Peter Thiel zu Gast in Berlin

Rede von Peter Thiel: Macht Innovation die Welt besser?

Peter Thiel gab heute in Berlin eine interessante Rede über glückliche Firmen, Überwachung und wie Innovation die Welt retten kann. // von Daniel Peter

Peter Thiel zu Gast in Berlin

Der bekannte deutsch-amerikanische Investor Peter Thiel sprach heute Mittag in Berlin über die Gründung von Unternehmen, ging der Frage nach, ob und wie Innovation die Welt retten kann und gab ein ungewöhnliche Bewertung der NSA-Affäre ab.

„Alle glücklichen Firmen sind einzigartig“

Für Peter Thiel sind konkurrierende Wirtschaften und kapitalistische Wirtschaften zwei grundlegend widersprüchliche Systeme. Um möglichst viel Kapital anzuhäufen und schließlich eine Monopolstellung zu erreichen, erklärte Thiel dem interessierten Publikum, müsse man innovativ und einzigartig sein. Der nächste Mark Zuckerberg wird seiner Meinung nach bestimmt nicht das nächste Facebook erfinden. Wer nur bereits bestehende Muster kopiert – das nächste Google – der müsse seinen Erfolg in direkter Konkurrenz mit anderen Unternehmen suchen. Die Einzigartigkeit sei eine der wichtigsten Ideen der Wirtschaft.

Er, der berühmte Investor, der im Juni 2004 als erster mit einem Darlehen von 500.000 US-Dollar bei Facebook einstieg und nach dem Börsengang des sozialen Netzwerks durch Aktienverkauf über eine Milliarde US-Dollar erzielte, kritisierte andere Investoren, die vor allem in solche Unternehmen, die bekannte Muster nachahmen, investieren. Dadurch würden einzigartige Firmen mit großem Potenzial außer Acht gelassen. Er warnt zudem seine Zuhörer vor Unternehmen, die in ihrer Präsentation zu viele BuzzWords wie Big Data oder Cloud verwenden würden. Solche Firmen wären inhaltlich meist nicht sehr gut aufgestellt und wenig innovativ.

„Wie Innovation unsere Gesellschaft rettet“

Generell würden laut dem gebürtigen Frankfurter zwei Phänomene das 21. Jahrhundert bestimmen: die Globalisierung und der technologische Fortschritt. Die Globalisierung stehe für das Kopieren und Verbreiten von Bestehendem, also extensives Wachstum. Der technologische Fortschritt dagegen besteht aus Innovation und intensivem Wachstum. In der Menschheitsgeschichte hätten sich Phasen der Globalisierung und des technologischen Fortschritts immer abgewechselt. Im Moment befänden wir uns zwar in einer Zeit der Globalisierung, jedoch sollten die Menschen verstehen, dass es nicht ewig so weiter gehen wird und sich die Frage stellen: „Wie kann man die sogenannte entwickelte Welt weiter entwickeln?

Startup-Unternehmen sollten aber nicht nur innovativ sein und Moonshot-Projekte versuchen, sondern sich auch grundlegenden Fragen stellen, wie ob ihr Produkt der Gesellschaft helfen kann und sie durch ihre Einzigartigkeit die Welt etwas verbessern können. Es sei dabei wichtig zu unterscheiden, ob ein Unternehmen gut für die Gesellschaft sei oder die Gesellschaft denkt, diese Firma sei gut für sie. Als Beispiel nennt er Elon Musks Raketenfirma SpaceX, in das er selbst investiert hat, genauso wie Google und Fidelity, die insgesamt rund eine Milliarde US-Dollar investieren. Das Projekt strebt die Kolonialisierung des Mars an, unabhängig davon, ob die Gesellschaft das Projekt für wichtig hält oder nicht. Thiel ist Realist und eine realistischte Sichtweise zu haben ist für ihn die wichtigte Lektion einer Existenzgründung, wie er in der seine Rede abschließenden Fragerunde den interessierten Jungunternehmen erklärte.

Peter Thiel zu Gast in Berlin

Alternative Sichtweise auf die NSA-Affäre

Mit deutlichen Worten, jedoch einer ungewöhnlichen Sichtweise, kommentierte der seit Jahren in den USA lebende Thiel die NSA-Affäre. Für ihn hat der das World Wide Web nahezu komplett überwachende Geheimdienst eher etwas von einer „krebsartig wuchernden Bürokratie als mit der Schreckensvision eines totalitären Überwachungsstaates“ zu tun. „Die NSA-Agenten sind eher ‚Keystone Cops‘ als ‚Big Brother‘„, also ein Haufen unfähiger Polizisten in Anlehnung an einen berühmten Stummfilm und nicht der von George Orwell beschriebene „Big Brother„. „Die NSA sammelt alles ein und hat keine Ahnung, was sie mit den Daten anfangen soll.


Teaser & Imagey by Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG)


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Daniel Peter

Daniel Peter

studiert Politikwissenschaft an der Leuphana Universität Lüneburg und arbeitet als redaktioneller Praktikant bei den Netzpiloten. Er hat bereits Erfahrung in der Öffentlichkeitsarbeit gesammelt und versucht nun seine ersten Schritte in der Welt der Medien. Er interessiert sich für Politik, Umweltschutz, Medien und Fußball.

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