Muss man wissen: So twittert @realdonaldtrump

Ein neuer Tag, ein neuer Tweet, ein neuer Vorfall. Bei einem der neuesten Ereignisse schädigte Donald Trump – der reiche und scheinbar wahllose Twitterer, der zufällig auch noch der Anführer der freien Welt ist – die diplomatischen Beziehungen zu Australien, indem er gegen ein Abkommen bezüglich der Umsiedlung von Flüchtlingen wetterte, das in den letzten Tagen der Präsidentschaft Obamas beschlossen worden war.

Als Malcolm Turnbull, der australische Premierminister, Präsident Trump kontaktierte, um sich Klarheit über das Abkommen, das die Umsiedlung in die USA von bis zu 1.250 Asylsuchenden, die Australien in einem Gefangenenlager auf offener See hält, beinhaltete, war Trump unfreundlich und schroff, sodass er den Anruf unerwartet bereits nach weniger als der Hälfte der vereinbarten Stunde beendete.

Wie üblich nutze er später Twitter, um seine Gedanken weiterzugeben:

Die Ausdrucksweise, Zeichensetzung, Wortwahl und der Tonfall dieses einen Tweets sind ein Beispiel für den gesamten Kommunikationsstil, mit dem die Trump-Anhänger mittlerweile vertraut sind.

Zuerst gibt es die faktischen Ungenauigkeiten – es handelt sich um Asylsuchende, nicht illegale Einwanderer. Dann ist da der Stil der Ansprache. Trump twittert häufig, als würde er sich an jemanden persönlich in einem Gespräch richten („Kannst du das glauben?“). Dies hilft natürlich dabei, die Illusion von Vertrautheit und gemeinsamer Erfahrung zu erschaffen. Der Punkt ist, dass es so weit weg von der herkömmlichen, politischen Diskussion sein soll, dass es als erfrischend und anders angesehen wird. Wir erwarten in den meisten Fällen nicht, dass Staatsmänner so herablassend in Bezug auf den politischen Prozess sind und Umgangssprache verwenden – das heißt, die Sprache („blödes Abkommen“), die normalerweise mit ’normalen‘ Menschen assoziiert wird.

Dann haben wir noch Trumps übermäßige Nutzung von Großbuchstaben und Ausrufungszeichen. Stilistische Leitfäden zeigen uns, dass dies Unreife und maßlose Aufregung kennzeichnen – aber Ausrufungszeichen wurden durch die Verbreitung von Emails und Texten ein universeller Ausdruck für die Stimmung des Autors. Wie Jean Berko Gleason herausstellt: „Sie können die Schroffheit einer kurzen Antwort mäßigen, indem sie den Enthusiasmus, die Ehrlichkeit, die Überraschung des Autors ausdrücken – es hängt alles von der Situation ab.“

Mediale Vermittler übergehen

Diese Tweets sind keinesfalls wahllos und unüberlegt. Es ist klar, dass Trump und seine Berater den Wert verstehen, der darin liegt, die „betrügerischen“ etablierten Medien zu umgehen und direkt das Fundament dieser mit einer verständlichen Sprache zu adressieren. Er ist ein Präsident, dem die Macht der sozialen Medien äußerst bewusst ist. Im November erzählte er im 60 Minuten Programm des Senders ABC:

Ich finde es unglaublich. Es ist eine moderne Art der Kommunikation. Es sollte nichts geben, wofür Sie sich schämen sollten… Die Tatsache, dass ich solch eine zahlenmäßige Macht durch Facebook, Twitter, Instagram, etc. habe, hat mir geholfen, all diese Rennen, in denen sie so viel mehr Geld ausgegeben haben als ich, zu gewinnen.

Auf Twitter verhält sich Trump wie die Berühmtheit, die er ist – er übergeht lästige Mittelsmänner, um sich selbst und seine Grundsätze ohne die Unannehmlichkeiten langer Erklärungen zu vermarkten. Die Begrenzung auf 140 Zeichen ist perfekt geeignet für die Übermittlung von Gefühlen, statt eine eventuelle Ausgewogenheit darzustellen. Der bekannte Akademiker und Medien-Kommentator Jay Rosen sieht es meiner Meinung nach richtig. Das, was Trump kommuniziert, nur als Tweets abzutun, ist eine Illusion, die sie nicht ernst genug zu nehmen droht:

Dies sind öffentliche Aussagen des gewählten Präsidenten. Amtliche Bekanntmachungen von ganz oben. Diese nach ihrer Verbreitungsmethode (Twitter) zu benennen, hilft nicht. Sie können nicht mehr ignoriert werden, genauso wie eine Ankündigung auf whitehouse.gov nicht außer Acht gelassen werden kann.

