rp09: Shift Happens für… Tina Pickhardt aka PickiHH

120x44_wIm Vorfeld der re:publica 2009 haben die Blogpiloten 5 Fragen an deutsche Webworkerinen und Webworker geschickt und gefragt, was sie mit dem Motto der diesjährigen re:publica „Shift Happens“ verbinden. Außerdem fragten wir die Experten wie sie die Gegenwart und Zukunft der Digitalkultur einschätzen. Oliver Gassner, Vivian Pein und Dr. Jan Schmidt haben unsere Fragen bereits beantwortet, als nächste ist Tina Pickhardt aka PickiHH an der Reihe.

Tina alias Picki beschreibt sich selbst mit den folgenden Tags:

digital maven, consultant for targeting, privacy, personalization & crm

Und hier Tinas Antworten auf unsere Fragen:

speaker-373-128x128„Shift happens“ – „Veränderung passiert“. So das Motto der re:publica in diesem Jahr. Was verbindest Du ganz persönlich in Deinem (digitalen) Leben und Arbeiten mit diesem Motto?

Zugegeben, beim ersten Lesen des Mottos passierte mir gleich ein Lapsus im Sinne eines Verlesers „Shit happens“ – damit kann man natürlich (manchmal) die Twittertimeline verbinden. Nein, im Ernst: Alle Versprechen, die in der New Economy gemacht wurden, bezgl. Kunden-Kommunikation, Transparenz und Macht des Konsumenten im Netz scheinen genau jetzt endlich umsetzbar zu sein. Das Social Net löst damit zehn Jahre nachdem eCommerce Mainstream geworden ist einen Urgedanken des WorldWideWeb ein: vernetzte, transparente Kommunikation an der (fast) alle teilnehmen können und (fast) jeder eine Chance hat gehört zu werden. Und damit verändert sich nicht nur, wie beim eCommerce die Wirtschaft, sondern auch im verstärkten Maße die Politik und die Medienlandschaft nachhaltig.

„Die Zukunft ist schon da, sie ist nur noch nicht gleichmäßig verteilt“ (Williams Gibson). Welcher Teil der (digitalen) Zukunft ist für Dich schon längst Gegenwart?

Über die letzten Jahre hat sich mein Medienkonsum immer stärker ins Netz verlagert. Vor 2 Jahren habe ich mir noch ab und zu ein Print-Magazin gekauft, heute passiert das nur noch aus Archivierungsgründen. Gedruckte Tageszeitungen kaufe ich überhaupt nicht mehr. Seit ein paar Wochen habe ich Spiegel.de durch twitter.com/breakingnewson als erste Website des Tages ersetzt, weil ich dort einen sehr aktuellen internationalen Nachrichtenüberblick bekomme. Ich drucke kaum noch etwas aus. Ich konsumiere wichtige Ereignisse gleichzeitig auf verschiedenen Medienkanälen: Fernsehen, Live-Stream, Twitter. Ich sitze auf einer digitalen Bordsteinkante und die ganze Welt scheint zum Greifen nah.

„Zurück in die Zukunft!“ – Was sind nach Deiner Erfahrung im Privaten wie im Beruf die größten Barrieren, wenn Du anderen versuchst zu erklären, wie die digitale Kultur „funktioniert?“

Fakt ist, die digitale Bordsteinkante bietet zwar jedem einen Platz an, aber nicht jeder möchte sich setzen. Das gilt sowohl für Unternehmen als auch für Freunde. Manchmal wird man für verrückt erklärt, manchmal ist echte Neugierde vorhanden. Doch wer nicht wie ein Webworker den Tag überwiegend im Netz verbringt, sieht derzeit nicht immer die Notwendigkeit, sich den neuesten Trends auszusetzen. Das kann ich nachvollziehen. Das Netz wird jedoch weiterhin unser Alltagsleben durchdringen, egal wie man persönlich dazu steht. Ich habe Freunde, die vor 15 Jahren sagten sie könnten sich nicht vorstellen jemals ein mobiles Telefon zu besitzen und haben jetzt 2-3 Geräte. Mit denen, die mich jetzt für verrückt erklären, werde ich also in 10 Jahren nochmal sprechen…

Als digitale Webworker gestalten wir die Zukunft auch selbst mit. Welchen Themen liegen Dir am Herzen und warum?

Mir liegen besonders die Themen Transparenz und Online Identity am Herzen. Hier brauchen wir neue gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Konzepte, um für die Zukunft einer digitalen Gesellschaft vorbereitet zu sein. Dabei müssen wir mutig genug sein, uns von den alten Gesellschafts- und Volkswirtschaftsideen zu lösen und völlig neu denken. Das ist für mich die grösste Herausforderung für digitale Webworker, die Zukunft gestalten wollen.

Was kommt nach Blogs, Social Networks und – unser aller Lieblingshypethema – Twitter? Wie sieht der nächste „Shift“ aus?

Der nächste Shift ist das semantische Web und das Internet der Dinge, die Verbindung des Virtuellen mit dem Realen auf einem kontextuellen Unterbau.

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Steffen Büffel

Steffen Büffel

ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists.

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