Ohlala: Bezahlte Dates statt Sex-App?

Seit der Gründung von Peppr Anfang 2014 ist Pia Poppenreiter nicht mehr aus der Berliner Startup-Szene wegzudenken. Nun folgt mit Ohlala der zweite und hoffentlich letzte Anlauf. Peppr, die Webapp für die Bestellung von bezahltem Sex, hat auf internationaler Ebene für Aufmerksamkeit gesorgt. Doch bei viel aufgewirbeltem Staub ist es vorerst geblieben. Die Betreiber von Peppr gingen schon vor einiger Zeit getrennte Wege. Wir haben jetzt Pia Poppenreiter kurz nach Eröffnung von Ohlala gefragt, was denn der entscheidende Vorteil ihres neuen Angebots sein soll.

Auch die Deutschen kennen jetzt Tinder. Diese App wird mittlerweile immer häufiger zur Anbahnung von One Night Stands statt von Partnerschaften benutzt. Wird einem eine neue Person im Umkreis angezeigt, wischt man in die eine Richtung, bei Wohlgefallen und in die andere, um die Person in den virtuellen Mülleimer zu befördern. Das Nutzungserlebnis von Ohlala wird von seinen Gründern irgendwo zwischen Tinder und Peppr verortet. Unkompliziert, ohne Schmuddel und vor allem fix soll es dort zugehen. Umso länger es nach der ersten Kontaktaufnahme bis zum Date dauert, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieses wieder abgesagt wird. Wer spontan Lust hat, will sofort aktiv werden und keinen Terminkalender zücken. Die selbsterklärende Vermittlung nach dem Vorbild von Tinder soll dabei helfen, Zeit und Frust zu sparen.

Ohlala – Was ist das Alleinstellungsmerkmal?

Gegenüber Netzpiloten sagt Poppenreiter, die beiden Gründer seien sich bei Peppr irgendwann nicht mehr einig gewesen, was die gemeinsame Strategie und Ausrichtung betraf. Mit „einem neuen Team und frischem Spirit“ will Poppenreiter mit Ohlala einen neuen Anlauf wagen. Mitgründerin Poppenreiter weiter:

Peppr ist eine App zum Buchen von sexuellen Dienstleistungen. Der Kunde sucht sich eine Dame aus und muss auf Rückmeldung warten; das kann dauern. Ohlala ist dagegen eine App zum Finden eines bezahlten Dates, und das möglichst schnell. Was bei dieser Verabredung genau passiert, ob die beiden schick essen gehen, einen romantischen Abend verbringen oder auch im Bett landen, geht uns nichts an.

Wahrscheinlich wird es in den meisten Fällen um nichts anderes als Sex gehen. Im Zentrum der Entwicklung des Vermittlungsportals stand von Anfang an der „On-Demand-Aspekt“. Der Kontakt sei ähnlich schnell hergestellt, wie mit WhatsApp oder einem anderen Chat-Dienst, erklärt uns die Wahl-Berlinerin. Im Gegensatz zu anderen Vermittlungsportalen soll dies aber eben keine virtuelle Bildergalerie von Escort-Damen sein.

Bei uns entscheiden die Frauen, wem sie sich mit ihrem Profil vorstellen. Damit gewährleisten wir auch eine größtmögliche Anonymität. Bei uns kann ein Mann nicht einfach in den Profilen aller Frauen stöbern, sondern nur in denen, die ′unsere′ Damen für ihn freigeschaltet haben, die also, die wirklich an ihm interessiert sind.

Im Zuge der Einführung gibt die gebürtige Österreicherin nun bekannt, Sex sei „nie ein schlechtes Thema, erst recht nicht für Startups. Eine gute Idee findet Geld.“ Doch noch im Sommer 2014 erklärte sie gegenüber der Netzpiloten-Redaktion auf dem Tech Open Air, wie schwierig sich bei Peppr die Zusammenarbeit mit möglichen Investoren gestaltet hat. Mit der Vermittlung von Prostitution, so erfolgversprechend diese auch sein mag, möchte eben nicht jeder Investor in Verbindung gebracht werden. Bei manchen Geldgebern dürfte das anfängliche Interesse schnell abgekühlt sein.

Nicht mit gezinkten Karten spielen!

Nicht erst seit dem Hack von Ashley Madison ist klar, dass bei Seitenspung-Portalen einige Anbieter mit gezinkten Karten spielen. Die Auswertung des von Hackern veröffentlichten Datensatzes zeigt, dass bei diesem Dienst rund 30 Millionen Männer auf maximal 12.000 Frauen gekommen sind. Die Anzahl der aktiven Frauen, die wirklich ihre Post abgerufen haben, lag wohl nur bei etwa 1.500. Die Chance der zahlenden Männer auf einen Seitensprung war demnach astronomisch gering. Statt mit den Frauen tauschten die Herren Nachrichten mit den Fembots des Unternehmens aus, die sich als interessierte Damen ausgegeben haben.

Zu Abzocke kann es bei Ohlala naturgemäß nicht kommen. Die Vermittlung ist für die Besteller der Dates kostenlos. Auch durch die Anmeldung entstehen keine Gebühren. Wer sich trifft, bezahlt direkt nach Ankunft. „Bei uns kommen die Damen und die Herren direkt auf den Punkt“, ergänzt Pia Poppenreiter. Diesen Monat soll es in Frankfurt und München losgehen. Wie bei Peppr war das Angebot anfangs auf die Bundeshauptstadt ausgerichtet. Von Berlin aus soll sich das Sex-Projekt im Laufe der Zeit in ganz Deutschland ausbreiten. Man wolle zunächst die kritische Masse an Anbietern und Nutzern erreichen und sich erst ab Frühjahr 2016 um die Monetarisierung kümmern. Man wird sehen, wie gut dies gelingen wird.


Teaser & Image „Paar“ (adapted) by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Lars Sobiraj

Lars Sobiraj

schrieb von 2000 bis zum Jahr 2002 für mehrere Computerzeitschriften rund 100 Artikel. Von April 2008 bis Oktober 2012 leitete er beim IT-Portal gulli.com die Redaktion als Chefredakteur. Thematische Schwerpunkte der über 1.000 Beiträge sind Datenschutz, Urheberrecht, Netzpolitik, Internet und Technik. Seit Frühjahr 2012 läuft die Video-Interviewreihe DigitalKultur.TV, die er mit dem Kölner Buchautor und Journalisten Moritz Sauer betreut. Seit mehreren Monaten arbeitet Lars Sobiraj auf freiberuflicher Basis bei heute.de, ZDF Hyperland, iRights.info, torial, Dr. Web und vielen weiteren Internet-Portalen und Blogs. Zudem gibt er Datenschutzunterricht für Eltern, Lehrer und Schüler.

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