine und produziert Radiobeiträge. Sie betreut zudem das taz-Datenschutzblog CTRL.

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