Rezension: Facebook – Marketing unter Freunden I

Wir haben uns entschlossen user generated journalism einzuführen. Das bedeutet, dass wir alle Leser ermuntern, Artikel einzureichen oder aber an den Rezensionen mitzuarbeiten. Das Ratgeber-Buch Facebook – Marketing unter Freunden ist so ein Fall. Eine unserer Autoren (Lena Brombacher) und eine Leserin – Bea Brenner – werden das Buch bewerten. Als Erste ist heute Lena dran und beschreibt den Nutzen aus Sicht der ehemaligen Pressearbeiterin. Frau Brenner wird dann mit ihren über 20 Jahren Erfahrung im Marketing und einer noch vorhandenen interessierten Distanz zu socialmedia berichten, ob und wie das Buch hilft, Hemmschwellen zu überwinden. (Redaktion Netzpiloten.de)

Worum geht es?

Facebook ist die populärste Schnittstelle aller Social Networks. Hier fließen Twitter, youtube, flickr und der Content sämtlicher Blogs, Websites und Plattformen aus dem WorldWideWeb zusammen. Mittlerweile zählt facebook 400 Millionen aktive Mitglieder weltweit, wäre facebook ein Land, wäre es das viertgrößte Land dieser Erde. Nirgendwo erreicht man eine so große Zahl an potentiellen Kunden. Doch wie kommt man als Unternehmen dorthin, wo sich die Konsumenten schon befinden?


Große Unternehmen wie Starbucks oder Coca Cola haben schon längst verstanden, dass sie ihre Zielgruppe am besten über das Web 2.0 erreichen, doch es gibt noch etliche, die völlig im Dunkeln tappen und denen facebook so exotisch erscheint wie ein Trip in die Weiten des Alls. Das haben Felix und Klaus Holzapfel erkannt und das Handbuch mit dem Titel „facebook – marketing unter Freunden“ geschrieben. Das Motto lautet: „Dialog statt plumpe Werbung“. Sie richten sich, wie sie selbst zu Beginn des Buches klarstellen, nicht an facebook-Nerds, sondern an Non-Facebooker, aktive Facebooker, Marketing-Abteilungen und die Führungsetagen von Unternehmen. Für diese wird zu Beginn erst einmal eine kleine Einführung gegeben, wie man eine Fanpage anlegt – was dem normalen User ja bereits bekannt ist. Doch auch für den hat das Buch einiges zu bieten, wenn er die ersten Kapitel überschlägt. Betont wird auch, dass man sich hier duzt, frei nach dem Motto „das sind alles meine Freunde.“

Ich selbst arbeite seit Jahren in den Bereich Werbung und Public Relations, nutze facebook privat und entspreche mit 130 „Freunden“ dem durchschnittlichen Facebook-User. Momentan bin ich mit dem Aufbau einer Fanpage für meinen Blog beschäftigt und bräuchte dringend ein paar Ansätze, wie ich es am besten angehe. Ich kann also noch einiges dazulernen und bin gespannt.

Was lerne ich durch das Buch?

Nun zuallererst habe ich mein Hintergrundwissen über facebook erweitert. Ich wusste nicht, dass facebook aus der Plattform „Facemash“ entstand, die von facebook-Gründer Mark Zuckerberg für Studenten der Harvard-University entwickelt wurde. Als Harvard die Seite verbot wurde daraus „thefacebook.com“ und später facebook. Desweiteren finde ich es sehr interessant zu erfahren, welche die erfolgreichsten Seiten bei facebook sind, nämlich auf Platz 1 „Texas Hold’em Poker“, auf Platz 2 die facebook Seite von Michael Jackson und auf Platz 3 „Mafia Wars“, ein Social Media Game (Stand März 2010). Ich recherchiere dies, doch mittlerweile hat der King of Pop definitiv mehr Freunde als die Pokerseite. So schnell kann es gehen.

