Proboneo

Was machen wir hier eigentlich?

Das Startup Proboneo bietet einem die Möglichkeit, seine Fähigkeit bei helfenden Organisationen für das Gemeinwohl einzusetzen. // von Felicitas Hackmann

Proboneo

Wann haben wir das letzte Mal die Welt ein Stückchen besser gemacht, und zählt ‘Müll trennen’ schon dazu? Es ist ja nicht so, als gäbe es da draußen keine Probleme, die man lösen könnte anstatt vor Kunden zu pitchen, die man eigentlich panne findet oder die das 500. me-too Produkt launchen wollen. Jetzt alles hinschmeißen und Gutmenschen werden? Wer bezahlt dann die Miete? Arbeiten müssen wir, aber vielleicht schafft Proboneo Licht in die Sinnkrisedunkelheit zu bringen.


Warum ist das wichtig? Mal wieder was Richtiges richtig machen? Gar nicht so einfach. Das Startup Proboneo könnte helfen.

  • Viele wissen zwar was sie können, suchen aber den Sinn in ihrem tun.

  • Die, die das Wissen brauchen, können es nicht finanzieren.

  • Ein Startup, dass alle an einen Tisch holt und für ein großes, besseres Ganzes sorgt.


Und? Was hast Du diese Woche so gelistet?

Es kam das erste Mal richtig böse, als ich zu Zeiten meiner Ausbildung eines Abends nach Hause kam und mit meinem Vater über den Tag sprach. Er, Mediziner, hatte diese komplizierte OP erfolgreich hinter sich gebracht. Ich, angehende Kauffrau für Marketingkommunikation, jetzt nicht so.

Und da stand ich. Mit der Frage: Was mache ich eigentlich? Und für wen biete ich irgendeinen Mehrwert?

Ja, man muss auch unterscheiden zwischen einer Azubine und einem seit über 20 Jahren praktizierenden Arzt, aber trotzdem. Warum kann er das Leben von Menschen so direkt bereichern und ich nicht?

Jetzt hinschmeißen und mit GreenPeace auf die Weltmeere? Ist auch nicht die Lösung.

Monatliche Mini-Spenden, mal ein Obdachlosenmagazin kaufen, oder die lokalen Bars und Kaffeeläden unterstützen… Reicht. Fürs Gewissen. Aber das Wissen, dass das Quatsch blieb.

Dann sitzt mir eines Tages Claudia Leißner (29 Jahre alt) gegenüber. Sie ist eine Ex-McKinsey und hat danach in der Stiftung von Aldi Süd gearbeitet und weiß darum wo was und warum bei Projekten fehlt, die gefördert werden müssen.

Bottom Line: Spenden ist schön, aber anpacken ist besser. Denn wir können ja alle etwas, etwas, was andere brauchen. Wir sind Juristen, Grafiker, Entwickler, kennen uns mit Finanzen, Marketing und vielen anderen Sachen aus, die jedes Geschäft braucht. Warum also nicht mal was sinnvolles machen und gemeinnützige Projekte unterstützen?

Pro-Bono? Was habe ich davon?

Wenn jeder an sich denkt, wird an jeden gedacht. Aber es tut auch nicht weh, nach links und rechts zu gucken und man was für die Gemeinde, den Schulverein oder andere zu tun. Bezahlt wird nicht nur mit Luft und Liebe, sondern mit der Tatsache, dass man einen gesellschaftlichen Mehrwert geschaffen hat.

Und sind wir mal ehrlich: Die geilsten Projekte sind leider häufig die, die beschissen oder garnicht bezahlt werden. Aber sie sind super, weil sie auf freiwilliger Basis beruhen und darum oft anders angegangen werden als die Jobs, die man eben machen muss.

Die Pro-Bono Idee ist nicht neu. Claudia Leißner und ihr Team bieten nun über ihre Plattform an engagierte Fach- und Führungskräfte mit gemeinnützigen Organisationen zusammenbringen. Finanzielle Unterstützung erhalten sie zum Beispiel von der BMW Stiftung. Das eigentlich Geschäftsmodell ist allerdings eine Qualitätssicherungsgebühr (3 bis 10 Prozent des Gesamtwert eines Pro-Bono-Projekts), die sie den gemeinnützigen Organisationen in Rechnung stellen (mehr dazu).

“Dafür fehlt mir einfach die Zeit”

Dafür gibt es unterschiedliche Modelle. Von Telefonberatung, über den Kreativmarathon, bei dem 12 – 24 Stunden beraten und und Input geliefert wird, bis zu ganzen Teamprojekten.

Spenden reicht doch aber, oder?

Sicher, spenden ist spitze. Aber erstens glaubt Proboneo daran, dass ihr Weg effizienter und kostensparender ist und zweitens, sieht man die Ergebnisse schneller.

Viele brauchen mal wieder einen Moment, ein Projekt oder ein Resultat. Etwas, das ihnen zeigt, was sie bewegen können. Etwas, dass beweist, dass diese Ausbildung, dieses Studium, alles, was sie Tag ein, Tag aus machen, jemandem etwas bringt.

Nicht jeder wird die Welt im großen Stil verändern, aber vielleicht kann man im Rahmen seiner Möglichkeiten mehr machen als sich einen Eimer Eiswasser überzugießen.

Hat der Fifty-Fifty Verkäufer in der Düsseldorfer Altstadt durch Spenden gelernt, wie er sein Obdachlosen-Magazin interessanter an die Leserschaft bringt? Hat jemand einem Verein mal gesagt, warum er nicht Comic Sans benutzen sollte? Und warum schreibt diese Organisation nie über ihre Projekte auf Facebook?

Es ist keine Rocket Science. Aber hätten am Ende nicht beide Seiten was davon, wenn wir uns mal ein paar Stunden zusammensetzen?

Geld vs. Soziales – ein Kontrast

Final die Frage: Darf man mit sowas Geld verdienen? Ja, ich finde schon. Ich halte das für sinnvoll. Häufig wird gesellschaftlicher Nutzen im Kontrast zu finanziellen Gewinnen gesehen. Geld ist böse, soziales ist gut. So ist es nicht. Warum sollen die, die sich sozial engagieren und dieses Projekt leiten nicht davon leben können?

Und alle so yeah.

Nein.

Dieser Artikel ist kein Aufruf. Es ist kein “Wir machen jetzt die Welt besser”. Aber wenn Du das nächste Mal vor der Frage stehst, was Du hier eigentlich machst, könnte hier ein Schlüssel für die Antwort liegen.


Teaser & Image by Proboneo


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Felicitas Hackmann

Felicitas Hackmann

studierte Medienwissenschaft in Siegen und arbeitete zwischendurch und danach in Startups wie z.B. Airbnb und Stuffle. Nach San Francisco und Hamburg, ging es 2014 nach Berlin, wo sie als freie Reporterin, für z.B. VentureVillage, schreibt. Ohne Twitter, Foursquare und Spotify geht es nicht! Alles weitere gerne in 140 Zeichen an @frau_feli.

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