Offener Brief: Das Internet schreibt zurück

Tim Pritlove hat einen von Pavel verfassten, offenen Brief des Internet an unsere Bundeskanzlerin veröffentlicht. Den Volltext gibt es als layoutetes PDF hier zum Download, den Text zum direkt nachlesen bei Tim im seinem Blog The Lunatic Fringe.

Die Blogpiloten hatten hier ja schon von den aktuellen Überlegungen gesprochen, Internetsperrungen für „Verbrecher“ einzuführen. Nein, nicht Verbrecher im Sinne von „Steuerhinterzieher, Dieb, Mörder„, sondern im Sinne von: Da hat jemand Musik und Filme aus dem Internet herunter geladen, und das darf er nicht qua Rechteindustrie und wird deshalb vom digitale Leben ins analoge Leben ausgesperrt (so der Plan).

Der offene Brief von Pavel ist eine Reaktion auf diesen offenen Brief der vom Untergang betroffenen bedrohten Film- und Musikindustrie, die sich an die Kanzlerin gewendet hatte, um Druck Vorschläge zu machen, wie man dieses Internetdings endlich kontrollieren oder einfach ganz abschalten kann, um Rechtsverletzungen Einhalt zu gebieten.

Die Sach-, Fakten- und Befindlichkeitslage in diesem Gemenge ist schnell erzählt und vielerorts nachzulesen, zum Beispiel bei Markus in der Netzpolitik. Leseempfehlung hier, hier und hier.

Interessant finde ich, wie schon in anderen Fällen, wie sich eine kleine, aber reichweitenstarke lose Netzwerkstruktur von Bloggern um diese Themen formiert, konstruktive – wenn auch manchmal dennoch recht launig vorgetragene – Vorschläge macht, zurücksendet, den Diskurs, den Dialog sucht. Und dabei doch meist immer noch mit Missachtung gestraft wird. Das schöne ist, diese Missachtung prallt an diesen losen Netzwerken ab und macht diese meiner Beobachtung nach eher noch stärker für aktuelle aber auch künftige Aktionen.

Bei den Debatten um Urheberrechte, Netzneutralität, Creative Commons, Bundestrojaner etc. zeigt sich zusehends, dass sich zwischen all dem Rauschen im Netzwald eine kritische Maße zu formieren beginnt, die als Kollektiv (so zerstritten und unterschiedlicher Meinung man sich intern dennoch ab und an sein mag), die Position(en) bezieht, erwachsener wird, als es die Schweinehirten der frühen Blogosphäre waren (Jede Woche eine andere Sau!).

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Steffen Büffel

Steffen Büffel

ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists.

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