Oops! Award 2010 – Das Voting

Die größten Blog-Skandale 2010 – Die Top 5 unserer Leser zur Abstimmung
Unser „Oops! Award 2010“ geht in die nächste Runde: aus allen Vorschlägen unserer Netzpiloten-Leser für spektakuläre und unvergessene Blog-Skandale haben wir die Top 5 mit den meisten Nennungen ausgewählt. Hier stellen wir euch die Anwärter auf den diesjährigen Supergau noch einmal vor. Anschließend gibt es das Online-Voting zur Abstimmung. Der Skandal mit den meisten Stimmen wird mit dem „Oops! Award 2010“ bedacht. Wer in den Kommentaren mitwählt und auf den späteren Sieger tippt, nimmt an einer großen Verlosung der Netzpiloten teil. Hauptgewinn sind 5 Kult-Kopfhörer „Oboe“ von WeSC (legendäre StreetCouture).
Wir freuen uns über rege Beteiligung und sind gespannt, wer das Rennen macht!

Mitmachen könnt ihr unten per Kommentaren oder einfach am Ende des Textes klicken beim twtpoll

1. WeTab
Im Oktober 2010 amüsiert sich ganz Deutschland über die peinliche Affäre beim Hersteller des Tablet-Computers WeTab.

Die Ingredienzen: ein mangelhaftes Produkt, ein Bewertungsportal, ein unvorsichtiger und übereifriger Geschäftsführer.

Die Story: Zuerst tönt Geschäftsführer Helmut Hoffer von Ankershoffen, dass er Apple Paroli bietet, dann lobt er sein eigenes Produkt, für das es allerlei Kritik hagelt, im Online-Shop von Amazon unter zwei Pseudonymen über den grünen Klee. Mit wenigen Klicks kann Blogger Richard Gutjahr die Besprechungen auf die Nutzerkonten des WeTab-Chefs und seiner Frau zurückführen. Schuld daran ist eine falsch gesetzte Privacy-Einstellung bei Amazon, über die man auf der persönlichen Wunschliste des Verfassers seinen echten Namen erfährt.
Besonders pikant: Einer der falschen Namen, die Hoffer von Ankershoffen für seine Bewertung wählte, war der nicht ganz unbekannte Internetpionier, Blogger und Autor „Peter Glaser“. Der wiederum hat seinen Anwalt eingeschaltet, um rechtliche Schritte zu prüfen.

Das Ende vom Lied: Helmut Hoffer von Ankershoffen entschuldigt sich öffentlich und zieht sich als Geschäftsführer der WeTab GmbH zurück. Er wollte lediglich seiner Freude über den Marktstart und seiner Überzeugung, dass das WeTab ein tolles Gerät ist, Ausdruck verleihen. „Ein Fehler war es allerdings, nicht meinen eigenen Namen für die Bewertung zu verwenden.“

2. Nestlé / KitKat
Dieses moderne David gegen Goliath-Märchen im Frühjahr 2010 ist ein PR-Debakel der Extraklasse. Manche sprechen auch vom ersten „Facebook-Krieg“ in der Geschichte des Web 2.0.

Die Ingredienzen: Ein aggressiver Umweltschützer-Spot, ein soziales Netzwerk und ein ungeschickt agierender Welt-Konzern.

Die Story: Nestlé produziert mit KitKat einen Schokoriegel, für den indonesisches Palmöl zum Einsatz kommt. Für die Gewinnung werde der Regenwald, das Rückzugsgebiet der Orang-Utans, gerodet, so die Kritik von Greenpeace. Um dies zu untermauern, produziert Greenpeace in Anlehnung an die KitKat-Werbung einen blutigen Spot, bei dem ein Mann genüsslich in den Finger eines Affen beißt. Innerhalb weniger Tage verbreitete sich das Video über YouTube tausendfach. Auf Facebook wird der Spot auf der offiziellen Fanseite von KitKat gepostet. Nestlé steht am Pranger und begeht wahre Social Media-Kardinalsfehler. Zunächst erwirkt der Konzern, dass YouTube den Spot offline nimmt, indem „Urheberrechtsverletzungen“ moniert werden. Später ist auch die KitKat-Fanseite auf Facebook vorübergehend nicht mehr erreichbar, um Postings zu entfernen. Zudem kommentiert Nestlé: „Thanks for the lesson in manners. Consider yourself embraced. But it’s our page, we set the rules, it was ever thus.”

Das Ende vom Lied: Ein Sturm der Entrüstung fegt durchs Web 2.0. Nestlé erfährt einen Imageschaden, der sich nicht beziffern lässt.

3. Deutsche Bahn
Immer wieder gut für einen skandalträchtigen Auftritt, schießt die deutsche Bahn im Frühjahr 2010 auch im Web 2.0 weit über das Ziel hinaus.

