rp09: Shift Happens… für Vivian Pein

120x44_wIm Vorfeld der re:publica 2009 haben die Blogpiloten 5 Fragen an deutsche Webworkerinnen und Webworker geschickt und gefragt, was sie mit dem Motto der diesjährigen re:publica „Shift Happens“ verbinden. Außerdem fragten wir die Experten wie sie die Gegenwart und Zukunft der Digitalkultur einschätzen. Nachdem wir mit Oliver Gassner gestartet sind, geht es nun weiter mit Vivian Pein

Vivian beschreibt sich selbst in der dritten Perrson mit den folgenden Worten:

Geek Girl und Netzwerkerin aus Hamburg, organisiert leidenschaftlich gerne Barcamps und Co. Nach ihrer Zeit als Headhunterin und Freelancertum in Marketing, PR und Design, hat Sie ein Social Network in eine Unternehmenskultur integriert und arbeitet jetzt als Community Manager bei XING.

Und hier Vivians Antworten auf unsere Fragen:

vivian_pein

„Shift happens“ – „Veränderung passiert“. So das Motto der re:publica in diesem Jahr. Was verbindest Du ganz persönlich in Deinem (digitalen) Leben und Arbeiten mit diesem Motto?

Dass seit ein paar Jahren „online sein“ ein essentieller Teil des Lebens und Arbeitens geworden ist. Dass ich mit Freunden und Kollegen aus der ganzen Welt wesentlich einfacher in Kontakt bleiben kann und dass die Kommunikation deutlich schneller und interaktiver geworden ist – unabhängig von Zeit und Raum.

„Die Zukunft ist schon da, sie ist nur noch nicht gleichmäßig verteilt“ (Williams Gibson). Welcher Teil der (digitalen) Zukunft ist für Dich schon längst Gegenwart?

Unter der Woche mache ich meinen Laptop vor dem Frühstück auf und nehme ihn abends mit ins Bett. Nicht, weil ich einsam und alleine bin, sondern weil ich meinen Medienkonsum fast komplett auf online umgestellt habe. In meiner Wohnung findet man weder TV noch Radio – alles was ich wissen, hören und sehen muss, bekomme ich online. Naja, fast alles – ein gutes Buch oder das „real life“ ist und bleibt unersetzlich für mich. Und ich kann von überall arbeiten, wo ich Internet und meinen Laptop habe – das ist etwas, das ich im letzten Jahr mit 157 Tagen außer Haus sehr zu schätzen gelernt habe.

„Zurück in die Zukunft!“ – Was sind nach Deiner Erfahrung im Privaten wie im Beruf die größten Barrieren, wenn Du anderen versuchst zu erklären, wie die digitale Kultur „funktioniert?“

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und es ist immer schwer Gewohnheiten zu ändern ohne dass die Person selbst erlebt, was einem kleine Änderungen bringen können. Beispiel Beruf: die grösste Angst meiner Kollegen war damals, dass man mit der zusätzlichen Plattform nur noch mehr Arbeit schafft. Wenn man hier klar zeigt, dass es nur ein anderer Weg ist etwas zu tun, ein Weg, der schneller ist und in der Zukunft noch mehr Zeit und Arbeit spart, dann sieht das schon ganz anders aus. Privat ist die grösste Herausforderung immer so weit auf dem Boden zu bleiben, dass der andere einen überhaupt noch versteht und zu sehen, wo wirklicher Mehrwert für das Gegenüber sein könnte. Nicht jeder braucht Twitter oder Blogs, aber ein leidenschaftlicher Hobbyfotograf freut sich total, wenn man ihm flickr zeigt und er plötzlich aus der ganzen Welt positive Kommentare zu seinen Fotos bekommt.

Als digitale Webworker gestalten wir die Zukunft auch selbst mit. Welchen Themen liegen Dir am Herzen und warum?

Mir gefällt der offene Gedanke von Barcamps – voneinander lernen, selbst Wissen weitergeben und Gespräche mit den unterschiedlichsten Menschen. Deswegen helfe ich auch so gerne dabei, diesen Gedanken in andere Themengebiete wie z.B. beim ArtCamp auf das Thema Kunst zu übertragen. Was mir auch sehr am Herzen liegt ist, dass Unternehmen lernen, dass „dieser ganze Social Media Kram“ ein grosses Potential im Unternehmenseinsatz hat. Es gibt so viele Tools, die den Wissensaustausch innerhalb eines Unternehmens schneller und effizienter machen, dabei helfen, dass Zeit gespart wird und dazu führen, dass Mitarbeiter sich mehr vernetzen. Ich bin froh, dass ich die Chance hatte, dieses Potential in ein Unternehmen zu bringen und zeigen konnte, dass es funktioniert.

Was kommt nach Blogs, Social Networks und – unser aller Lieblingshypethema – Twitter? Wie sieht der nächste „Shift“ aus?

Schwer hier Prognosen abzugeben, denn wie schon blogs wird twitter meiner Meinung nach nie bei „allen“ ankommen wie z.B. Telefon oder
Handy. Wie bei 4 aber schon angesprochen gibt es eine Sache, die ich mir wünschen würde – den Shift zu mehr Medienkompetenz und Bewusstsein im Umgang mit dem Internet. Wenn eine Frau in meinem Alter völlig entsetzt darüber ist, dass ich ein Bild von ihr per Mausklick auf meinem Desktop speichere oder ein alter Schulfreund mit Schrecken feststellt, das seine 5 Jahre alten Forenbeiträge über google zu finden sind, dann ist das wirklich bedenklich. Niemand muss sich vor dem Internet verstecken, aber man sollte drüber nachdenken, was man schreibt oder einstellt. Das schöne daran ist – hier kann jeder von uns, der Kinder hat oder haben will, etwas dazu beitragen, dass dies Realität wird.

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Steffen Büffel

Steffen Büffel

ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists.

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