Rhinobird.tv: Kann Open Source beim Livestreaming konkurrieren?

Noch ist sie ausgeblieben, die Livestream-Revolution, die sich im Zuge der Einführung der iOS-Apps Meerkat und Periscope am Horizont der Medienevolution abzeichnet. Nun ist bereits das nächste Angebot am Start, das sich jedoch bewusst von anderen Akteuren abhebt: Rhinobird.tv ist browser-basiert und versteht sich nicht als proprietäre Plattform sondern als kollaboratives Livestream-Netzwerk. Derweil arbeitet die kommerzielle Konkurrenz an neuen Features, und zur US-Wahl stellt sich der Messenger-Dienst Snapchat gar als Nachrichtenkanal auf.

Soziale Symbiose

Es ist ein possierliches Tier, das die nächste Innovation im Bereich des Livestreamings verkörpert. Die Macher von Rhinobird.tv haben ihr von der Kight Foundation finanziell unterstütztes Projekt nach Vögeln benannt, die sich häufig auf dem Rücken von Nashörnern aufhalten: „Sie suchen das Fell der Tiere nach Parasiten ab und entfernen diese mit ihren kräftigen Schnäbeln. Auch warnen sie ihre Wirtstiere vor herannahenden Räubern„. Selbst wenn die symbiotische Beziehung des „Madenhackers“ (sic!) zu seinem Wirt wissenschaftlich kontrovers diskutiert wird, ist klar, was hier symbolisiert werden soll: „Our story is not one about what a single animal can do, but what they can do together.“

Das eigentliche Potenzial individuell erstellter Livestreams sieht der hautpverantwortliche Felipe Heusser vom Berkman Center for Internet and Society demnach in der Vielzahl der Perspektiven, die sich einfangen lassen und in ihrer Gesamtheit einen besseren Eindruck vom Geschehen liefern, als die einzelne Aufnahme. Und dieses komplexere Bild sollen sich die Nutzer im Vergleich zu anderen Angeboten nun nicht mehr mühsam erarbeiten, sondern auf einen Blick präsentiert bekommen. Der Schüssel dazu ist die Verschlagwortung; durch sie entstehen „‘crowd-sourced channels’ that are powered by users that add a specific #hashtag (also ‘#channel’) to their live video„. Ein Blick auf den Test des Systems beim Boston Marathon zeigt, dass sich diese intendierte Funktionalität am besten auf Bildschirmen realisieren lässt, die nicht ganz so bescheiden dimensioniert sind.

Die zentrale Rolle des Browsers ist Bestandteil der Open-Source-Philosophie des Projekts („We use an open GPL license, and open standards like WebRTC that enable everyone to participate with a simple browser and beyond.“) und nicht nur für die Rezeption relevant: „Rhinobird can live video stream from browsers, with no need for plugins, apps, or software downloads.“ Gleichzeitig attestiert sich der Anbieter gegenüber der Konkurrenz eine bessere Leistung, denn die Anwendung (noch public beta) liefere Live-Video mit einer Verzögerung unter einer Sekunde, während dieser Wert üblicherweise bei 20 Sekunden liege. Während aber Meerkat und Periscope bislang nur auf iOS-Geräten mit eigenen Apps vertreten sind, geht Rhinobird den umgekehrten Weg und ist auf mobilen Geräten zunächst nur für Android verfügbar.

Wird Snapchat das neue CNN

Während Twitter beispielsweise via @TwitterforNews immer wieder auf Livestreams via Periscope hinweist, bemüht sich Meerkat das Problem, Aufmerksamkeit für Übertragungen zu generieren, durch ein elaboriertes und visuell attraktives Ankündigungsformat zu lösen: „By scheduling an upcoming stream you are letting your audience know that you’ll be going live, in how long, and what you’re going to broadcast. We recommend at least six hours in advance, which gives people a chance to subscribe (and get notified as soon as you go live), restream to their followers, and share the upcoming link with a countdown to your stream.“

Ein Durchbruch hinsichtlich der Nutzung für politische Kommunikation und Berichterstattung ist allerdings bislang ausgeblieben. Es bleibt aber spannend, wie die aktuelle Meldung zeigt, dass der zunehmend auch mit eigenen Inhalten operierende Foto-/Video-Messenger-Dienst Snapchat einen CNN-Reporter angeheuert hat: Peter Hamby gilt als profilierter Politik-Journalist, der bereits über die letzten beiden Wahlkampagnen in den USA berichtet hat. Darüber hinaus hat er als Autor 2013 die Rolle sozialer Medien für die Berichterstattung reflektiert. Der Titel seiner Anhandlung: „Did Twitter Kill the Boys on the Bus? Searching for a better way to cover a campaign.“


Teaser & Image „Ein Rotschnabel-Madenhacker (Buphagus erythrorhynchus) auf einem Büffel“ (adapted) by Farmer Jan~commonswiki (CC BY 2.5)


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Erik Meyer

Erik Meyer

ist Politikwissenschaftler und zu seinen Schwerpunkten zählen Erinnerungskultur 2.0, Netzpolitik und politische Online-Kommunikation. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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