Roboter und die nächste Industrielle Revolution: Kommt das Ende der Arbeitsplätze?

Roboter übernehmen unsere Arbeit seit den 1960ern. Aber warum sind gerade jetzt unsere Politiker und Geschäftsführer so besorgt darüber, dass Roboter Massenarbeitslosigkeit verursachen?

Es kommt darauf an, wie man einen Roboter definiert. In Science-Fiction-Filmen werden Roboter häufig als Androide dargestellt, die die ihnen auferlegten Aufgaben genau wie Menschen durchführen. In der Wirklichkeit nehmen die Roboter viel spezifischere Formen an. Traditionell begegnen wir Robotern im 20. Jahrhundert in Form von automatisierten Maschinen und Roboterarmen, die Autos in Fabriken zusammenbauen. Im 21. Jahrhundert sind kommerzielle Roboter Selbstbedienungskassen, automatisch geführte Lagerfahrzeuge oder gar Maschinen, die den Burger im Fast-Food-Restaurant belegen.

Doch grundsätzlich sind wir Menschen nicht komplett überflüssig geworden. Die Roboter können zwar sehr effizient sein, aber sie sind auch irgendwie stumm und seelenlos. Sie denken nicht, sie handeln bloß, und tun dies sehr exakt, aber auch mit Einschränkungen. Menschen werden immer noch gebraucht, um Dinge zu tun, die der Roboter nicht kann und ihm zu helfen, wenn dieser ein Problem hat. Aber all dies wird sich ändern – Dank einer neuen Welle von klügeren, besseren Maschinen, die sich an verschiedene Aufgaben anpassen können. Diese Änderung wird so signifikant sein, dass daraus eine neue industrielle Revolution erwachsen wird.

Industrie 4.0

Diese Ära der „Industrie 4.0“ wird von den gleichen technologischen Fortschritten angetrieben, die die Leistungsfähigkeit unserer Smartphones möglich machten. Es ist eine Mischung aus geringen Kosten und leistungsstarken Computern, Hochgeschwindigkeitskommunikation und künstlicher Intelligenz. Dies wird intelligentere Roboter mit besseren Erfassungs- und Kommunikationsfähigkeiten hervorbringen, die sich an verschiedene Aufgaben anpassen und sogar ihre geforderte Arbeit ohne Eingabe des Menschen koordinieren können. In der Fertigungsindustrie, wo Roboter wohl den meisten Fortschritt aller Bereiche machen, wird dies zu einer dramatischen Verschiebung von zentraler zu dezentraler Gemeinschaftsproduktion führen.

Traditionelle Roboter konzentrieren sich auf einen singulären und festgeschriebenen Hochgeschwindigkeitsbetrieb und benötigen hochqualifiziertes Personal zur Betreibung und Wartung. Industrie 4.0-Maschinen sind flexibel, teamfähig und arbeiten unabhängiger, wodurch letztlich die Notwendigkeit hochqualifizierten Personals entfällt.

Für Großhersteller bedeutet Industrie 4.0, dass Roboter ihre Umgebung erfassen und mit ihr kommunizieren können, in einem Industrienetzwerk, das fernüberwacht werden kann. Jede Maschine wird eine Vielzahl an Daten produzieren, die kollektiv ausgewertet werden können. Dieses Phänomen ist uns bereits unter dem Namen Big Data-Analyse ein Begriff. Dies wird dabei helfen, Möglichkeiten zu finden, Betriebsleistungen und Produktionsqualität in der ganzen Anlage zu verbessern. So kann man beispielsweise vorhersagen, wann Wartungsarbeiten anfallen und diese automatisch einplanen.

Für kleine bis mittelgroße Fertigungsunternehmen wird es durch Industrie 4.0 günstiger und einfacher, Roboter zu nutzen. Es werden Maschinen entstehen, die rekonfiguriert und angepasst werden können, um mehrere Aufträge durchzuführen und um an verschiedenen Produktpaletten und unterschiedlichen Produktionsmengen zu arbeiten. Dieser Sektor beginnt bereits von rekonfigurierbaren Robotern zu profitieren, die entworfen worden sind, um mit Personal zusammenzuarbeiten. Sie sollen zudem ihre eigene Arbeit analysieren und verbessern, wie es bereits bei BAXTER, SR-TEX and CareSelect geschieht.

