Peuplade.fr – Frankreichs soziales Netzwerk für den Kieztreff

Das, was mit Gewehren und Bomben in Paris zerstört werden sollte, lebt in den letzten Monaten umso stärker auf: Gemeinschaft, Zusammenhalt und Solidarität auf den Straßen, in Cafés und auf öffentlichen Plätzen. Zur #NuitDebout versammeln sich Tausende auf dem Place de la République. Bei den Attentaten selbst wurden Fremde in den eigenen Wohnungen aufgenommen (#PortesOuvertes – #OffeneTüren). Mit erhobenem Haupte erklären die Pariser #jesuisenterrasse (#ichbinaufderTerrasse) und lassen sich von den Terroristen nicht von ihrem abendlichen Apéro abhalten. Das Leben findet zum Frühlingsanfang wieder in den vielen Pariser Gassen statt.

Seit neustem wird der Anonymität der Millionenstadt auch auf digitale Weise entgegengewirkt: Peuplade.fr – was übersetzt so viel wie „Volksstamm“ heißt – bringt als erstes soziales Netzwerk Menschen, die Tür an Tür wohnen, zusammen.

Ein gesellschaftliches Bedürfnis

Mitmachen ist so simpel wie die Idee selbst: Auf der Homepage gibt man seine Postleitzahl ein und gruppiert sich zu seiner „Peuplade“ – also zu seinem Viertel, von denen schon über 40 000 in Frankreich online sind.
Im digitalen Kieztreff kann dann entweder Kontakt (via „Bonjour!“) zu Nachbarn aufgenommen, an Veranstaltungen (via „Rendez-vous“) in der Umgebung teilgenommen oder nach Hilfe (via „Merci!“) gefragt werden.

Grégoire Even ist Biologe, arbeitete in der Umwelt-Wirtschaft und engagiert sich für Nachhaltigkeit. Ein lokales Startup zu gründen, mit dem sich ausgetauscht werden kann, war seine ursprüngliche Idee. So kam er zu Peuplade, das bereits vor einigen Jahren gegründet wurde. Im September 2015 holte er die Internetplattform aus dem Dornröschenschlaf: „Peuplade antwortet tatsächlich auf ein Bedürfnis der Gesellschaft und nicht des Marktes„, erklärt Grégoire und verweist auf die Charta der Seite. „In Paris gibt es schon über 15 000 aktive Mitglieder und es werden immer mehr. Das bestätigt die bürgerliche und soziale Tendenz, die wir beobachten, sich wieder mit seinem Quartier verbinden zu wollen.
Denn das, was digital angekurbelt wird, soll im Stadtviertel und in der Nachbarschaft „real“ gelebt werden. Ein „echter Austausch“, der zur Zufriedenheit des Einzelnen und zur einer nachhaltigen Gesellschaft führt.

Von Flüchtlingen über Katzen bis hin zu Sofas

Edle Worte, die bereits in Gesten umgesetzt wurden:

Es gibt viele Stadtbegrünungsprojekte, erklärt Grégoire. Auch setzten sich einige Peuplades für syrische Flüchtlinge ein. Eine weniger ernsthafte Vereinigung hat sich zusammengefunden, um gemeinsam nach einer Katze zu suchen. Und dann gibt es noch viele Sachspenden (Fahrräder, Sofas, Kleider) sowie kleine Trödelmärkte, die von den Peuplades intern organisiert werden.

Mit modernen Hilfsmitteln zum ursprünglichen Umgang zurückkehren – vielleicht sagen wir bald auch wieder ohne digitalen Umweg „Bonjour“ und „Merci“?


Image „Toits de Paris soleil d’hiver, novembre 2014“ (adapted) by Jean-François Gornet (CC BY-SA 2.0)


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