One Spark: Klaus Breyer über Innovation im Crowdfunding

Welche Rolle spielt Innovation beim Crowdfunding? Darüber sprachen wir mit One Spark-Juror Klaus Breyer. // von Jakob Steinschaden

Klaus Breyer

Am 13. September findet in der Berliner Platoon-Kunsthalle das internationale Crowdfunding-Festival One Spark statt. Die Netzpiloten sind als Medienpartner live vor Ort dabei und berichten, aber bis dahin sprechen wir mit den Experten auf dem Event, welche Rolle Crowdfunding in ihrem Bereich spielt. Klaus Breyer ist Gründer und CEO der Berliner Social-Media-Agentur Buddybrand. Er wird am One Spark Crowdfunding Festival als Juror in der Kategorie „Innovation“ über eingereichte Projekte sein Urteil fällen. Im Interview spricht er über das wichtigste Crowdfunding-Projekt Deutschlands, den Innovationsdruck auf die Banken und seine eigenen Investments.

Jakob Steinschaden: Sie sind am Berliner Crowdfunding-Festival „One Spark“ Juror in der Kategorie „Innovation“. Welche Trends erwarten Sie sich da bei den präsentierten Projekten?

Klaus Breyer: Einen großen Impuls bei den Einreichungen setzt sicherlich die Sharing Economy und das sich dadurch wandelnde urbane Leben. Daraus entstanden sowohl eine Vielzahl von kleinen praktischen Produkten als auch einige größer gedachte Services.

Welche sind die größten Innovationen, die Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter oder Indiegogo bis dato Ihrer Meinung nach hervorgebracht haben?

Auf Deutschland bezogen ist das für mich ganz klar Protonet: Eine Graswurzelbewegung gegen übermächtig erscheinende amerikanische Cloudanbieter, welche in einer tatsächlichen technologischen Innovation und einem profitablen Start-up endete.

Viele Start-ups und Kreative überlegen, eine Crowdfunding-Kampagne zu starten. In welchen Fällen würden Sie aber davon abraten, eine zu machen?

Abraten würde ich, wenn es sich nur um eine vage Idee handelt und noch kein Prototyp existiert. Ebenfalls abraten würde ich, wenn das Team noch nicht vollständig ist. Denn durch die Menschen hinter der Idee überzeugt man doch erst wirklich!

Sie sind Chef und Gründer einer Social-Media-Agentur. Welche wichtigen Tipps können sie Crowdfundern bei der Verbreitung bzw. Bewerbung ihrer Kampagne geben?

Authentisch sein! Und transparent! Kleine nette Insights zu Team oder Produkt bewirken mehr als ständig mantraartig den Spendenaufruf zu wiederholen. Die potentiellen Unterstützer wollen Teil der Entwicklung sein, deshalb sollte man sie daran teilhaben lassen. Oder, noch besser, sogar miteinbeziehen.

Zu Ihren Agenturkunden zählen auch große Unternehmen wie Automarken, Versicherungen oder Fluglinien. Was könnten die von Crowdfunding lernen bzw. wie könnten große Firmen, z.B. Banken, Crowdfunding selbst einsetzen?

Große Firmen können Innovationswettbewerbe durchführen und dadurch ihr Image aufpolieren. Dafür sehe ich vor allem im Bankensektor gerade großes Potential. Denn Banken benötigen nicht nur dringend ein besseres Image, sondern müssen auch mit den disruptiven Fintech-Entwicklungen Schritt halten.

Wie nachhaltig ist der derzeitige Crowdfunding-Trend aus Ihrer Sicht? Projekte wie „Potato Salad“ führen die Idee ja auch ad absurdum.

Projekte wie der Potato Salad haben doch auch etwas Gutes: Es nimmt potentiellen Gründern die Angst davor, selbst ein Projekt zu starten. Denn wenn selbst ein Kartoffelsalat gefundet werden kann, dann ja wohl die eigene Idee erst recht! Die Unterstützung des Potato Salad galt wohl weniger dem Produkt selbst, sondern vielmehr der so erzählten Geschichte. Ich denke nicht, dass wir einem Hype aufsitzen. Crowdfunding ist ja so nah am Konsumenten, dass keine Spekulationsblasen möglich sind. Jedes Projekt ist individuell: Was niemand braucht, bekommt auch kein Funding.

Neben Crowdfunding gibt es auch das Konzept des Crowdinvesting. Gibt es da Vor- bzw. Nachteile gegenüber dem Crowdfunding?

Crowdinvesting sehe ich vor allem für langfristige Geschäftsmodellen, bei denen ein kontinuierlicher Ertrag erwartet wird. Wichtig ist zu verstehen, dass ein erfolgreiches Crowdinvesting alleine nicht unbedingt einen gesicherten Absatz mit sich bringt. Ein abgeschlossenes Crowdfunding allerdings schon. Es eignet sich deshalb gut für die schnelle, geniale und einmalige Idee, auf die die Welt gewartet hat, da sich der potentielle Markt schon alleine durch die Finanzierung ergibt.

Sie werden am One Spark Festival viele Projekte als Juror bewerten. Nach welchen Richtlinien werden Sie urteilen, ob etwas innovativ ist oder nicht?

Ich habe vor der Bewertung extra nochmals nach Definitionen gesucht und bin zu dem Schluss gekommen, dass die von mir ausgewählten Projekte wirkliche Neuerungen mit einem praktischen Nutzen und Chancen auf wirtschaftlichen Erfolg sein müssen. Wenig Chancen hatten Konzepte, bei denen es sich lediglich um das nächste (natürlich absolut einzigartige!) Café in Berlin Mitte oder um alltäglichen E-Commerce handelt. In diesen Bereichen waren auch einige echt gute Ideen dabei, aber eben keine Innovationen.

Haben Sie selbst schon mal ein Crowdfunding-Projekt finanziell unterstützt?

Ja, ständig. Zuletzt die Fitness-App „Run An Empire“. Seit dem erfolgreichen Funding kuriere ich momentan noch gleich mehrere Sportverletzungen aus. Aber ich freue mich trotzdem auf die App – für die nächste Saison dann.


Teaser & Image by Klaus Breyer


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Jakob Steinschaden

Jakob Steinschaden

ist seit 2006 publizistisch auf Papier und Pixel tätig. Er arbeitet in Österreich als Journalist und hat die beiden Sachbücher "Phänomen Facebook - Wie eine Webseite unser Leben auf den Kopf stellt" (2010) und "Digitaler Frühling - Wer das Netz hat, hat die Macht?" (2012) veröffentlicht. In seinem Blog “Jakkse.com” und in Vorträgen schreibt und spricht er gerne über die Menschen und ihr Internet – von Social Media über Mobile Business und Netzpolitik bis zu Start-ups.

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