Beats Headphones Wallpaper (Bild: Paul Mood)

Preiskampf bei Streaming-Diensten: Keine gute Nachricht für Musiker

Noch bevor Apple selber Musik-Streaming anbietet, hat der Konzern bereits einen Preiskampf mit Spotify begonnen, unter dem besonders die Künstler leiden werden. // von Daniel Kuhn

Beats Headphones Wallpaper (Bild: Paul Mood)

Nächstes Jahr will Apple in das Musik-Streaming-Business einsteigen, indem der kürzlich gekaufte Dienst Beats Music in iTunes integriert wird. Doch bereits jetzt fordert das Unternehmen aus Cupertino, dass der Dienst-übergreifende Standardpreis von 10 Dollar halbiert werden müsse. Spotify hat umgehend mit einer Preissenkung reagiert, die sich hinter einem sogenannten Familientarif versteckt. Während sich die Konsumenten und die Musikindustrie freuen, gucken die Künstler erneut in die Röhre. Von den bereits geringen Erlösen aus dem Streaming wird am Ende noch weniger übrig bleiben.


Warum ist das wichtig? Musik ist allgegenwärtig und verliert gleichzeitig immer mehr an Wert – ein Preisverfall bei Streaming-Diensten bedeutet auch sinkende Einnahmen für die Künstler.

  • Apple steigt nächstes Jahr mit Beats Music in das Streaming-Geschäft ein.

  • Die derzeitigen Preise sind Apple zu hoch, die Hälfte soll reichen. Spotify reagiert bereits und senkt die Preise im Rahmen des neuen Familientarifs.

  • Künstler verdienen jetzt bereits kaum nennenswerte Summen bei Spotify und Co. – die Halbierung des Preises werden sie direkt zu spüren bekommen.


Apple diktiert die Regeln, ohne mitzuspielen

Bisher ist Apple in das Spiel um das Streaming von Musik noch gar nicht eingestiegen, aber trotzdem ist der massive Einfluss des Unternehmens bereits deutlich zu spüren. Der Betrag von ungefähr 10 US-Dollar respektive Euro pro Monat ist über alle Streaming-Dienste hinweg als Standard etabliert. Doch Apple ist dieser Preis zu hoch. Die Logik des Unternehmens sieht nach Angaben von Quellen, die die Pläne aus zweiter Hand erfahren haben, folgendermaßen aus: Die Nutzer, die bei iTunes am meisten ausgeben, bezahlen im Jahr 60 US-Dollar für Musik – also 5 Dollar pro Monat. Wenn der Preis für das Streaming-Angebot also auf diesen Preis sinkt, bedeutet jeder Nutzer, der von Kauf auf Abo wechselt, einen gleichbleibenden Umsatz für die Plattenfirmen.

Mehr noch, Nutzer, die im Schnitt weniger Geld für Musik ausgegeben haben, steigern den Umsatz für die Labels sogar. Mit dieser Logik geht Apple derzeit in die Verhandlungen mit den Plattenfirmen. Sollten diese erfolgreich verlaufen, werden diese Konditionen natürlich auch für alle anderen Streaming-Dienste gelten. Doch Spotify wartet hier nicht erst ab, bis Apple und die Labels sich geeinigt haben. Am Montag hat das schwedische Unternehmen einen neuen Familientarif angekündigt, der faktisch eine drastische Preissenkung bedeutet. Wer ein Premium-Account für 10 Dollar/Euro pro Monat hat, kann künftig bis zu 5 „Familienmitglieder“ den Dienst zum halben Preis mitnutzen lassen.

Good news, everyone?

Dieser Preiskampf dürfte vor allem die Nutzer freuen, die somit weniger zahlen müssen. Gleichzeitig dürfte sich auch die Musikindustrie freuen, da durch den niedrigen Preis vermutlich auch viele neue Nutzer für die Abo-Services gewonnen werden können. Jan Tißler sprach aus diesem Anlass auf Netzwertig.com von einer guten Nachricht für Musik, doch da muss ich ihm vehement widersprechen. Natürlich ist es aus wirtschaftlicher Sicht eine gute Nachricht für die Industrie. Doch auch wenn diese immer noch jammert, geht es ihr doch insgesamt sehr gut. Allerdings hauptsächlich dank Goldminen wie Castingshows, die den Fokus auf reinem Entertainment haben, wie Jonathan Band und Jonathan Gerafi in ihrem Bericht auf Infojustice.org zeigen. Aber wie steht es um die Künstler, die eben nicht in diese Kategorie fallen? Die Antwort ist klar: nicht besonders gut.

In der Vergangenheit hagelte es bereits starke Kritik an Spotify und Co., da die Künstler selber nur extrem wenig Geld mit dem Streaming ihrer Musik verdienen. Zuletzt hatte das Thema im vergangenen Jahr für Schlagzeilen gesorgt, als der Radiohead-Sänger Thom Yorke Spotify als „letzten verzweifelten Furz eines sterbenden Leichnams“ bezeichnete und die Werke seiner Band sowie sein Soloalbum von dem Dienst entfernen ließ. Sollte sich der Preis für Streaming-Dienste nun tatsächlich halbieren, muss man kein Mathematiker sein, um zu erraten, was mit den Einnahmen der Künstler geschieht. Zwar können durch die niedrigeren Kosten tatsächlich mehr Kunden für Streaming-Dienste gewonnen werden, allerdings müssten diese Zahlen schon gewaltig ansteigen, damit die Einnahmen für den Künstler nicht sinken. Als ernstzunehmende Einnahmequelle können Dienste wie Spotify also immer noch nicht angesehen werden.

Durch den kommenden Preisverfall wird die Abwertung der Musik, die durch das Einführen der Streaming-Dienste ohnehin schon losgetreten wurde, nochmals verstärkt. Daher verwundert es nicht, dass immer mehr Künstler nach alternativen Vertriebswegen Ausschau halten, mit denen sie unabhängig von den Plattenfirmen ihre Musik direkt an den Hörer bringen können. Thom Yorke hatte zuletzt einen beachtlichen Erfolg mit seinem neuen Soloalbum gefeiert, das er als BitTorrent Bundle veröffentlicht hat. Dieses Experiment kann zwar als geglückt angesehen werden, ein Universalmittel für weniger etablierte Künstler ist es aber leider ebenso wenig wie das offene Bezahlmodell, mit dem Radiohead ebenfalls bereits vor einigen Jahren experimentiert hat. So lange die Musikindustrie trotz prächtiger Zahlen nicht aufhört zu jammern und die Einnahmen nicht gerechter an die Künstler verteilt werden, lässt sich der Preiskampf der Streaming-Anbieter lediglich als gute Nachricht für die Musikindustrie und als schlechte Nachricht für die Musiker bezeichnen.

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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind.

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