Die Ingredienzen: diverse Marketingagenturen, das Web 2.0, ein Großkonzern mit Vorliebe für Fettnäpfchen

Die Story:
Im Auftrag der Bahn machen Marketing-Agenturen wie Allendorf Media durch fingierte Kundenmeinungen Stimmung in Foren und Blogs. Erfundene User äußern sich positiv zum Thema Bahn, schreiben Leserbriefe und stellen Videos von einer gefälschten Straßenumfrage auf YouTube ein. Zeitweise scheint die Imagekampagne zu funktionieren. Doch nur bis aufgedeckt wird, dass die Stellungnahmen von der Bahn bezahlt werden – mit insgesamt 1,3 Millionen Euro.

Das Ende vom Lied: Der PR-Gau bringt der DB eine öffentliche Rüge des Deutschen Rates für Public Relations ein, grundlegende Codizes der Kommunikationsbranche verletzt zu haben, in denen Transparenz und Redlichkeit in der Öffentlichkeitsarbeit gefordert werden.

4. Konstantingate
Dieser Fall steigt als „Konstantingate“ im Oktober 2010 in den Olymp der Skandal-Blogs mit auf.

Die Ingredienzen: ein mitteilungsfreudiger Verlagserbe, die Blogosphäre, ein findiger Medienjournalist

Die Story: Eines Tages untersucht der Medienjournalist Stefan Niggemeier verschiedene Kommentare seines Blogs und stellt fest, dass alle eines gemeinsam haben: Die E-Mail- und die IP-Adresse von Verlagserbe Konstantin Neven DuMont. Was ihn zu der Frage veranlasst: „Hat einer der wichtigsten Medienmanager Deutschlands über Monate in meinem Blog mit etwa 80 Pseudonymen eine dreistellige Zahl von teils irren Kommentaren gepostet, in denen er auf eigene Beiträge verweist, mich und seine Konkurrenz beschimpft, wüste Verschwörungstheorien strickt und seine verschiedenen Identitäten miteinander diskutieren lässt?“ Nachdem Niggemeier diesen Fall öffentlich gemacht hat, geht eine Welle des Entsetzens durch die deutsche Medienwelt. Und der Ruf des Hauses DuMont steht auf dem Spiel. Die Presse erlaubt sich Scherze wie „Wer bin ich und, wenn ja, wie viele?“ oder „Wer hat an meiner Tastatur geschrieben?“.

Das Ende vom Lied: Konstantin Neven DuMont bestreitet die Vorwürfe vehement. Er behauptet, dass die Kommentare „von zwei Personen aus seinem Umfeld abgegeben worden seien“.

5. Wolfgang Schäuble
Diese öffentliche Abkanzlung getarnt als Pressekonferenz Anfang November 2010 ist besser als jede Sitcom und der Renner im Netz.

Die Ingredienzen: ein Pressesprecher-Patzer, 61 Milliarden Euro, ein stark angefressener Bundesfinanzminister.

Die Story: Eigentlich gibt es gute Nachrichten zu verkünden. Wolfgang Schäuble will sein Milliardensteuerplus bekannt geben. Schäubles Sprecher Michael Offer eröffnet die Pressekonferenz mit den Worten, die Unterlagen mit Details zu den Zahlen seien ja bereits verteilt. Einstimmiges „Nein“der Journalisten. Daraufhin Schäuble mit hämischem Grinsen: „Tja, das hatte ich gerade vor 20 Minuten gesagt: Es wäre schön, wenn die Zahlen verteilt wären.“ Offers Erklärungsversuche bügelte er mit den Worten ab: „Herr Offer, reden Sie nicht, sorgen Sie dafür, dass die Zahlen jetzt verteilt werden.“Verärgert kündigt Schäuble daraufhin an, die Pressekonferenz zu verlassen. Es folgen einige Wortwechsel, unter anderem Schäubles „Das hatte ich Ihnen vor einer halben Stunde gesagt. Sorry! Ich hatte Ihnen die Wette angeboten, Sie werden sie nicht verteilt haben.“
20 Minuten später kehrt Schäuble zurück, aber Sprecher Offer ist nicht da. „Kann mir mal einer den Offer herholen?“ Gelächter im Saal, da läuft Schäuble nochmal zur Hochform auf: „Wir warten noch, bis der Offer da ist, er soll den Scherbenhaufen schon selber genießen.“
Das Ende vom Lied: Das Video zur Pressekonferenz amüsiert ganz Deutschland, das Kabinett ist verärgert. Schäuble bedauert öffentlich seine Äußerungen, er habe „vielleicht überreagiert“. Die Reue kommt zu spät: Michael Offer erklärt seinen Rücktritt.

[Update 24.11.]
die twtpoll-Umfrag ist nun 6 Tage alt und zu, aber Ihr könnt natürlich unten weiter in den Kommentaren Euren „Favoriten“ wählen!



Autor: Jeanette Gruber von cocodibu

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Die Netzpiloten nehmen immer mal wieder Gastpiloten mit an Bord, die über ihre Spezialthemen schreiben. Das kann dann ein Essay sein, ein Kommentar oder eine kleine Artikelserie.

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