Die Inhalte werden verständlich erklärt, teilweise mit hilfreichen Darstellungen. Jedoch muss ich klar sagen, dass das Buch einen Laien komplett überfordern wird. Der Inhalt ist auch für einen Geschäftsführer ohne Marketing Know-How zu kompliziert, für den Marketingprofi etwas langatmig. So wie die Autoren immer wieder betonen, dass es die eierlegende Wollmilchsau nicht gibt, sollten sie sich vielleicht auch auf eine Zielgruppe festlegen, anstatt alle über einen Kamm zu scheren. Ich würde das Buch Marketingabteilungen empfehlen, die sich mit dem Thema facebook noch nicht im Detail auseinandergesetzt haben, bzw. erste Erfahrungen gesammelt haben und wissen möchten, wie sie es richtig angehen sollen. Sie verfügen über das nötige Marketing-Know-How um die zahlreichen Ideen dem Unternehmen gerecht auzuwählen und umzusetzen.

Unterm Strich ist das Buch eine solide Basis, um das System facebook als solches zu verstehen und die Vielzahl an Möglichkeiten im Besonderen zu entdecken. Viele gute Tipps und Hinweise wägen Pro und Contra bestimmter Apps und Einstellungen ab. Ich bekomme viele neue Anregungen dafür, wie ich facebook auch in meinen Blog einbinden kann und darüber Freunde für meine Fanseite gewinnen kann, die dort wiederum alle Posts sofort in ihrem Newsfeed erhalten. Diese Portal übergreifende Vernetzung bietet zahlreiche Vorteile, so kann man seine facebook-ID auch zum kommentieren anderer Blogs und Sites benutzen. Hier beweist sich facebook als Metaebene. Das erste was ich also brauche ist eine simple „Like Box“, die ich mir bei facebook unter Apps downloaden kann. Alles andere werde ich dann nach und nach ergänzen.

Das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis ist ausgewogen und so erfährt man nach ausführlichen Kapiteln über Return on Investment oder Controlling auch etwas über die erfolgreichsten Kampagnen, wie z.B. die Kampagne von Burger King, bei der man 10 Freunde gegen einen Whopper eintauschen konnte. Dass facebook darüber not amused war ist klar. Die Kampagne wurde unterbunden, dennoch hat sie sich in den Köpfen verankert. Das ist gute Werbung und für mich der gelungenste Teil des Buches. Vielleicht hätte man die Beispiele direkt in den jeweiligen Kapiteln einbauen sollen um die Inhalte etwas aufzulockern.

Eine Sache möchte ich jedoch noch loswerden. Ich finde den Vergleich zwischen „Unternehmen – Kunden“ und „Mann – Frau“, den die Autoren mehrmals anwenden, extrem „altbacken“. Man kann doch nicht allen Ernstes einem Publikum, das ständig darauf bedacht ist, ein möglichst cooles Image zu pflegen – nehmen wir z.B. einen Marketing Director bei Nike – erzählen, dass es sich beim Verhältnis zum Kunden wie mit der Anmache zwischen Mann und Frau verhält. Dass heute auch mal die Frau den ersten Schritt macht oder dass man langfristiges Interesse signalisieren muss, damit sich ein lange Beziehung entwickelt und kein One-Night-Stand. Das ist genauso unlustig wie der Tipp „lustige Filme“ hochlzuladen. Abzüge in der B-Note also für die Sprache, teilweise auch in grammatikalischer Hinsicht.

Wenn man das Buch mit seinen 250 Seiten durchgearbeitet hat, haben sich die Regeln bei facebook wahrscheinlich schon wieder geändert oder das Kind hat einen anderen Namen, aber darauf weisen auch die Autoren in ihrem Schlusswort hin. Es geht vielmehr um die Positionierung als Unternehmen im Web an sich, explizit dargestellt am Beispiel von facebook. Denn wer sich dem Fortschritt verschließt, wird es in Zukunft schwer haben, der Konkurrenz standzuhalten. Wer jedoch verstanden hat, dass der Button „gefällt mir“ Türen öffnet, ist den anderen einen Schritt voraus.

Bildnachweis: nanette

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