Wer Trump folgt

Zum Zeitpunkt der Erstellung des Artikels hat Trump 23,3 Millionen Anhänger auf Twitter – und während viele von diesen offensichtlich nicht zu seinen Unterstützern zählen, ist es dennoch klar, dass eine riesige Menge seine Basis bildet und viele von ihnen seine Gedanken an ein sogar noch größeres Publikum weiterleiten. Wer braucht also noch die herkömmlichen Medien?

Trump merkt offensichtlich, dass er diese nicht braucht – es ist aufschlussreich, wenn man feststellt, dass unter den mageren 40 Leuten, denen @realdonaldtrump folgt, nur wenige Journalisten sind. Vielleicht sollte man diese zutreffender als „Medienarbeiter“ bezeichnen. Unter den Familienmitgliedern und Vertretern der verschiedenen Geschäftsinteressen von Trump finden sich Leute wie Bill O’Reilly, Laura Ingraham, Sean Hannity und Eric Bolling, die alle auf die eine oder andere Weise mit Fox News in Verbindung gebracht werden.

Fox News und der aktuelle Vorsitzende und CEO Rupert Murdoch setzte sich über die letzten fünf Jahre aktiv für die politischen Ziele Trumps ein – und trotz gelegentlicher Streits ist die Bewunderung beiderseits vorhanden. Vor wenigen Tagen erklärte Trump während einer Rede, die eigentlich den Black History Month thematisieren sollte: „Ich schaue kein CNN… Ich mag es nicht, falsche Nachrichten zu sehen… Aber Fox hat mich sehr nett behandelt, wo auch immer Fox ist, danke.“

Dies ist von großer Bedeutung, denn, wie Politico berichtet, ist Fox News seit 15 Jahren der am besten bewertete Kabel-Nachrichtensender der USA. Durchschnittlich hat er 2,8 Millionen Zuschauer zur Hauptsendezeit und 1,8 Millionen Zuschauer über den gesamten Tag hinweg. Seine Bewertungen steigen ebenfalls im zweistelligen Bereich, verglichen mit den Zahlen aus dem Vorjahresmonat.

Der Journalist, der vielleicht Trump zu dieser Zeit am nächsten ist, ist Sean Hannity. Es war dieser zuverlässige Unterstützer, dem Trump sein erstes Interview als Präsident im Kabel-Fernsehen gewährte – und es ist eindeutig Hannity, der energisch und auf wirksame Weise Trumps Gesamtbild der herkömmlichen US-Medien darstellte. Hannity sieht die Wahl 2016 als einen Wendepunkt in der Geschichte, durch den die Glaubwürdigkeit der herkömmlichen Medien zerstört wurde. Er sieht den Berufszweig, dessen Teil auch er ist, mit gänzlicher Verachtung an. In einem Interview mit Politico erklärte er: „Die Medien bestehen aus einem Haufen aus überbezahlten, abgehobenen, faulen Millionären, die nichts als Verachtung für die Menschen, die dieses Land großartig machen, verspüren. Ich gehöre nicht zu diesen Menschen.“

Die sozialen Medien sind jedoch der Bereich, in dem Trump unangefochten an erster Stelle steht, und wie Gavin Fernando schrieb, hat er das Spiel der sozialen Medien für Politiker revolutioniert. Jetzt liegt es in der gemeinsamen Verantwortung der Journalisten (wer auch immer dann das Weiße Haus besetzt), den Inhalt der Tweets der Politiker genauso eingehend wie jede andere politische Aussage zu untersuchen.

Eine letzte Sache, die von Interesse für Leser aus Großbritannien sein könnte: Trump folgt nur einem einzigen britischen Journalisten – und das ist der ehemalige CNN-Reporter Piers Morgan.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Donald Trump“ by Gage Skidmore (CC BY-SA 2.0)


The Conversation

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Dr. John Jewell

Dr. John Jewell

ist der Direktor für das Hochschul-Programm an der Schule für Journalismus, Medien und Kulturwissenschaften der Cardiff Universität. Zu seinen Forschungs- und Unterrichtsinteressen zählen unter anderem die Vertretung von Asylsuchenden und Flüchtlingen in den britischen Medien, sowie die Geschichte und Entwicklung der Volkspresse. Er interessiert sich zudem für Werbung, Propaganda und politische Kommunikation.

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