Rezension: „Eine neue Version ist verfügbar“

Ein Buch über die Veränderung der Kultur durch die Digitalisierung ist interessant. Dass der Autor seinen Ansatz praktisch umsetzt, ist interessanter. Über von Gehlens neue verfügbare Version. // von Julian Heck

Eine neue Version

Es ist kein Buch wie jedes andere. Physisch reiht es sich zwar ein in die bisher veröffentlichten Sachbücher zahlloser Autoren. Das Konzept aber ist ein anderes, welches hinter „Eine neue Version ist verfügbar“ des Journalisten Dirk von Gehlen steckt. Finanziert hat das Buch mit der These, Kultur werde zur Software, nämlich die Crowd – 350 Unterstützer – und geschrieben hat er es gemeinsam mit ihr. Denn: „In einer kulturellen Welt, in der die Ergebnisse kopierbar sind, könnte der Blick auf das Erlebnis neue Perspektiven eröffnen„. Das Erlebnis bei Büchern: Denken und Schreiben.


  • Dirk von Gehlen spricht in „Eine neue Version ist verfügbar“ über die Verflüssigung der Kultur durch die Digitalisierung.
  • Finanziert und inhaltlich angereichert wurde das Buch durch 350 Unterstützer mithilfe von Crowdfunding.
  • Zentrale These des Werkes ist, Kultur als Software zu denken.

Wenn man „Eine neue Version ist verfügbar“ rezensieren möchte, muss man vor dem eigentlichen Inhalt anfangen. Das macht Dirk von Gehlen sein Werk besonders, ohne Zweifel. Wer kann schon von sich behaupten, dass er so etwas wie 350 Co-Autoren hat? Gut, es haben keine 350 Menschen an dem Buch mitgeschrieben, aber immerhin mitgewirkt. Über 14.000 Euro hat der SZ-Journalist per Crowdfunding von Interessierten für ein Buch erhalten, das noch nicht existierte. Dirk von Gehlen war das aber nicht genug, er wollte Leser in den Denk- und Schreibprozess einbinden, hat dafür eine Art virtuellen „Salon“ eröffnet – in Form eines Mailverteilers mit den 350 Unterstützern. Er schrieb sich also nicht im stillen Kämmerlein die Finger wund, sondern bat seine Crowd regelmäßig um Feedback, ehrliche Kritik und Anregungen. Allerdings konnte die Crowd untereinander nicht kommunizieren, aus der Crowd wurde kein Netzwerk. Das Resultat? Ein Buch über die Verflüssigung der Kultur, von Texten, Musik und Filmen, die laut Von Gehlen in Versionen vorliegen. Ihm sieht man nicht an, welchen Einfluss seine Unterstützer wirklich hatten, welchen Mehrwert sie letztendlich – am Ergebnis gemessen – hatten. Für den SZ-Journalisten jedenfalls steigt der Wert des Produktes durch den beschriebenen Entstehungsprozess, das Erlebnis.

Auch inhaltlich interessant

Nach dieser spannenden Vorgeschichte rund um das Erlebnis gilt die Aufmerksamkeit aber nun dem Ergebnis. Dirk von Gehlens zentrale These ist also, dass Kultur zur Software wird, sie also „modular zu denken„. Er möchte „Kulturproduzenten darauf hinweisen, dass es ‚da draußen‘ im digitalen Raum Menschen gibt, die – so wie die Fans bei einem Fußballspiel – gern auf der Tribüne stehen, mitfiebern, reinrufen, teilnehmen würden. Und zwar nicht nur wegen der Resultate, sondern weil Fans, Spieler und Öffentlichkeit gemeinsam ein Erlebnis schaffen, das mindestens ebenso wichtig ist wie das Ergebnis„. Seine Herangehensweise an die These und den Umgang damit in den einzelnen Kapiteln reichert er jeweils mit einem Interview an, das den praktischen Bezug herstellen soll. So spricht er beispielsweise mit Stephan Wehrmeyer über die Überlegung, Gesetze in Versionen zu denken. Somit könnte jeder jederzeit nachvollziehen, wie ein Gesetz zustande kommt und weiterentwickelt wird – vom Einbringen der Idee bis hin zu späteren Aktualisierungen. Das Thematisieren der Entstehungsgeschichte von Kultur, also das Sammeln und Auswerten von Metadaten, sei spannend und sinnvoll. Schon jetzt geschehe dies teilweise, „allerdings (…) meist im Rückblick„. Die Notwendigkeit dieser Verflüssigung von Kultur begründet Von Gehlen anschaulich am Beispiel Journalismus. Denn ein Text könne seine Qualität oftmals anhand seines Entstehungsprozesses – durch die Art der Recherche, durch Ton-Aufnahmen und mehr – ausweisen.

Was folgt aus diesen Erkenntnissen? Das Werk wird mit fünf Aufforderungen beendet. Nach Meinung des Autors müssen wir „das Produkt als Prozess denken„, „das Gespräch führen„, „ein Netzwerk erstellen„, „einen Salon eröffnen“ und „Erlebnisse schaffen„. Fünf Forderungen, die Dirk von Gehlen in den virtuellen Salon wirft und zur Diskussion freigibt.


Eine neue Version ist verfügbar – Update. Wie die Digitalisierung Kunst und Kultur verändert

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Julian Heck

Julian Heck

ist freier Journalist, Dozent und Lehrbeauftragter an der Hochschule Darmstadt. Er schreibt über die Themen Medien, Technik und digitale Wirtschaft. Zu seinen Auftraggebern gehören unter anderem etailment.de, LEAD digital, Mobilbranche, das Medium Magazin, MobileGeeks.de und die Friedrich-Ebert-Stiftung. Vom Medium Magazin wurde der Südhesse 2013 unter die "Top 30 bis 30" Nachwuchsjournalisten gewählt.

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