Push-Benachrichtigungen sind nervig. Geht es auch besser?

Die meisten Menschen stellen die Push-Benachrichtigungen ihrer Nachrichten-Apps aus. Kann man sie dazu bekommen, das nicht zu tun? Wenn Sie eine Apple Watch besitzen, haben Sie wahrscheinlich als erstes die Systemeinstellungen umgestellt, damit es nicht die ganze Zeit am Handgelenk rüttelt (Entschuldigung, ich wollte natürlich sagen, sanft vibriert). Ein vibrierendes Telefon in der Tasche ist schon relativ nervig, aber ein vibrierendes Handgelenk ist schlichtweg noch anstrengender. Die neuen tragbaren Geräte machen es den Nachrichtenorganisationen schwerer, wenn es um Nachrichtenstrategien für ihre Apps geht. Und dabei kann man ziemlich viel falsch machen.

Versuchen Sie sich an die Entwicklung, die der Updateprozess für die Nachrichten durchlaufen hat, zu erinnern: von den Portalen aus den 90ern über die Twitter- und Facebook-Feeds in den 2000ern bis hin zu den Benachrichtigungen auf den Desktops und Handys von heute. “Wir verzeihen eher mal einen Fehler, der auf einem Portal oder in einem Feed passiert”, sagt Matt Boggie, ausführender Geschäftsführer des New York Times R&D Lab beim “Future of Notifications”-Gespräch des NYC Media Lab.

Bisher schienen die Verleger ungefähr dieselben Strategien für ihre Armbandgeräte zu benutzen, die sie auch für die Smartphones einsetzten, sagt Boggie. Das ist der beste Weg, um seine Nutzer fernzuhalten. “In dem Moment, in dem man entschieden hat, einer App zuzugestehen, einem eine Benachrichtigung zu senden, ist man ein loyaler Nutzer. Jede Benachrichtigung ist eine neue Möglichkeit, diesen Eindruck vollkommen zu zerstören und ihnen wirklich auf die Nerven zu gehen.

Noch komplizierter wird es, wenn die Unternehmen private Daten haben wollen. “Es ist unglaublich mühsam, alles per Hand einzustellen, was man gerne haben möchte”, sagt Steven Levy, Stellvertreter des Backchannel von Medium. Er hat neulich über ein paar Probleme in diesem Themenfeld geschrieben. “Das für jede App voreinzustellen, ist wirklich eine mühselige Angelegenheit. Die Gefahr dabei ist, dass man, obwohl man eigentlich die Kontrolle über die Benachrichtigung haben möchte, die Verantwortung an große KIs wie Google, Apple und Co abgibt. Man gibt also mehr von sich preis, als man will.

In Diskussionen wurde sich schon viel darüber gestritten, wie man das besser machen könnte. “Vielleicht sollten wir Gebühren nehmen”, sagt Dana Karwas, eine Dozentin der NYU Polytechnic School of Engineering. “Wenn wir schon nicht den Präsidenten ans Telefon kriegen, sollten die Provider ein bisschen dafür zahlen, dass sie sich unsere Zeit einfach nehmen.

Otto Toth, CTO bei der Huffington Post, hält das für Blödsinn. Die Leute wollen und erwarten kostenlosen Content mit Qualität. Matt Hartman von Betaworks schlug vor, dass die Apps Zugang zu den Kalendern der Nutzer bekommen sollten. Im Gegenzug würden sie keine Benachrichtigungen schicken, wenn sich die Nutzer beispielsweise in einer Besprechung befänden. Als er aber nachfragte, wie viele Menschen ihm diesen Zugang auf dem Handy gewähren würden, meldete sich nur ein einziger Mensch.

Benachrichtigungen nerven wirklich ziemlich”, sagte Noah Chestnut, Leiter der Produktion der gerade erschienenen Buzzfeed-News-App. Er zitierte einen Artikel aus dem Urban Airshift, der herausgefunden hatte, dass im Jahr 2013 nur 5 von 10 Personen, die eine Nachrichten-App installiert hatten, die Benachrichtigungen eingestellt hatten. Im Jahr 2014 sank die Zahl auf 4 von 10 Personen. “Die Leute sagen nicht einmal, dass sie Ihnen eine Chance geben, sie zu überzeugen. Sie sagen einfach gleich nein.

Die Nachrichtenorganisationen, die für ihre Apps versuchen, die ideale Einstellung der Benachrichtigung herauszufinden, haben zwei Hauptprobleme, sagt Chestnut. “Zuerst müssen wir mit der Last all der anderen Apps und Produkte umgehen, die wir nicht selbst gebaut haben.

Wenn die Leute erst einmal von den Benachrichtigungen aus anderen Apps abgeschreckt worden sind, schalten sie diese wahrscheinlich eher nicht in Ihrer App an, egal, wie durchdacht man sie aufgebaut hat. Und wo wir gerade davon reden: “Wir müssen cleverer einstellen, wofür die App gedacht ist und einstellen, dass man fragen kann: Hey, wollt ihr Benachrichtigungen? Welche Rolle spielt der Kontext?” Beispielsweise, dass man direkt nach der Installation gefragt wird, ob man die Benachrichtigungen einstellen will, oder erst, nachdem man die App eine Weile genutzt hat.

Die Verleger brauchen auch neue Messwerte, um herauszufinden, ob ihre Benachrichtigungen funktionieren.

Die Klickrate ist ein eher merkwürdiges Maß für die vielen Benachrichtigungen, betont Chestnut. Wenn ich eine Schlagzeile aus der Breaking News App oder über Circa kriege, muss ich nicht unbedingt den ganzen Artikel lesen. Ich verstehe das auch so. Die einzigen Maße, die es gibt, sind: Haben wir es abgeschickt? Hat es jemand geöffnet? Hat jemand die App deinstalliert? Es sollte noch mehr sein. Wir müssen es noch besser hinbekommen, herauszufinden, welchen Eindruck eine Benachrichtigung macht und welchen Wert man ihr zumisst.

Dieser Artikel erschien zuerst auf NiemanLab. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Teaser & Image “Apple –  Watch Sport” (adapted) by Yasunobu Ikeda (CC BY-SA 2.0).


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Laura Hazard Owen

Laura Hazard Owen

ist stellvertretende Chefredakteurin des Niemanlab an der Harvard University. Vorher arbeitete sie als Redaktionsleiterin bei GigaOm.

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