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Phonebloks: Die Utopie des modularen Smartphones

Das Projekt Phonebloks macht die Runde in den sozialen Netzwerken. Die Idee, die Bauteile eines Smartphones austauschen zu können, ist dabei so genial wie unrealistisch. // von Daniel Kuhn

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Die Lebensdauer eines Smartphones ist heute kürzer denn je zuvor. Spätestens nach zwei oder drei Jahren ist es zu langsam oder irgendein wichtiges Bauteil ist defekt. Dadurch entsteht viel Elektroschrott, der vermieden werden könnte, wenn das veraltete oder defekte Bauteil ausgetauscht werden könnte. Phonebloks will genau dies durch ein modular aufgebautes Smartphone erreichen. Leider handelt es sich dabei um eine Utopie, die so schnell nicht den Weg in die Realität finden wird.


  • Phonebloks ist eine Kampagne für ein modulares Smartphone, das derzeit sie sozialen Netze beherrscht.
  • Bei Phonebloks sollen defekte oder veraltete Bauteile einfach ausgetauscht werden können.
  • Neben technischen Hürden wird sich das Konzept aus wirtschaftlicher Sicht einfach nicht lohnen.

Ein Smartphone in Lego-Bauweise selber zusammenstecken zu können hat viele Vorteile. Zum einen kann sich der Nutzer das Gerät komplett nach eigenen Vorstellungen zusammenbauen kann, zum anderen weil im Falle eines Defektes schlicht das betroffene Modul ausgetauscht werden kann und nicht das komplette Gerät, mit vielen noch funktionsfähigen Komponenten entsorgt werden muss. Das Konzept sieht vor, dass viele verschiedene Hersteller einzelne Module fertigen können, so ist es zum Beispiel denkbar Lautsprecher bekannter HiFi-Firmen oder Kameramodule von etablierten Herstellern auswählen zu können.

Die Kampagne zu Phonebloks schlägt gerade in den sozialen Netzwerken ziemliche Wellen, dabei handelt es sich lediglich um ein Konzept, das Medienaufmerksamkeit erzeugen soll, nicht um ein konkretes Projekt oder gar eine Crowdfunding-Kampagne oder ähnliches. Über den Dienst Thunderclap können sich Interessenten mit einem Social Media-Konto ihrer Wahl registrieren – in etwas über einem Monat, genauer am 29. Oktober wird dann über die Facebook-, Twitter- oder Tumblr-Profile eine entsprechende Nachricht in die digitale Welt gepostet. Der Erfolg ist überwältigend. Nach nur knapp einer Woche haben sich bereits über 600.000 Nutzer für die Massenbenachrichtigung eingetragen (Das Projekt ist dort inzwischen allerdings verschwunden). Doch so groß das Interesse an Phonebloks auch ist und so gut uns das Konzept auch gefällt, wird es leider nicht Wirklichkeit werden.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Da wäre zunächst der technische Aufbau. Die Komponenten in heutigen Smartphones sind unheimlich liegen unheimlich dicht zusammen, damit die Geräte nicht nur schlank sondern auch möglichst kompakt wirken. Die einzelnen Komponenten derartig anzuordnen, dass sie problemlos austauschbar sind, würde zu deutlich dickeren und größeren Smartphones führen. Damit könnte sich sicher noch so mancher Nutzer anfreunden, weitere Probleme tauchen allerdings bei den einzelnen Modulen auf.

Zunächst stellt sich die Frage, wer die Module eigentlich bauen soll. Auf der Phonebloks-Seite existiert die Idee, dass viele namhafte Hersteller diese Module fertigen sollen. Doch realistisch betrachtet gibt es keinen wirtschaftlichen Anreiz für große Konzerne, dies zu tun, da ihr Hauptinteresse darin besteht, ihre eigenen Smartphones so kompakt und in sich geschlossen zu bauen. Die einzelnen Komponenten werden dabei durch eine genauestens geplante Zuliefererkette bezogen, so dass die Kosten für jedes der Abertausenden identischen Smartphones möglichst niedrig und der Gewinn aus dem verkauften Smartphone möglichst hoch ist. Mit den einzelnen Phonebloks-Bauteilen würde ein Hersteller deutlich niedrigere Gewinne einfahren, wodurch die Preise recht hoch angesetzt werden müssten. Ein aktuelles Smartphone wie das Samsung Galaxy S4 wäre also nicht nur deutlich dicker und größer, sondern würde zudem auch mindestens das Doppelte kosten.

Eine weitere Hürde versteckt sin in der Technik moderner Smartphones. Die einzelnen verbauten Komponenten müssen sehr penibel und akkurat aufeinander abgestimmt werden. Dieser Vorgang kostet den jeweiligen Hersteller jeweils viel Zeit und Geld. Wenn nun aber einzelne Komponenten wahllos ausgewechselt werden können, wird diese Abstimmungsarbeit nicht nur um ein vielfaches komplexer, sondern gar ein Ding der Unmöglichkeit. Wie soll Hersteller A sicherstellen, dass sein WLAN-Modul mit dem Prozessor von Hersteller B zusammenarbeitet und sich zudem auch mit dem GPS-Sensor von Hersteller C verträgt? Natürlich könnte hier ein Kommunikationsstandard Abhilfe schaffen, allerdings springt einen auch hier gleich wieder die Frage an, wer ein Interesse haben sollte Zeit und Geld in dessen Entwicklung zu stecken.

Abschließend bleibt also festzuhalten dass die Idee von Phonebloks unheimlich toll ist, dass es durch die oben genannten Gründe aber wohl auch immer bei der Idee und dem beachtlichen Social Media Hype bleiben wird. Oder um es mit Tocotronic zu sagen: „Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit“.


Teaser & Image by Thunderclap

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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind.

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