KOLUMNEN

Kolumne

Martin LindnerWir haben viele Identitäten im Netz

Wer einen Namen googelt, findet viele verschiedene Spuren. Aus diesen lässt sich so etwas wie eine Phantom-Persönlichkeit herauskristallisieren. // von Martin Lindner

the crowd near san marco (adapted) by mararie (CC BY-SA 2.0) via flickr

2007 wurden nach dem rätselhaften Mord an einer Polizistin die Gen-Spuren einer weiblichen Person gefunden, deren DNA in den vergangenen 15 Jahren an 26 weiteren Tatorten festgestellt worden war. Es ging um weitere Morde, aber auch um Einbrüche. Die Opfer waren alt wie jung, männlich wie weiblich. Es gab keine Strategie, kein Muster, kein Motiv, keine Kohärenz, keine inneren, keine äußeren Zusammenhänge.

Das folgende Psychogramm erschien letztendlich am wenigsten spekulativ: Eine sehr flexibel agierende Person, die in Gartenhäusern nächtigt, gerne aus zurückgelassenen Flaschen trinkt und sich gelegentlich anderen Ganoven anschließt. Sie hat Bezugspunkte in Rheinland Pfalz, Baden-Württemberg und Oberösterreich, ist möglicherweise drogenabhängig und zwischen 25 und 50 Jahre alt. Eine Frau, die kein bestimmtes Milieu bevorzugt, ein gutes Gespür für Tatorte vor allem in Vororten und Kleinstädten hat, ab und an gezielt Motorräder, Elektrowaren oder Autos stiehlt und sich unliebsamer Beobachter äußerst brutal entledigt, wenn sie bei ihren Verrichtungen überrascht wird.

Aber die Frau hatte kein Gesicht und keine Gestalt, kein Alter, keinen Namen, keine Nationalität, keine Muttersprache. 3000 Spuren wurden erfasst und 2400 bearbeitet, darunter nicht einen einziger konkreter Hinweis auf die Identität der Frau. Tausende von lauwarmen, kühlen und kalten Spuren, die sich untereinander widersprechen. Statt sich scharf zu stellen, zerfiel das Bild in tausend Pixel. Das Bild der Frau war das Bildnis einer monströsen Leere.” (Zitat stark komprimiert)

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Jörg WittkewitzLesetipps für den 1. Juli

Erlesene Links zu einigen Perlen im Web: Blogposts, Artikel und Nachrichten, die uns wichtig erscheinen. Ergänzungen erwünscht.

  • BESSER SUCHEN Nützliche Funktionen: Googles unbekannte Helfer: Google kann weit mehr, als Sie wahrscheinlich ahnen: Es macht sich beispielsweise auch als Währungsrechner, Kinoführer oder Wetterdienst nützlich – und kann Ihnen sogar sagen, wann in Ihrer Stadt die Sonne aufgeht. Die unbekannten Seiten von Google im Überblick.
  • SOCIAL MEDIA – RICHTIG EINSETZEN Why Corporate Social Media Fails: Kaufen Sie vier Social-Media-Berater zum Preis von keinem mit diesem Artikel: “Far too many companies are drinking the social media “Kool-Aid”. They buy aggressively into the hype that has continued to gain momentum but don’t have a clear idea of exactly what they want to do and, as important, why.”
  • KOMMUNIKATION, PR Populäre PR-Irrtümer, Teil 1: Nachtelefonieren: Oh, offenbar ein Profi, Eine seltene Gattung im PR-Wesen. Wie heißt es so schön bei den Römern: Don#039;t call us – we call you
  • ENTERPRISE 2.0 Are Collaboration Software Converging?: I came across a very interesting model today, which attempts a grand conceptualization excercise. Rather grandly titled quot;The Grand Collaboration Convergencequot;, it attempts to make sense of the chaotic mix of saas solutions marketed as quot;online collaborationquot; software.
  • KAUFEN IM WEB Ohne Web kaum noch Kaufentscheidungen – Yahoo! Nachrichten Deutschland: Ohne Web werden heute kaum noch Kaufentscheidungen getroffen. Für Konsumenten ist das Internet zum zentralen Informationsmedium geworden und das gilt quer über alle Branchen hinweg.
  • TECHNOLOGIE Übersicht der bei Facebook eingesetzten Technologien und Systeme: Über den Umweg Facebook lernt Deutschland nun also ‘memcached’ kennen. Endlich.
  • HARDWARE, DELL NYT: DELL hat ein Problem: In Suit Over Faulty Computers, Window to Dell’s Fall: After the math department at the University of Texas noticed some of its Dell computers failing, Dell examined the machines. The company came up with an unusual reason for the computers’ demise: the school had overtaxed the machines by making them perform difficult math calculations.
  • MEDIENFORUM Meedia: Ostrowskis Appell an “Freunde der Medien”: “Wir müssen endlich aufhören, uns selbst zu bejammern”, hat Hartmut Ostrowksi nach dem Ende seiner Keynote noch einmal wiederholt. “Die Renditen, die wir mit unserem Geschäft erwirtschaften, sind immer noch sehr gut und werden es auch bleiben.” Dieses “Wir” bezog der Bertelsmann-Chef freilich nicht nur auf den eigenen Konzern, sondern auf die ganze Branche – die “lieben Freunde der Medien”, wie Ostrowski sein Publikum beim Medienforum NRW zuvor mehrmals angeredet hatte.
  • NETZPOLITIK Apple, Google, Datenschutz und ein gelegentlich paternalistischer Staat: Das Missverhältnis zwischen den Angriffen auf Apple, Google und Co. und den Interessenslagen eines Staats (bzw. einer EU) im Sicherheitswahn und andere Früchtchen…
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Silke LambersVolltreffer: Die Fussball-Tasche

Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten. Die Tasche ist auch rund, hat aber eine deutlich längere Lebenserwartung. Denn mit dieser Wiedergeburt eines Fußballes kommen auch die weiblichen WM- Fans endlich nicht mehr zu kurz. Jede Tasche wird aus einem ausgedienten Trainingsfußball von Hand in Deutschland hergestellt und ist damit jeweils ein einmaliges Einzelstück. Die „Ball Bag“ ist auch geräumiger als man annimmt und fasst alles, bis auf die Vuvuzela. Übrigens gefällt das ungewöhnliche Accessoire nicht nur Frauen: Die Tasche hat außerdem einen extrem hohen Flirtfaktor bei jedem Public Viewing. Meine durchschnittlichen (Ball)kontakte zum männlichen Gegner? Pro Spiel mindestens drei! So macht Recycling nicht nur Sinn, sondern auch richtig Spass. Erschaffen wurde die ultimative Fantasche von dem  Stuttgarter Designteam „Abteil“, das neben Fußbällen noch allerlei andere Materialien zu Taschen verarbeiten.  Zu kaufen bei www.abteil-shop.de

Jörg WittkewitzHD-Videos mit dem iPhone 4

Dieses Video wurde mit dem neuen iPhone 4 aufgenommen und geschnitten. Würde ja gern wissen, wie sie die Fahrten und Schwenks so hinbekommen haben. Wie sie die Schärfe bewertet haben, würde ich auch noch gern wissen. Aber doller Kontrastumfang und schöne Farben.

Jörg WittkewitzPreferred Blog: Studio Glumm

“Wir verabschieden uns flüchtig, und als ich durch das Loft gehe, schauen die Mädels mich mit großen Augen an, als wollten sie in meinem Gesicht ablesen, wie es gelaufen ist, aber ich bleib cool. Undurchsichtig bleiben, Mädels. Das A und O in diesem Metier. Als ich endlich draußen stehe, in den Straßen von Köln, bin ich heilfroh. Einerseits. Andererseits verdient man kaum Geld damit, dass man andauernd heilfroh ist, weil es nicht geklappt hat.”

Wer wirklich lesen will. Wer wirklich eine Stimme hören will, der landet früher oder später beim Glumm. Als die Dinosaurier noch herumwankten, hatte er mal einen Literaturpreis gewonnen. Doch irgendwas kam dazwischen. Zwischen ihn und die große Schriftstellerkarriere. Ein Glück. Vielleicht hätte er dann nie seine beiden Blogs 500beine und seit einiger Zeit das Studio Glumm begonnen. So können wir lesen, schmunzeln, uns ertappt fühlen, in schallendes Gelächter ausbrechen und mitleiden. Ach ja, das Thema. Es geht um das Leben an sich – also echte Literatur. Prosa.
Einer der Besten!

