Das Real-Life als Gefängnis – zur Debatte um Internetsperrungen

Im Blindflug über, durch und an der Onlinewelt vorbei kochen von Seiten der Politik gerade wieder hanebüchene Forderungen hoch, die etwas trauriges Beweisen: Die Macht der Industrie über die Politik, und das Komplettversagen der Souffleure, die Angela Merkel oder auch Kulturstaatsminister Bernd Naumann unsägliches zuflüstern.

Worum geht’s?

Die Kriminalisierung hunderttausender Internetnutzer, die nach Ansicht der Musik- und Filmindustrie die von Ihnen gralsgehüteten Urheberrechte der Künstler verletzten würden. Die Rechteindustrie heult, die Bundesregierung tröstet!

Was wird gefordert?

Die Rechtevermarkter wollen härtere Regelungen bei der (Straf-)Verfolgung von „Tätern“ durchsetzen. Die Politik deutet an, dass Internetsperrungen hier ein probates Mittel sein könnten. Heißt: Alle digitalen Leitungen in Richtung Internet werden für die „Verbrecher „gekappt, man sperrt damit insbesondere Jugendliche ins nicht-digitale Leben aus. Dass in der modernen Jugendkultur Medien zum Grundbedürfnis, zum Lifestyle und zum Lernstyle gehören, wird dabei schlcihtweg übersehen. Die Aussperrung offenbar gerne in Kauf genommen. Je drakonischer desto besser, so scheint es. Was dazu wohl StudiVZ und Co. sagen werden???

Wo liegt der Hund eigentlich begraben?

Wie bereits lange bekannt, haben Musik- und Filmindustrie nahezu komplett verschnarcht, was die rasante Verbreitung und Weiterentwicklung des Internet für ihre Industrie heißt. Eine größer werdende Zahl von Nutzern wünscht sich eben nicht die auf eine überteuerte Silberscheibe gepresste Schund-CD mit 1-2 Gassenhauern und 8 Schrottliedern, sondern mehr Entscheidungsfreiheit. Die Titel, die Episoden, die Filme, die ich hier und jetzt sehen will und für die ich auch bereit bin zu zahlen. Apple’s iTunes-Modell hat es doch beispielhaft vorgemacht, wie gut es funktionieren kann, wenn man die Kundenbedürfnisse erkannt und in eine nutzbare Form gebracht hat.

Wie geht es weiter?

Die Chance, dass man sich in der Frage der Urheberrechte auf Seiten der Rechteindustrie und der Politik mal in einer Art und Weise an einen Tisch zusammensetzt, wie es im Sinne der Endverbraucher und Künstler sinnvoll wäre, stehen leider sehr gering. Auch die Chancen, dass Künstler und Endverbraucher mit gleichberechtigter Stimme mit am Tisch sitzen werden, stehen nicht sonderlich gut. Was bleibt ist die Suche nach 1. dem Dialog und 2. der Suche nach alternativen Lösungen, die die großen Rechtehüter und die ewiggestrige Politik aus der Gleichung heraus kürzen und ein Modell finden, das für Künstler wie Endkunden von Vorteil ist.

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Steffen Büffel

Steffen Büffel

ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists.

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