OpenData – wer nicht wagt, der nicht gewinnt?!

Daten sind das neue Öl. Diese Aussage gilt nach wie vor und beschreibt unsere Zeiten ganz gut. Dieses Öl wandert vor allem in die Motoren der Startups dieser Welt, die damit versuchen Milliarden im Internet umzusetzen. Und dementsprechend enthält der Gedanke an diese Daten auch bei vielen Nutzern einen faden Beigeschmack. Dass Daten aber noch außerhalb des Kommerziellen mehr können, zeigt uns das Prinzip OpenData, das dem Credo der Transparenz dient und eine neue Welle der Aufklärung auslösen dürfte… wenn man es zulässt.

Verstehen bedeutet zu wissen…

Nutznießer von Daten sind bekannter Weise zum einen die sozialen Netzwerke. Sie beschaffen sich Informationen, indem sie zuallererst den Nutzer durch Anmeldung dazu bringt, das Grundgerüst des Profils anzulegen, um dann durch stetige Interaktionen über dieses, ein Nutzerverhalten anhand der eigenen Interessen mitzuschneiden. Ein anderer Protagonist ist zudem der Branchenzweig der Adresshändler, der beispielsweise via Mailings (leider oft nicht) zielgerichtete Werbung ihrer Kunden in die heimischen digitalen Briefkästen manövriert. Andere clevere Ideenentwickler profitieren mit abweichenden, aber doch oft ähnlichen Konzepten ebenfalls vom Strom der Daten.

Da gibt es zudem Unternehmen wie Silp, die via Facebook-App versuchen an die gesammelten Informationen des Netzwerkes zu kommen und so eine zielgerichtete Jobvermittlung an die Nutzer über dieses anzubieten – du interessierst dich für Autos? Hier sucht jemand einen Mechaniker. Vielleicht passt das ja?! Perfektionieren tut die Auswertung von Daten zudem die mobile Spieleindustrie, die ihre Games mit den gesammelten Informationen ihrer Spieler ständig verbessern wollen. Lernen bedeutet eben verstehen und verstehen bedeutet zu wissen – das ist es, was Daten so interessant macht.

Daten zum Zwecke der Aufklärung…

Was im kommerziellen Bereich bereits zum Konsens wurde und unter der Schirmherrschaft der freien Marktwirtschaft teilweise schon bis zum Gipfel ausgeschlachtet wird, benötigt im gesellschaftlichen Bereich ein wenig länger. Daten die beispielsweise mindestens genauso wertvoll sind, sind die der Verwaltungen. Doch diese fließen eher sporadisch und oft lückenhaft zu denen die sie verwerten wollen.

Während die Verantwortlichen in einigen Verwaltungen wie zum Beispiel in Berlin, Bremen und Hamburg, derzeit das Prinzip OpenData für sich erkennen und es vorantreiben, herrscht im überwiegenden Teil des Landes betroffenes Schweigen und die Angst etwas verkehrt zu machen. Klar Daten sind ein heikles Thema. Doch sie sind nicht weniger wichtig für eine optimierte Wertschöpfungskette im gesellschaftlichen sowie politischen Bereich.

Wie Tobias Gillen beispielsweise in seinem Beitrag auf wasmitmedien.de festgestellt hat, können frei erhältliche Informationen über die Boden- oder Luftqualität eines Gebietes für Firmengründer hilfreich sein, sich für einen Standort zu entscheiden. Auch interessant dürften nach Gillens Meinung so manche Protokolle, Gutachten oder anderen Dokumente für interessierte Bürger sein, die sich in der Lokalpolitik ein wenig mehr einbringen und sich vor Stadtratssitzungen mit Informationen auf Stand bringen wollen. Journalisten wäre die Arbeit in jedem Fall erleichtert. Und selbst regierende Parteien würden mit diesem Transparenz-Credo das Vertrauen einiger Wähler gewinnen bzw. fundamentieren können. Die Chancen die OpenData also mit sich bringt sind klar erkennbar.

Argumente dagegen…

Und doch wird derzeit erst an der Oberfläche gekratzt, denn was der interessierte Beobachter als gemeinhin nützlich empfindet, ist dem anderen noch suspekt. Mal davon abgesehen, dass manch ein Politiker von Transparenz eher weniger hält, gibt es auch augenscheinliche, generelle Gründe die gegen OpenData sprechen.

Viele argumentieren gegen offene und freizugängliche Informationen mit dem derzeit sowieso hochumstrittenen Urheberrecht. Denn einige Erkenntnisse sollen nicht zum Gemeingut, sondern bezahlt werden. Studien oder Marktforschungsergebnisse zu Themen des öffentlichen Sektors könnten unter diesen Bereich fallen. Auch richtet sich viel Kritik an den Umstand, dass durch Steuergelder erhobene freizugängliche Daten in direkter Konkurrenz zu kommerziellen Angeboten treten können – dahingehend hat sich die Causa Tagesschau-App in der Vergangenheit besonders hervorgetan. Hier hat u.a. der Axel-Springer-Verlag den Umstand kritisiert, dass Nachrichten umsonst zur Verfügung gestellt werden. Der Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung kam zum Tragen.

Neben zusätzlichen datenschutzrechtlichen Bedenken wie der Frage der Anonymisierung, kommt es auch immer wieder zu dem Hinweis, dass je nachdem ob Daten frei oder kommerziell zugänglich gemacht werden, sich eine mögliche Haftung für eingebrachte Falschmeldungen erübrigen kann.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt…

Es herrscht also mancherorts noch Klärungsbedarf. Dass das alles Baustellen sind die einer Beachtung bedürfen liegt auf der Hand, dass OpenData aber gerade im Öffentlichen Bereich eine Chance zur Aufklärung und Informationsbeschaffung leistet, ist nicht weniger argumentativ. Denn freie Verfügbarkeit von Daten, dient letztlich einer umsichtigen Politik, in dem dadurch klügere Entscheidungen für verschiedenste Vorgänge getroffen werden können.

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Andreas Weck

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.

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