Während diese Maschinen immer intelligenter werden, sind sie noch lange nicht so schlau wie wir. Heutige industrielle, künstliche Intelligenz arbeitet auf einem geringen Niveau, welches den Anschein menschlicher Intelligenz von Maschinen vorzeigt, aber von Menschen kreiert wurde.

Was als nächstes kommt, ist als „Deep Learning“ bekannt. Ähnlich der Big Data-Analyse geht es darum, große Datenmengen in Echtzeit zu verarbeiten, um eine Entscheidung darüber zu treffen, welche Maßnahme am besten ergriffen werden sollten. Der Unterschied besteht darin, dass die Maschinen mit den Daten lernen und so ihre Entscheidungsfindung verbessern. Ein perfektes Beispiel für Deep Learning wurde von der Google-Software AlphaGo-Software demonstriert. Sie hat sich selbst beigebracht, den weltbesten Go-Spieler zu schlagen.

Der Wendepunkt in der Anwendung künstlicher Intelligenz in der Fertigung könnte mit der Verwendung von speziellen Mikrochips, den sogenannten Graphical Processing Units (GPUs), kommen. Doch auch hier ist es noch ein weiter Weg, bis die Technologie soweit ist. Viele große Unternehmen stellen derzeit massenweise Wissenschaftler ein, die hier beim Entwickeln helfen sollen.

Einfluss auf die Industrie

Sobald Industrie 4.0 – Technologien intelligenter und weit verbreiteter verfügbar sein werden, werden Unternehmer beliebiger Größe in der Lage sein kosteneffiziente, vielseitig einsetzbare und zusammenarbeitende Maschinen als Standard einzusetzen. Dies führt zu industriellem Wachstum und Wettbewerb auf dem Markt, durch größeres Verständnis für die Produktionsprozesse, die wiederum zu neuen hochwertigen Produkten und digitalen Dienstleistungen führen.

Wie der tatsächliche Einfluss von intelligenteren Roboterarbeitskräften, mit dem Potential selbstständig zu arbeiten, auf die Fertigungsindustrie haben wird, ist stark umstritten. Künstliche Intelligenz, wie wir sie aus Science-Fiction-Filmen kennen, steckt noch in den Kinderschuhen. Es könnte wohl bis zum 22. Jahrhundert dauern, bis Roboter das Potential haben, menschliche Arbeit überflüssig zu machen – nicht nur durch die Entwicklung von Deep Learning, sondern durch ein tatsächlich existierendes künstliches Verständnis, dass das menschliche Denken nachahmen kann.

Im Idealfall wird die Industrie 4.0 es der menschlichen Arbeitskraft ermöglichen, mehr in ihrem Job zu erreichen, in dem bestimmte, gleichförmige Tätigkeiten abgegeben werden und bessere Roboterwerkzeuge zur Verfügung gestellt werden können. In der Theorie würden wir uns gestatten, den Fokus auf Geschäftsentwicklung, Kreativität und Wissenschaft zu legen. Für einen Roboter wäre dies um einiges schwieriger. Technologie, die uns in der Vergangenheit überflüssig gemacht hat, zwang uns, uns anzupassen – hauptsächlich durch mehr Bildung.

Doch weil gerade Industrie 4.0-Roboter in der Lage sein werden, eigenständig zu handeln, wirken auf uns die Arbeitsplätze in der Produktion überflüssig. Dies geschieht, ohne dass andere Sektoren in der Lage sein werden, neue Arbeitsplätze zu schaffen. So könnten wir auch politische Bewegungen deutlicher erkennen, die die menschliche Arbeit beispielsweise durch Besteuerung von Robotern schützen.

Kurz: In einem idealen Szenario werden Menschen in der Lage sein, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die sie zu Menschen machen – vielleicht sogar durch ein Grundeinkommen aus Roboterarbeit. Letzten Endes wird es von uns abhängen, ob die Roboterarbeitskraft für uns, mit uns oder gegen uns arbeiten wird.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Arbeit“ by MarkoLovric (CC0 Public Domain)


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Jeff Morgan

Jeff Morgan

ist Forscher für Fertigungstechnik in der Abteilung für mechanische Fertigungstechnik am Trinity College in Dublin. Seine Forschungsinhalte beschäftigen sich u.a. mit den Bereichen der Industrie 4.0, mit cyberphysikalischen Systemen und Agent-basierten Designen.

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