Offline (Bild: Craig Garner [CC0], via Unsplash)

Offline-Tage? Nein, danke!

Die letzten Tage im Jahr offline verbringen? Nö! Zwischen Dauer-Surfen und Offline-Sein liegt die Lösung – aber nicht nur an Weihnachten. // von Julian Heck

Offline (Bild: Craig Garner [CC0], via Unsplash)

Mit einem Blick aufs Smartphone aufwachen und den Tag mit dem Anschließen des Smartphones an das Ladekabel beenden. So sieht bei vielen (und bei mir) die Wahrheit aus. Der mobile Computer – ob Smartphone oder Tablet – beherrscht unseren Alltag. Vor Weihnachten las man immer mal wieder Forderungen, das Netz zu ignorieren und einige Offline-Tage einzulegen. Sehe ich gar nicht ein! Mein nützlicher Helfer wich auch an Weihnachten nicht von meiner Seite – warum auch. Nützlich ist er schließlich auch an Weihnachten.


  • An Weihnachten dreht sich die Internet-Welt weiter.
  • Auch an Weihnachten hat das Netz allerlei nützliche Funktionen.
  • Offline zu sein kommt für mich nicht in Frage – nie.

Weihnachten. Volles Programm. Also: pünktlich aufstehen. Immer an meiner Seite: mein Wecker alias Smartphone. Gerade am Aufwachen werfe ich einen Blick auf meine Twitter-Timeline – an diesem Ritual ändert auch der Weihnachtsmann nichts. Klar, man muss mittags oder abends mit der Familie am Esstisch nicht am Smartphone rumspielen und wie ein Suchti die sozialen Netzwerke nach Neuigkeiten abklappern. Sollte sich die ganze Familienbande auch mal außerhalb des Weihnachtsfestes blicken lassen, dann gilt dann aber doch das gleiche, oder nicht?

Handyverbot ist aber quatsch. Wenn die Frau das Geschenk ihres Mannes gerade auspackt und beim Anblick des hervorschimmernden Bügeleisens fast einen Heulkrampf bekommt, dann kann man diese einmalige – oder sich jährlich wiederholende – Situation als Sohn doch schnell man per Smartphone-Kamera festhalten und auf Facebook verbreiten (und die familiäre Weihnachtsharmonie beenden).

Oder man stellt beim Kochen der Weihnachtsgans fest, dass die Zutaten für die Füllung fehlen. Wie nützlich ist in diesem Moment chefkoch.de oder die Facebook- oder Twitter-Community, die nun Alternativen vorschlägt und die Gans rettet – vom besinnlichen Familienbeisammensein ganz zu schweigen. Und was bitte soll der Mann den ganzen späten Abend machen, wenn sich die Frau mit der Schwiegermutter streitet? Klar, Candy Crush spielen oder sich mit dem Kumpel, der die gleiche Situation durchlebt, per Whatsapp austauschen. Oder sich daran erfreuen, dass das Festmahl bei anderen ziemlich misslungen ist, fotografisch festgehalten und per Instagram in die Welt hinaus posaunt.

Mal ehrlich: Die Familie in zehn Jahren, die am Tisch sitzt und sich per Messenger-Dienst unterhält, ist auch keine Lösung. Aber das Handy ganz zu verbannen und sich für das Kommerz-Fest von der Welt abzunabeln? Nein, das steht nicht auf meinem Weihnachtswunschzettel. Auf Offline-Tage kann ich getrost verzichten: an Weihnachten, Silvester, Neujahr, Ostern, im Sommerurlaub, an Geburtstag, immer.


Teaser & Image by Craig Garner (CC0)


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Julian Heck

Julian Heck

ist freier Journalist, Dozent und Lehrbeauftragter an der Hochschule Darmstadt. Er schreibt über die Themen Medien, Technik und digitale Wirtschaft. Zu seinen Auftraggebern gehören unter anderem etailment.de, LEAD digital, Mobilbranche, das Medium Magazin, MobileGeeks.de und die Friedrich-Ebert-Stiftung. Vom Medium Magazin wurde der Südhesse 2013 unter die "Top 30 bis 30" Nachwuchsjournalisten gewählt. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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