AdvertorialAdvertorial: Sommer-Festivals in England

Seit den Beatles nennt sich England gerne die Heimat der Popmusik. Man muss fairer Weise auch sagen, dass Popmusik nach wie vor eines der wichtigsten Export-Produkte Englands ist. Viele Bands, die auf deutschen und anderen europäischen Festivals spielen, kommen aus Großbritannien. Außerdem ist man hier verrückt nach Festivals und zieht scharenweise jedes Jahr mit lustigen Kostümen, bunten Zelten und manchmal sogar der ganzen Familien auf in die Felder von Glastonbury, Reading oder auf die Isle of Wight. Das muss man mal gesehen haben, schon alleine unter dem Aspekt Kulturstudien.

Der Klassiker aller Festivals: Glastonbury

Ist natürlich schon längst ausverkauft und auch leider schon vorbei. Weil das Kult-Festival, das als Konzert auf einer Wiese des Bauern Michael Eavis angefangen hat, aber inzwischen das beliebteste und sehenswerteste des Landes ist, soll es nur aus Vollständigkeitsgründen erwähnt werden. Und vielleicht klappt es ja nächstes Jahr. Unzählige Bühnen, ein überdimensionaler Zeltplatz und ein ganzes Dorf, das sich dem… äh Merchandising absolut überlebenswichtiger Artikel (Wasserspritzpistolen, Band-T-Shirts, Armbänder, heiße Würstchen, Bier) widmet. Und 2006 sogar ein eigener Kinofilm! Wer, wann, wo und wie viel? 23.-27- Juni, Glastonbury, ca. € 200 [Mehr]

Philipp NoltensmeierMUSIK: Autechre – Move Of Ten

Steve Becket, Chef des Warp-Labels und Wegbegleiter Autechres seit ihrer ersten LP, antwortete in einem älteren Interview auf die Frage, welchem seiner Künstler er es am ehesten gönnen würde, in einem Space-Shuttle abzuheben: “Ganz bestimmt Autechre. So etwas würden sie sich bestimmt nicht entgehen lassen und ihre Musik passt auch sehr gut in den Weltraum!” In fast jeder Autechre-Kritik ist die Rede von “Geräuschen, die ausserirdischer nicht mehr sein könnten”, vom “Sound, um eines Tages in einer anderen Welt aufzuwachen.” Während man den Kollegen Squarepusher eher mit schwitzenden Jazzimprovisationen assoziiert, Aphex Twin mit Horrorsoundtracks und exzentrischem Humor, waren Autechre immer die weltfremden Raumschiff-Helden aus der Zukunft…

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Jörg WittkewitzTanz Deine Spiele!

Jetzt geht es endlich los. Nachdem die Wii den Weg geebnet hatte für ein physisches Spielerlebnis trotz virtueller Simulation, stehen nun Microsoft mit Kinect und Sony mit Move in den Startlöchern. Wer zukünftig spielsüchtig sein will, muss auf eine Konsole verzichten, denn nach einer Stunden dürfte der untrainierte Zocker mit seiner Kondition am Ende sein. Die Redmonder haben mit Kinect eine völlig controllerfreie Variante auf die Beine gestellt. Mit einer Leiste, die an die Wii erinnert, weil man sie auf den Fernseher stellen muss, nimmt Kinect mit zwei Kameras die Bewegungen des Spielers im Raum auf und übersetzt sie in Bewegungen der Spielerfigur. Sonys Antwort auf der PS3 basiert noch auf einem Controller, den man in der Hand halten muss. Das hat bei einigen Spielarten, wo man eh einen Schläger oder ähnliches nutzt möglicherweise Vorteile. Dort kann man dann eventuell auch noch mit den Fingern feineren Einfluß auf bestimmte Parameter nehmen.
Es hängt alles von den Spieleentwicklern ab. Die zeigen sich jedoch außer Peter Molyneux (Black & White, Fable) nicht unbedingt begeistert. Activisions COO Thomas Tipps äußerte gegenüber gamasutra.com:”„Ich glaube, Move und Kinect liefern interessante Möglichkeiten, um Innovationen in bestimmten Franchisesysteme zu bringen, aber wahrscheinlich nicht in jede Art von Spiel. Wir werden abwarten müssen, wie groß die installierte Basis dafür letztendlich sein wird.“ In den USA wird man Kinect von Microsoft für 150 Dollar erwerben können. Sony nennt für seine beiden Move Controller einen Preis von 110 EUR in Europa. Die Befürchtungen der Entwickler könnten mit einem tollen Spiel verschwinden, das die Hemmschwelle senken würde. So wie seinerzeit Halo der XBOX zum Erfolg verholfen hatte oder God of War bei der Playstation 2. Aber da sind wir dann wieder beim Henne-Ei-Problem.
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