Ohne uns geht gar nichts!

Das wir.netz boomt. MySpace, YouTube, Facebook und Co verdienen Millionen an unserer Mit-Mach-Mentalität ohne uns Nutzern was abzugeben. Schluss damit: Beteiligung ist angesagt!

Wir Netzpiloten haben schon die erste Web-Welle mitgemacht (einmal steil rauf, dann tief runter und jetzt wieder auf Reiseflughöhe). Wir hätten 1996 nicht im Traum daran gedacht, mit welcher Hingabe sich die Deutschen heute im Netz herumtreiben und sich in MySpace, Flickr, Wikis, Blogs und Websites wohnlich einrichten. Der nüchterne Begriff „Web 2.0“ beschreibt den neuen Boom nur unzureichend, auch wenn sein Erfinder Tim O´Reilly letzte Woche im Exklusiv-Interview mit uns betont hat, dass er den Begriff in erster Linie nicht techisch meint, sondern ihn eher jubelnd für die Wiederauferstehung des Netzes nach dem Dot.com-Crash benutzt.

Wir lieben das neue Leben im wir.netz, auch privat. Aber die kommerzielle Nutzung unserer Inhalte und Profile durch Plattformbetreiber, die lieben wir nicht. Da werden Youtube, MySpace und andere Web 2.0 Stars für immense Beträge verkauft – und wir werden ungefragt und finanziell unbeteiligt als hübsche Kaufmasse verschoben. Einige von uns haben sich einst bei einem smarten Start-Up Produkt registriert und sind jetzt bei Murdoch und Microsoft gelandet. Nicht schön.

Es geht auch anders: Einige Angebote beteiligen ihre Mitmacher an den Erlösen, die sie aus deren Inhalten erzielen. Revver, zum Beispiel, ist eine Videoplattform, die die Werbeeinnahmen für eingestellte Videos hälftig mit dem Urheber teilt. Oder Scoopt, eine Citizen Journalism Agentur, teilt ihre Werbeeinnahmen, wenn Nutzer ihre Flickr-Bilder zur Verfügung stellen. Web 2.0 kann für uns alle noch spannender werden, wenn uns die neuen Anwendungen sogar zum Geldverdienen einladen.

Der Siegeszug von Spreadshirt ist das beste Beispiel, wie man erfolgreich seine Kunden per Web 2.0 in das eigene Geschäftsmodell einbindet: „Kunden designen, Kunden verkaufen und Kunden verdienen mit“, schwärmt Sven Gábor Jánszky von Forward2Business von solch richtungsweisenden Modellen. Neuester Trendsetter ist der elektronische Headhunter Jobleads, der all diejenigen finanziell beteiligt, die beim Finden eines passenden Angestellten helfen. Na also: Geht doch. Willkommen im wir.netz!

Wolfgang Macht

Wolfgang Macht

ist Gründer und Vorstand der Netzpiloten und zählt zu den Pionieren der deutschen Internet-Macher. Er hat den Internet Boom seit 1995 mit allen Höhen und Tiefen erlebt. Die Plattform www.netzpiloten.de begleitet die digitale Revolution erst als virtueller Reiseführer für Netz-Neulinge (Webtouren) und heute als smartes Autoren-Magazin aus der Mitte der Digital-Szene.

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